Ein Holzstich von 1886 zeigt zwei geschmückte Boote voller Menschen auf dem Starnberger See, anlässlich der Vorabendfeier zu König Ludwigs II. 40. Geburtstag am 25. August 1885.
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Geschmückte Boote auf dem See: Die illustrierte Zeitung „Das Buch für Alle, Illustrirte Familien-Zeitung, Chronik der Gegenwart“ aus Stuttgart berichtete im Februar 1886 über die Vorabendfeier zum Geburtstag Königs Ludwig II.

Neues Stück für Sisi-Museum in Possenhofen

Fröhliches Fest zu Königs letztem Geburtstag

  • VonSandra Sedlmaier
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Der Geburtstag von König Ludwig II. jährt sich in diesem Jahr zum 175. Mal. Offizielle Feierlichkeiten wird es nicht geben, Rosemarie Mann-Stein vom Sisi-Museum in Possenhofen hat aber ein historisches Kleinod zum Thema Königs Geburtstag gefunden.

Possenhofen – Seinen Geburts- und seinen Namenstag am 25. August hat König Ludwig gern am Starnberger See gefeiert, und zwar mit seinen Untertanen. Am Vorabend des Geburtstages fand oft ein Abendkorso auf dem See statt, begleitet von zahlreichen Feuern, die auf den Anhöhen rundherum entzündet wurden. Das Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen verfügt nun über ein sehr reizvolles Dokument dieser Feiern. Museumsleiterin Rosemarie Mann-Stein hat einen Holzstich gefunden und ihn dem Museum zur Verfügung gestellt.

Der Stich von „G. Franz“, vermutlich Gottfried Franz, zeigt festlich gekleidete Menschen auf geschmückten Ruderbooten. Sie sind Teil des „Abendkorso auf dem Starnbergersee am Vorabende des Geburts- und Namenstages des Königs von Bayern“, wie die Bildunterschrift sagt. Veröffentlicht wurde der Stich mit einem Zusatztext in der illustrierten Zeitung „Das Buch für Alle, Illustrirte Familien-Zeitung, Chronik der Gegenwart“ in Stuttgart. Er bezieht sich ausgerechnet auf die letzte Geburtstagsfeier Ludwigs im Sommer 1885. „Dieser Bericht mit dem fröhlichen Bild wurde im Februar 1886 veröffentlicht“, sagt Mann-Stein. „Da ahnte noch niemand, dass dieses Freudenfest auf dem See nie mehr stattfinden würde. Bekanntlich starb König Ludwig II. auf ungeklärte Weise im Starnberger See am 13. Juni 1886.“

Die Beschreibung des Sees im Artikel von 1886 hat an Aktualität nichts verloren. „Der Starnberger- oder Würmsee, der lieblichste unter den Seen Oberbayerns, ist der viel gepriesene Lieblingsaufenthalt der Münchner Sommerfrischler“, heißt es dort. „Ringsum an seinen Uferhöhen sieht man hübsche, anmutige Villen, dazwischen erheben sich stattliche Schlösser, liegen freundliche, von Obstgärten umgebene Dörfer, und die weite Wasserfläche ist belebt von Segelbooten, Kähnen und Fahrzeugen aller Art.“

Sehr plastisch ist auch die Schilderung des Abendkorsos: „Nachdem vorher alle überhaupt tragfähigen Fahrzeuge mit Blumengewinden und bunten Lampions geschmückt wurden, flammen bei Einbruch des Abenddunkels als Zeichen zum Beginn des Festes auf den Höhen die Freudenfeuer empor, und gleichzeitig stoßen überall die bekränzten und illuminierten, dicht mit fröhlichen Menschen besetzten und oft von schönen Händen geruderten Kähne vom Ufer ab. Tausende von Lichtern spiegeln sich in dem klaren Wasser und beleuchten, wetteifernd mit dem klaren Mondlichte, das belebte, anziehende Bild. Bekannte begrüßen einander, in manchen Fahrzeugen macht der Becher die Runde, und unter den Klängen der am Ufer aufgestellten Musik gleiten die Kähne, bald einzeln, bald in Partien einander begegnend und kreuzend, auf der stillen Flut dahin, einen feenhaften Anblick gewährend, der jedem Teilnehmer unvergesslich bleibt.“ Das war offenbar ein schönes Fest zum 40. Geburtstag des Monarchen.

Die ehrenamtliche Museumsleiterin hat den Holzstich im Internet auf der Auktionsplattform eBay gefunden. „Ich habe verschiedene Suchaufträge laufen, und ab und zu purzelt da was Interessantes heraus.“ In diesem Fall hat sie den knapp Din A 3 großen Stich privat gekauft und wird ihn dem Museum zur Verfügung stellen. „Das mache ich öfter, unser Verein kann nicht unentwegt die Sammlung finanzieren.“

Die Besucher des Museums müssen sich gedulden, bis sie den Stich anschauen können. Aktuell ist es wegen Corona geschlossen. „Die Räume sind so klein, wir können die Abstände nicht einhalten“, sagt Mann-Stein.

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