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Familie Ganslmeier in ihrem Garten: Michael und Hanna Ganslmeier mit Leonhard, Elisabeth und Xaver. Ihr Haus steht im Weg, wenn im Zuge des Tunnelbaus der Durchstich zur Petersbrunner Straße nötig ist. Dafür wollen sie angemessen entschädigt werden, damit sie weiter in Starnberg wohnen können.

B 2-Tunnel

Unser Haus steht im Weg

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Jetzt müssen sie raus. Seit Montagnacht, als sich der Stadtrat für den B 2-Tunnel entschied, wissen die Ganslmeiers endgültig, dass sie ihrem Zuhause Adieu sagen müssen – es steht in der Zufahrt zur Petersbrunner Straße. Sie hoffen jetzt auf ein akzeptables Angebot der Behörden.

Starnberg – Stellen Sie sich vor, es wird eine neue Straße geplant und Ihr Haus steht im Weg. Viele Jahre wird über die Straße diskutiert und immer ist klar: Wenn sie kommt, muss Ihr Haus weg. Zur Not – so haben es Richter festgelegt – dürften die Behörden Sie sogar enteignen. Aber bis jetzt haben die Behörden noch gar nicht richtig mit Ihnen verhandelt, sondern lediglich ein Angebot abgegeben. Das war allerdings so niedrig, dass es vermutlich nur für eine geräumige Zwei-Zimmer-Wohnung reicht – statt der bisherigen Doppelhaushälfte mit sechs Zimmern, Gewerbeeinheit, Garage, Schuppen und Freisitz im Garten auf 624 Quadratmetern.

Hört sich an wie ein böser Traum? Das ist die Lebenswirklichkeit der Familie Ganslmeier aus der Münchner Straße 31, direkt am Ortseingang von Starnberg. Seit 2006 gewöhnt sie sich an den Gedanken, dass sie aus ihrem Haus ausziehen muss. Es steht im Weg für den Durchstich der Petersbrunner Straße auf die B2 – und der ist maßgeblicher Teil des Verkehrskonzepts für den Tunnel.

Eigentümer Michael Ganslmeier hat sein ganzes Leben in dem Haus verbracht. Sein Großvater hat es gebaut. Seine Eltern haben sich dort kennen gelernt, als sein Vater als junger Polizist das heutige Schlafzimmer der Ganslmeiers im zweiten Stock mietete. Michael Ganslmeier (47) und seine Frau Hanna (41) schreiben die Familiengeschichte fort: Vor sieben Wochen kam ihr drittes Kind Xaver zur Welt.

Das sind die Erinnerungen und Emotionen, die unersetzlich und unbezahlbar sind. Aber dennoch können die Ganslmeiers inzwischen sogar akzeptieren, dass ihr Haus dem Gemeinwohl im Weg steht, auch wenn sie den Tunnel für die falsche Verkehrslösung für Starnberg halten.

Was sie aber nicht akzeptieren können: Wie die Behörden mit ihnen bislang umgegangen sind und was sie ihnen bislang für ihr Haus anbieten. „2012 gab es ein Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger, ich hatte darum gebeten“, berichtet der Starnberger. Damals existierte bereits ein Gutachten, das im Auftrag des Staatlichen Bauamts Weilheim angefertigt worden war.

Für die Summe, die im Raum stand, hätten die Ganslmeiers damals eine Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnung bekommen können. Vielleicht eine, die nicht neben der stark befahrenen Münchner Straße liegt. Aber sicher keine, die 310 Meter vom See entfernt ist, mit Würm und Moos in unmittelbarer Nähe, einem großen Garten und von der Michael Ganslmeier schnell zu seinem Arbeitsplatz nach München kommt. Irgendwann sei eine ergänzende Stellungnahme zum Angebot gekommen, sagt er. „Weil der Bodenrichtwert gestiegen ist, ist auch das Angebot der Behörden gestiegen.“ Um knapp drei Prozent.

Über konkrete Zahlen wollen die Ganslmeiers nicht reden. Zu viele Gerüchte sind im Umlauf. „Etwa, dass uns ein Seegrundstück angeboten worden sei“, berichtet Hanna Ganslmeier. „Das stimmt nicht.“ Für die Summe aus dem Angebot weisen die einschlägigen Internetportale in Starnberg zwei große Zwei-Zimmer-Wohnungen aus.

Angebote seitens der Stadt gab es, berichtet Michael Ganslmeier: drei unbebaute Grundstücke in Starnberg und Wangen, vier zum Teil mit Sozialwohnungen bebaute in Söcking, Leutstetten und Landstetten. Alle hätten massiven zusätzlichen Investitionsbedarf verlangt. „Wir hätten ein neues Haus bauen müssen“, sagt Ganslmeier. Das sei finanziell nicht zu stemmen.

„Bei knapp 200 Millionen Euro Baukosten für den Tunnel muss für uns ein anständiges Angebot drin sein“, findet er. Man müsse auch sehen, was ohne Tunnelplanung auf dem Grundstück möglich wäre. „Unsere Einfahrt ist die erste nach der Autobahn“, sagt Hanna Ganslmeier. Ihr Mann lässt seine Fantasie spielen: „Ich könnte mich mit unserem Nachbarn einigen und einen Burger King bauen.“ Tatsächlich will er mit seiner Frau, mit Leonhard (6), Elisabeth (3) und dem kleinen Xaver nur in Ruhe dort leben. „Ich möchte meine Familie einigermaßen unbeschadet durchbringen“, sagt er. Deshalb bittet er demnächst Bürgermeisterin Eva John um ein Gespräch.

Auch das Staatliche Bauamt dürfte sich bald melden. Amtsleiter Michael Kordon hat seine Grunderwerbsabteilung bereits mit den erforderlichen Schritten beauftragt (wir berichteten). Und eine Aussage von ihm aus jener denkwürdigen Stadtratssitzung am Montag macht Hoffnung, dass es am Ende vielleicht doch zu einer gütlichen Einigung kommt. „In fast allen Fällen gelingt es uns, die Grundstücke freihändig zu erwerben“, hatte Kordon gesagt. „Eine Enteignung schwebt immer im Raum, trifft aber sehr selten die Realität.“

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