Ghostwriterin Michaela Seul bei der Arbeit: Als Ghostwriterin wollte sie, hier im Interview mit Alfred Riepertinger, fototechnisch im Hintergrund bleiben. Foto: Singer

Ganz nah dran und doch im Hintergrund

Unering - Wenn sich Michaela Seul aus Unering mit Laptop im Gepäck auf den Weg quer durch Deutschland macht, ist sie meist als Ghostwriterin unterwegs.

Wie viele Bestseller sie bereits im Namen berühmter Persönlichen geschrieben hat, genau weiß sie es nicht. „Ich wusste aber schon seit meinem zehnten Lebensjahr, dass ich Schriftstellerin werden will“, erzählt die 52-Jährige.

Die unveröffentlichten Frühwerke füllen eine Schublade. Ab 1979 erscheinen ihre Texte in Zeitungen und Literaturzeitschriften. Um sich das Schreiben zu ermöglichen, übt Michaela Seus diverse Jobs aus. Darunter auch als Werbetexterin. Zwischen 1980 und 1995 veröffentlicht sie an die 200 Kurzgeschichten und drei Erzählbände. 1998 erscheint dann ihr erster Roman „Mitgift“. 1999 folgt „Leben ohne Leander“. Seither folgt Buch um Buch. Unter dem Pseudonym Shirley Seul schrieb sie drei Krimis. Zudem arbeitete sie für renommierte Verlage und mit zunehmendem Erfolg als Ghostwriterin und Co-Autorin. Viele ihrer Werke landeten auf der Bestsellerliste unter den vorderen Plätzen.

2011 startete Michaela Seul eine neue Krimireihe, deren Geschichten rund um den Starnberger- und Ammersee spielen. Auch Alfred Riepertinger, Deutschlands bekanntester Leichenpräparator, ließ bei Seul schreiben. „Ein spannendes Thema. Man bekommt nach dem Einstieg in diese Materie eine andere Sichtweise auf den Tod“, sagt die Co-Autorin. Unter Riepertingers Händen wurden unter anderem der Modezar Rudolf Mooshammer, der sonnengebräunte Rex Gildo, Bayerns Paradepolitiker Franz Joseph Strauß und auch die Schauspielerin Lina Carstens für die letzte Aufbahrung hergerichtet. Das erste gemeinsame Werk ist innerhalb von acht Wochen entstanden. „Mein Leben mit den Toten“ ist nicht lustig, aber sehr unterhaltsam. Immerhin hat er in 40 Jahren Berufsjahren etwa 25000 Menschen gewaschen und eingesargt, seziert und wieder fachgerecht zugenäht, geschminkt, einbalsamiert oder plastiniert.

Heute sitzt der Familienvater mit Wohnsitz Germering erneut bei Seul in der Küche und plaudert aus dem Nähkästchen. Für den 60er-Fan ist der Tod Alltag. Riepertinger spricht offenherzig über seine Kunden und über Erkenntnisse, die ihn besonders geprägt haben. „Dass im Tode alle Menschen gleich sind, ist mir bewusst geworden, als ich vor dem Leichnam von Franz Josef Strauß stand. Dieser mächtige Politiker lag da vor mir und sah genauso aus, wie all die anderen Toten.“ Es gibt aber auch Momente, die der 60-Jährige nicht so einfach wegsteckt. Vor fast vier Jahren kamen die Leichname der zwei ermordeten Mädchen aus Krailling in die Pathologie des Klinikums Schwabing, Riepertingers Arbeitsplatz. „Einen derart brutalen Angriff auf so kleine wehrlose Körper habe ich niemals zuvor gesehen. Da steht man schon mit der Faust in der Tasche da.“

Michaela Seul schreibt eifrig mit. Heute für ein Interview, das sie der Literaturzeitschrift Federwelt anbietet. „Die Zusammenarbeit mit Alfred Riepertinger macht unheimlich Spaß. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung des ersten Buches“, hofft Seul. Bevor es jedoch soweit ist: Auf der Agenda der erfolgreichen Auftragsschreiberin stehen für 2015 sechs Neuerscheinungen. Mord und viele Leichen nicht ausgeschlossen.

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