+
So könnte die Einfahrt des Tunnels in Starnberg aussehen.

Verkehrsentwicklung

Fragen zum Starnberger Tunnel? Hier sind die Antworten!

  • schließen

Die Entscheidung naht. Tunnel oder Umfahrung oder nichts? Am Montag, 20. Februar, beschäftigt sich der Starnberger Stadtrat mit dieser Frage. Wir erklären im Vorfeld noch einmal genau das Projekt.

Starnberg – Eingeladen sind zum Stadtrat auch Ministerialrat Dr. Thomas Linder von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium und Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Sie sollen noch einmal über das Gespräch berichten, das Bürgermeisterin Eva John und Vertreter aller Fraktionen am 19. Januar im Ministerium geführt haben (wir berichteten mehrfach). Ob am 20. Februar bereits eine Entscheidung herbeigeführt wird oder in einer späteren Sitzung, ist noch offen. Der Starnberger Merkur trägt auf dieser Seite die wichtigsten Fakten zusammen – losgelöst von den Emotionen, mit denen die Diskussion seit rund drei Jahrzehnten geführt wird. Bei der Beantwortung der Fragen haben Amtsleiter Michael Kordon und – was die Umfahrung betrifft – Dr. Klaus Huber als Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel geholfen.

Wo soll der Tunnel verlaufen?

Das nordöstliche Eingangsportal ist auf der Münchner Straße in Höhe McDonald’s geplant, das südwestliche auf der Weilheimer Straße in Höhe Franz-Heidinger-Straße. Dazwischen folgt der Tunnel in Teilen der aktuellen B 2-Trasse (siehe Grafik). Der Tunnel liegt zwischen fünf und zwanzig Meter (Schlossberg) unter der Erde. Er bekommt keine weiteren Zu- oder Abfahrten.

Wie lang ist der Tunnel?

Das Bauwerk selbst hat eine Länge von 2180 Meter: 102 Meter Rampe Nord, 1878 Meter reiner Tunnel, 200 Meter Rampe Süd.

Wie breit ist die Tunnelröhre?

Der Tunnel besteht aus zwei Fahrspuren (eine in jede Richtung), die jeweils 3,75 Meter breit sind. Dazu ist auf jeder Seite ein Not-Gehweg vorgesehen, der eine Breite von einem Meter hat.

Welche Sicherheitsvorkehrungen sind geplant?

Es sind sechs Notausstiege geplant, die im Notfall die Menschen vor Feuer und Rauch schützen sollen. Der maximale Abstand zweier Notausstiege zueinander beträgt 300 Meter. Die Sicherheitstüren zu diesen Ausstiegen sind mit so genannten Panikbeschlägen versehen. Von dort aus führen Winkel- oder Rundtreppenhäuser ins Freie. An einem Haken in der Mitte der Treppenhäuser können Personen und Material herausgezogen oder nach unten gelassen werden. Darüber hinaus bekommt jede der beiden Fahrtrichtungen zwei Nothaltebuchten. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen nach Angaben des Staatlichen Bauamts Weilheim dem Stand der Technik, wie er unter anderem nach dem verheerenden Tunnelbrand im Mont-Blanc-Tunnel 1999 aufgestellt wurde.

Wie muss man sich die Straßensituation in den Einfahrtsbereichen des Tunnels vorstellen?

Im nördlichen Einfahrtsbereich des Tunnels werden weiterhin zwei Fahrspuren Richtung Stadt und zwei Fahrspuren Richtung Autobahn um die Tunnelrampe geführt. Im südwestlichen Einfahrtsbereich werden die stadteinwärts und stadtauswärts führenden Fahrspuren um die Tunnelrampe geführt. Rund um die Rampen wird der Straßenraum breiter (siehe Simulation).

Wie kommen Fußgänger oder Radfahrer von der einen Straßenseite auf die andere?

Auf Höhe Gautinger Straße und auf Höhe Landratsamt werden Bedarfsampeln mit Mittelinseln auf der B 2 für Fußgänger und Radfahrer installiert.

Was ändert sich an der Kreuzung der Gautinger Straße mit der B 2, die ja kurz vor den Tunnelrampen liegt?

Dort wäre Linksabbiegen nicht mehr möglich. Die B 2 soll sogar im Kreuzungsbereich eine bauliche Mitteltrennung bekommen. Im Gegenzug sieht das Verkehrskonzept den Durchstich der Petersbrunner Straße auf die B 2 vor.

Lässt sich dieser Durchstich so einfach realisieren?

Bislang ist die öffentliche Hand noch nicht im Besitz der erforderlichen Grundstücke. Das zu Ende gebrachte Planfeststellungsverfahren eröffnet ihr allerdings das Recht, auf die Grundstücke zuzugreifen. In allerletzter Konsequenz wäre sogar eine Enteignung möglich.

Welche Pläne gibt es, was die weiteren bisherigen Kreuzungsbereiche mit der B 2 betrifft, vor allem an der Leutstettener Straße, dem Tutzinger-Hof-Platz und der Söckinger Straße?

Dafür gibt es noch keine Pläne. Die bisherigen Verkehrsbeziehungen müssen grundsätzlich aufrechterhalten werden. Da nach Fertigstellung des Tunnels sowohl die Bundesstraße als auch die Staatsstraßen zu Gemeindestraßen abgestuft werden, würde sich allerdings Gestaltungsspielraum auftun, unter anderem was Ampelphasen, Parkplatzsituationen und Radwege betrifft.

Welches verkehrliche Zusammenspiel könnte sich aus der im Bau befindlichen Westumfahrung Starnberg und dem Tunnel ergeben?

Der Plan ist, dass der Durchgangsverkehr aus Norden, also aus Richtung Gilching und A 96, an der Waldkreuzung auf die Westumfahrung geleitet wird, am Maxhofkreisel auf die B 2 trifft und von dort durch den Tunnel in Richtung A 95 fährt.

Wie viele Autos sind aktuell auf den Starnberger Straßen unterwegs?

Die Zahlen der Verkehrszählung von 2015 liegen noch immer nicht vor, weswegen nur die Zahlen von 2010 bekannt sind. Demnach fahren pro Tag im Durchschnitt auf der B 2 auf Höhe Petersbrunner Straße 35 000 Fahrzeuge (Pkw und Lkw zusammen), auf der B 2/Münchner Straße 30 000 Fahrzeuge, auf der B 2/Hauptstraße 23 000 Fahrzeuge, auf der B 2/Weil–heimer Straße 17 000 Fahrzeuge, auf der Hanfelder Straße 11 000 Fahrzeuge, auf der Gautinger Straße 9000 Fahrzeuge und auf der Söckinger Straße 5000 Fahrzeuge.

Wie viele der Fahrzeuge sind Lkw?

Der Lkw-Anteil auf der B 2 beträgt etwa fünf Prozent.

Von welchen Prognosen für das Jahr 2020 wird ausgegangen?

Die Berechnungen aufgrund des Verkehrsgutachtens von Professor Kurzak geht in einigen Jahren von diesen durchschnittlichen Fahrzeugzahlen pro Tag aus: B 2 auf Höhe Petersbrunner Straße mehr als 40 000 Fahrzeuge, B 2/Münchner Straße 36 000 Fahrzeuge (ohne Tunnel) beziehungsweise 20 000 Fahrzeuge (mit Tunnel), B 2/Hauptstraße 25 000 Fahrzeuge (ohne Tunnel) beziehungsweise 14 000 Fahrzeuge (mit Tunnel), B 2/Weilheimer Straße 20 000 Fahrzeuge (ohne Tunnel) beziehungsweise 7000 Fahrzeuge (mit Tunnel), Gautinger Straße 9000 Fahrzeuge (ohne Tunnel) beziehungsweise 5000 Fahrzeuge (mit Tunnel).

Wie hoch ist die Entlastungswirkung des Tunnels?

Laut Prognose kann der Tunnel 18 000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen.

Wie viel soll der Tunnelbau kosten?

Mit Stand 2011 ist das Staatliche Bauamt von Kosten in Höhe von 162 Millionen Euro ausgegangen. Offiziell gibt es keine aktuellen Zahlen.

Wann könnte mit dem Bau des Tunnels begonnen werden, also welche Schritte wären zwischen einem Stadtratsbeschluss für den Tunnel und dem Baubeginn noch erforderlich?

Nach einem grünen Licht durch den Stadtrat würde das Bauamt zunächst die Baufreigabe beim Bund betreiben, massiv in den Grunderwerb einsteigen, Gespräche mit der Bahn bezüglich der Überführung am Seilerweg aufnehmen sowie Planung, Details und Ausschreibung organisieren.

Nach welchem Verfahren würde der Tunnel gebaut werden?

Der überwiegende Teil (knapp 1700 Meter) soll bergmännisch gebaut werden, also unterirdisch. Dabei wird mit einer Bohrmaschine der Tunnelbau vorangetrieben. Ausgangspunkt wäre das Südportal.

Das Bauamt geht von insgesamt acht Jahren aus, davon vier für den Tunnel.

Welche Belastungen sind während der Bauzeit in Starnberg zu erwarten?

In erster Linie Lärm und Dreck. Der Verkehr müsste während der Bauarbeiten mit schmaleren Fahrspuren und Behelfsfahrbahnen zurechtkommen.

Welche Schutzmaßnahmen für angrenzende Gebäude werden während des Tunnelbaus erforderlich?

Der Tunnelbau wird geologisch begleitet. Noch vor den Arbeiten werden alle Gebäude im Umfeld begutachtet. Sollten während der Arbeiten Setzungen an der Oberfläche auftreten, würden so genannte Hebungsinjektionen in den Boden gebracht, um das Niveau gleichzuhalten.

Wie ist der Stand der Umfahrung?

Im Gespräch ist mittlerweile eine Kombination aus ortsferner Umfahrung (Nordumfahrung) mit einer Osttangente als Verbindung der Hanfelder Straße mit der Gautinger Straße. Das Konzept dafür hat der Verkehrs- und Stadtplaner Professor Peter Kirchhoff für die Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI) vorgelegt. Baurecht liegt für diese Variante allerdings nicht vor.

Wo soll diese ortsferne Umfahrung (Nordumfahrung) verlaufen?

Die ortsferne Umfahrung zweigt nicht erst an der Waldkreuzung, sondern bereits südlich von Mamhofen von der Westumfahrung in Richtung Taubenhüll ab und verläuft weiter nach Osten parallel zur Mühlthaler Straße. Sie überquert das FFH-Gebiet bei Mühlthal auf einer Hochbrücke und verläuft anschließend ziemlich gradlinig zur Autobahn, wo bei Oberdill ein neuer Anschluss an die A 95 errichtet werden müsste. Über diesen Anschluss könnte auch das geplante Gewerbegebiet Schorn mit der Garmischer Autobahn verbunden werden. Dieser Trassenverlauf würde ausschließlich auf Starnberger Gebiet liegen. Er ist in weiten Teilen identisch mit der so genannten Jann-Trasse.

Was hat es mit der Osttangente auf sich?

Diese Osttangente würde am so genannten Hohen Stein von der ortsfernen Umfahrung abzweigen und auf relativ geradem Weg zur Gautinger Straße führen. Erforderlich dafür wäre ein 1,2 Kilometer langer Tunnel, der unter anderem den Riedener Weg und die S-Bahn unterquert. Waldfriedhof, Blumensiedlung und Fachhochschule sind nicht betroffen. Diesen Vorschlag des früheren Lehrstuhlinhabers für Stadt- und Verkehrsplanung an der Technischen Universität München (TUM) favorisiert die BI.

Wie viel soll die Umfahrung kosten?

Professor Kirchhoff hat für die kombinierte Variante Kosten in Höhe von 125 Millionen Euro geschätzt.

Wie stehen die übergeordneten Behörden zu einer Umfahrung?

Im Gesprächsprotokoll der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium heißt es wörtlich: „Sollte sich die Stadt gegen den Bau des Entlastungstunnels entscheiden, dann ist sie auf dem weiteren Weg zu einer möglichen Alternative auf sich alleine gestellt. Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch der Freistaat Bayern stehen auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung, um eine Umfahrungslösung von Starnberg zu planen und zu finanzieren.“

Unabhängig von der Finanzierung: Hält die Oberste Baubehörde eine Umfahrung für realistisch?

Auch hierzu gibt das Gesprächsprotokoll Auskunft: „Der Raum nördlich von Starnberg ist ein sehr komplexes Planungsgebiet. Es dürfte schwierig werden, hier eine Straße (...) zu planen und durchzusetzen.“

Ist die Umfahrung damit also gestorben?

Nein, behauptet die Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel und verweist auf das Gespräch mit der Obersten Baubehörde. Sollte es gelingen, die Verkehrsbedeutung einer Umfahrung für eine Anbindung der Lindauer Autobahn (A 96) zur Garmischer Autobahn (A 95) nachzuweisen würde die Umfahrung wieder ins Gespräch kommen, habe es geheißen. Dieser Nachweis müsste im Zuge einer Verkehrserhebung geführt werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auf Hausbesitzer warten knifflige Versicherungsfragen
Was mache ich, wenn mein Baum auf Haus und Garten eines Nachbarn stürzt? Mancher Hausbesitzer hat erst nach dem Gewittersturm Anfang August bemerkt, dass er …
Auf Hausbesitzer warten knifflige Versicherungsfragen
Elektroautos zum Teilen
Ein Fahrzeug, mehrere Nutzer: Solche Carsharing-Modelle fallen mehr und mehr im Landkreis Starnberg auf. Und zwar mit Elektroautos - mal für bestimmte Kreise, mal für …
Elektroautos zum Teilen
Zweimal Alkohol in 20 Stunden: Schlüssel weg
Zweimal binnen 20 Stunden fiel eine Frau in Starnberg auf, weil sie betrunken am Steuer saß. Gefahren ist sie nur einmal.
Zweimal Alkohol in 20 Stunden: Schlüssel weg
Pommes im Paradies
Der schönste Tag am See ist nichts, wenn einem der Magen knurrt und die Kehle austrocknet. Ein Glück, dass es im Fünfseenland so viele tolle Kiosks gibt. Die schönsten …
Pommes im Paradies

Kommentare