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Eingehend begutachteten Alexandra aus Herrsching mit ihrem Vater Felix aus Wangen die Fahrräder. Am Ende wurde es für sie aber nicht das himmelblaue Mädchenrad, sondern ein Mountainbike für zehn Euro,

Fundsachen-Versteigerung

Der Lockruf des Schnäppchens

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Starnberg - Das Foyer des Starnberger Rathauses, sonst von eher nüchterner Schönheit, mausert sich einmal im Jahr zum El Dorado der Schnäppchenjäger.

Binnen eines Jahres sammelt sich so einiges an im Fundbüro der Stadt Starnberg. Sechs Monate werden die Fundsachen aufbewahrt. Wenn dann der ehrliche Finder, der die Sachen bei Nadja Irlinger abgeliefert hat, keinen Anspruch auf das Fundgut anmeldet, kommt es unter den Hammer. Den schwingt heute Dr. Matthias Blaßl, der Standesbeamte der Stadt. Wortgewandt und von Natur aus mit einem kräftigen Organ ausgestattet, ist er prädestiniert für den Job des Auktionators. Eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Auktion können die Sachen, die versteigert werden sollen, besichtigt werden.

Das Publikum ist bunt gemischt und sehr interessiert: Eine Flüchtlingsfamilie kreist um den Familienvorstand, der mit kundigem Blick und perfekter Pokermiene schweigend das Angebot mustert. Einige Senioren und Spaßbieter aus Starnberg halten Ausschau nach Schnäppchen. Und im Hintergrund sondieren einige Flohmarktprofis die Lage und die Konkurrenz. Insbesondere – und das ist kaum verwunderlich – die rund 30 Fahrräder, die im Angebot sind, ziehen das Interesse auf sich. Alexandra ist mit ihrem Vater extra aus Herrsching gekommen, um nach einem neuen Mountainbike Ausschau zu halten. „Ich war noch nie auf so einer Auktion“, sagt sie und schaut ein bisschen aufgeregt. Viel Geld hat sie nicht dabei – schließlich soll der neue Drahtesel ein Schnäppchen sein.

Die Spannung steigt. Endlich 14 Uhr, Auktionator Blaßl bittet um Ruhe. Und verpasst den Anwesenden gleich eine ordentliche Euphoriebremse: „Wir fangen mit der Bekleidung an.“ Das läuft eher so mittelgut. Der Webpelz, Größe 40, findet nicht einmal für einen Euro einen neuen Abnehmer und gesellt sich zu all den Schals, Mützen und den Fußballschuhen, die als Ladenhüter nun auf ihre Entsorgung warten. Beim schicken Kinderpulli mit Hemd-Applikation, der ganz offensichtlich neu ist und noch sein Preisschild trägt, wagen zwei Damen aus den hinteren Reihen die erste Bieterschlacht. Bei vier Euro ist Schluss, erfolgt der Zuschlag. Alexandra baut schon mal vor und sichert sich eine knallpinke Regenjacke für einen Euro für die Touren mit ihrem neuen Rad. Sie strahlt. Der erste Schnapp des Tages. 

Beim Schmuck kommt Leben in die Bude – insbesondere bei den wenigen echten Stücken. Das Prozedere ist immer gleich. Die junge Frau mit dem Kopftuch betrachtet das Stück schmachtend, der Familienvorstand nickt und am Ende bekommt doch jedesmal der Profi in der Schöffel-Jacke den Zuschlag. Ring um Ring wandert nach der Zahlung in seine Hosentasche. Derweil die junge Dame Mal um Mal trauriger unter ihrem Kopftuch hervorschaut. Aber der Familienvorstand ist unerbittlich: Bei 20 Euro ist Schluss. Eine rechte Bieterschlacht liefert man sich um ein altes iPhone, das – voll funktionsfähig – am Ende für 60 Euro eine glückliche neue Besitzerin findet.

Nach einer knappen Stunde geht es ins Endspiel. Die Räder sind an der Reihe. Gleich zu Beginn explodieren die Gebote. Das weiße Marken-Mountainbike wechselt für 150 Euro den Besitzer – Ladenwert weit über 500 Euro. Doch auch die 10-Euro-Bahnhofsräder erfreuen sich großer Beliebtheit. Und auch Alexandra schlägt zu. Für zehn Euro schnappt sie sich ein himmelblaues Mountainbike – farblich passend zur neuen Regenjacke.

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