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Die beiden ehemaligen Starnberger Trainer Andreas Brunner (l.) und Milan Lapuh sehen verschiedene Gründe für den Niedergang der FT 09. Lapuh glaubt, es liegt am Fehlen zahlungswilliger Sponsoren, Brunner hingegen wirft den Vorstandsfunktionären in den vergangenen Jahren „katatstrophales“ Handeln vor.

Fußball

Wer ist schuld am Untergang der FT Starnberg?

Starnberg - Wie konnte es so weit kommen, dass bei der FT Starnberg 09 kein Herrenfußball mehr gespielt wird? Ehemalige und langjährige Mitglieder kommen bei der Ursachenforschung auf unterschiedliche Antworten.

Vielleicht gehört Gerhard Schug zu den letzten Augenzeugen, die eine erste Mannschaft der FT Starnberg für längere Zeit haben spielen sehen. Das Starnberger Urgestein hatte sich die Mühe gemacht, die Zuschauer beim letzten Heimspiel gegen den SV Adelshofen zu zählen. Schugg benötigte nicht einmal alle Finger seiner beiden Hände. Bei neun war schluss. Neun Starnberger Balltreter gingen mit 1:7 unter. Es war eine Beleidigung für alle Fans des schönen Spiels. „Das ist kein Fußball mehr, das ist unterirdisch“, fand Schug. Seit fast 30 Jahren gehört er dem Verein an. Schug hat vieles miterlebt in dieser Zeit, doch die jüngste Entwicklung treibt ihm die Tränen in die Augen. „Mir blutete jeden Montag das Herz“, bekannte er. Die Lektüre der Spielberichte über seinen Verein waren nur noch eine Qual. In den kommenden Wochen wird er keine Artikel mehr über den Tabellenletzten der Kreisklasse 1 lesen. Die FT wurde wegen dreimaligen Nichantretens vom Verband aus dem Spielbetrieb genommen (wir berichteten).

Bislang hat sich die seit einigen Monaten im Amt befindliche Vereinsführung zum Aus der ersten Mannschaft nicht geäußert. Auch auf der Vereins-Homepage ist ihr das Thema keine Silbe wert. Kommunikation scheint offenbar nicht die Stärke der FT-Funktionäre zu sein. „Die sollten zurücktreten“, regt Schug an, um im gleichen Atemzug seinen Vorschlag zu relativieren: „Aber wenn keiner da ist?“

Keine Zuschauer, keine Spieler, keine Mitarbeiter

Inzwischen ist im Vereinsheim an der Ottostraße fast niemand mehr da. Keine Zuschauer, keine Spieler, keine kompetenten Mitarbeiter. Schon vor Jahren haben sie die Freien verlassen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in die Vereine der Umgebung getragen. Die ganze Region profitierte von der Jugendarbeit der Turnerschaft, wenn die Talente nach ihrer Ausbildung in Starnberg irgendwann wieder in ihre Heimatorte zurückkehrten.

Milan Lapuh und Michael Steidle sind zwei Starnberger Eigengewächse, die einst in Perchting den Fußball angekurbelt haben und jetzt als Trainer beim TSV Oberalting arbeiten. Auch sie finden den Niedergang ihres Heimatvereins „sehr traurig“, aber sie wissen nicht, wie die Probleme zu lösen sind. „Es müsste einer kommen, der sagt, ich nehme ein bisschen Geld in die Hand“, sagt Lapuh, „aber den wirst du wahrscheinlich nicht kriegen“.

Geld in die Hand genommen wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder. Doch es blieben nur Schulden, die am Ende die Stadt für den maroden Klub bezahlen musste. Erst nach dem letzten Schuldenschnitt durch die Stadt hat der Verein unter der Führung von Roland Sprinkart mit diesem Finanzgebaren gebrochen und einen seriösen Sparkurs eingeleitet. Dass die Freien heuer erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben, betrachtet Andreas Brunner jedoch als wertlos. „An der Amtszeit von Herrn Sprinkart kann ich nichts Positives finden“, stellt der 49-Jährige fest, um gleich allen Verantwortlichen der vergangenen fünf Jahre ein vernichtendes Zeugnis auszustellen. „Die haben es einfach katastrophal gemacht.“

Brunner, der jahrelang als Trainer bei der FT gearbeitet hat, ist das beste Beispiel für einen Zögling von der Ottostraße. Als diplomierter Fußballlehrer hat er es am weitesten von allen gebracht, die sich mit der Kunst des Kickens in Starnberg auseinandergesetzt haben. Aber an ihm offenbart sich auch das Dilemma des Starnberger Fußballs. An guten Spielern und Trainern herrschte nie Mangel. Aber einen solide ausgebildeten Sportmanager, der in der Lage ist, einen Verein nach betriebswirtschaftlicher Vernunft und nicht nach Gutsherrenart oder mit fragwürdigen Methoden zu führen, hat der Klub nie hervorgebracht. Es musste erst ein Banker wie Sprinkart kommen, um dem Verein klar zu machen, dass in Starnberg nicht länger Fußball-Monopoly gespielt wird, sondern ein transparenter Haushalt alle finanziellen Posten beinhalten muss, auch diejenigen, für die man sonst gern die Allgemeinheit aufkommen ließ.

„Brunner kann nicht ganzheitlich denken“, nennt Sprinkart die Defizite seines Kritikers, der über viele Jahre an der Ottostraße gut verdient habe. Als Sprinkart im vergangenen November seinen Vorsitz abgab, hatte der Verein rund 60 000 Euro in seiner Kasse. Doch inzwischen fragt er sich, ob seine Arbeit nicht vergebens war, denn die Kritiker meinen, er habe den Verein kaputt gespart. „Ist das der Lohn, dass wir den Verein gerettet haben?“

180 Euro Beitrag, um in der C-Klasse herumzubolzen

Nach dem Ausscheiden der ersten Mannschaft aus dem Spielbetrieb droht für ihn das Chaos, wenn die aktuellen Verantwortlichen die Politik der vergangenen 100 Tage fortsetzen. „Was meinen Sie, was sich die Stadt Starnberg denkt? Glauben Sie, dass Sponsoren und Mitglieder dem Verein erhalten bleiben?“ Sprinkart ist es gewohnt mit Zahlen zu arbeiten, nicht mit Hoffnungen. Seine Rechnung ist ganz einfach. 180 Euro Jahresbeitrag wird kein Fußballer mehr zu zahlen bereit sein, um in der untersten Spielklasse herumzubolzen. „Die FT lebt von der Fußball-Abteilung. Wenn jetzt nur 100 Mitglieder austreten, hat der Verein ein Riesenproblem“, warnt er.

Aber wer sieht das schon? In Starnberg haben sie die Träume vom starken Mann mit dem dicken Geldbeutel immer noch nicht aufgegeben. Von einer Stadt, die ihnen bereitwillig bis zum Sankt Nimmerleinstag ihre Schulden bezahlt. Von einem stolzen Verein, obwohl alle nur noch davonlaufen. Christian Heinrich

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