Gemeinsam singen, gemeinsam spielen: Beim Begegnungsfest im Gautinger Rathaus waren viele Kinder dabei. Sie verstehen sich oft ganz ohne Worte. Foto: Andrea Jaksch

Flüchtlinge sagen: "Danke, Bürger aus Gauting"

Gauting - Das Begegnungsfest im Gautinger Rathaus war anrührend. Flüchtlinge und Helfer sangen gemeinsam. Das Schicksal der Asylsuchenden wendet sich in Gauting oft zum Guten.

n Christine Cless-Wesle

Gauting - „Hier hat ein gutes Stück Integration bereits stattgefunden“, freut sich Gautings Vizebürgermeister Dr. Jürgen Sklarek beim dritten Begegnungsfest im überfüllten Rathausfoyer am Samstag. Der bunte Chor mit Kindern aus Unterbrunn, Tschetschenien, Syrien, Afghanistan und der Schweiz singt in makellosem Deutsch das Weihnachtslied „Kling Glöckchen klingelingeling“. Am Schluss lassen sich 250 Bürger, Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer von der deutsch-afrikanischen Band mitreißen und singen gemeinsam „The Lion Sleeps Tonight“. Das geht ans Herz.

„Sie haben eine wahnsinnige Arbeit geleistet“, dankt Sklarek den Ehrenamtlichen vom Helferkreis. Denn die Gautinger um Leiterin Claudia von Maltitz hatten von Anfang an die im August 2013 angekommenen Flüchtlingsfamilien in der Sammelunterkunft an der Ammerseestraße unterstützt, vor allem mit Deutschkursen. Nur wenn die Asylbewerber „unsere Sprache lernen“, hätten sie eine Chance in der Schule und im Beruf, sagt Sklarek. Der Helferkreis stehe bereits vor neuen Aufgaben: „Noch vor Weihnachten wird das Landratsamt 130 Asylbewerber, die Grausames hinter sich haben, die vor Krieg und IS-Terror in ihren Heimatländern geflohen sind, bei Apparatebau Gauting einquartieren, sagt der Vizebürgermeister. Es werde zwar immer Gautinger geben, die den Flüchtlingen „unverschämt begegnen“, bedauert er. „Ich sage Ihnen, es sind ein paar wenige.“

„Wir werden siegen, wenn wir zusammenhalten“: Unter der Leitung von Jutta Jecht schmettern afghanische Kinder ein Fußballlied und schwenken dabei deutsche und afghanische Fähnchen: Die Mädchen und Buben singen in ihrer Muttersprache, sie wohnen erst seit knapp einem Monat in der Stockdorfer Unterkunft.

Galina aus Tschetschenien, die auch Schulweghelferin in Gauting ist, rezitiert das Gedicht „Was ein Kind braucht“, makellos auf Deutsch und Russisch. „Sie ist immer da zum Deutschunterricht“, freut sich Helferin Sibylle Picot. Ihre Schülerin habe schon vier Sprachprüfungen erfolgreich bestanden.

Der Somalier Mubarak berichtet von seinem ersten Besuch im Garten der ehemaligen Schmidt-Klinik an der Gautinger Bergstraße, seinem neuen Zuhause. „Ich dachte, dort sind giftige Schlangen.“ Ein Helfer konnte ihn beruhigen: Es gibt keine giftigen Schlangen. Viele Leute hätten ihm geholfen. „Ich spiele hier Fußball. Jetzt bin ich ein richtiger Gautinger.“ Der Syrer Hassan setzt wiederum alles dran, damit er das Fachabitur schafft: Der 16-Jährige will Ingenieur werden wie sein Vater. „Meine Mutter und meine Schwestern wurden vergewaltigt“, erzählt er.

Elie aus dem Kongo berichtet von den Kindersoldaten in seiner Heimat und von seinem friedvollen Widerstand: „Ich saß im Gefängnis. Thanks, people of Gauting“, sagt der Schwarzafrikaner. „Danke, Bürger aus Gauting.“

Christine Cless-Wesle

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