60 Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten im Erdgeschoss sollen auf dem früheren Schulgelände beim Gautinger Bahnhof entstehen.

Unterschriften für Bürgerentscheid

Was wird aus Gautings Bahnhofsumfeld?

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  • Stephan Müller-Wendlandt
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„Gauting aktiv“ sammelt knapp 2900 Unterschriften für einen Bürgerentscheid – die Bürgermeisterin will ein Ratsbegehren.

Gauting– Viele Gautinger treibt die Sorge um, ihre Ortszentrum könnte mit Monster-Bauwerken zubetoniert werden. Der „Baderhof“ auf dem früheren Grill-Grundstück am Hauptlatz hat die Bevölkerung wachgerüttelt. Vielen ist das kurz vor der Fertigstellung stehende Wohn- und Geschäftshaus zu massiv. An der ausgefallenen Architektur scheiden sich die Geister. Immer lauter werden die Stimmen, die eine ähnliche Fehlentwicklung, wie sie fürchten, auf dem Grundstück der früheren Grundschule beim Bahnhof verhindern wollen. Innerhalb weniger Woche hat die Initiative „Gauting aktiv ein Bürgerbegehren aus der Taufe gehoben und seit Anfang des Monats mehr als 2500 Unterschriften gesammelt. Die hat die Bürgerinitiative gestern Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger übergeben.

Das will die Initiative „Gauting aktiv“:

Die Kritiker sind nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung des Grundstücks beim Bahnhof. Sie begrüßen sogar die Ansiedlung von Verbraucher- und Drogeriemarkt. Aber die per Bebauungsplan zugestandene Baumasse halten sie für zu massiv. Außerdem fürchten sie wachsende Verkehrsbelastung und sorgen sich deshalb um die Sicherheit der Kinder, die die benachbarte Schule besuchen. Das alles sei im Gemeinderat beschlossen und abgesegnet worden, ohne die Bürger in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen.

Das plant der Investor:

Auf einem durchgängigen Grundstock als Erdgeschoss (dort werden Verbraucher- und Drogeriemarkt angesiedelt) sollen drei viergeschossige Gebäudekomplexe mit 60 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen.

Das will die Gemeinde:

Aus dem Verkaufserlös für das ehemalige Schulgrundstück (insgesamt 9 Millionen Euro) hat die Gemeinde den 6-Millionen-Kredit für die neue Grundschule neben dem Rathaus abgelöst. Das hatte die Rechtsaufsicht der klammen Würmtalgemeinde auferlegt. Es geht aber auch um die städtebauliche Entwicklung im Zentrum der Würmtalgemeinde sowie um die Stärkung des örtlichen Einzelhandels und die Belebung der oberen Bahnhofstraße.

Wie geht es im Verfahren um das Bürgerbegehren undein mögliches Ratsbegehren weiter?

Innerhalb von vier Wochen nach Übergabe der Unterschriftenlisten muss der Gemeinderat über die Zulässigkeit des Begehrens entscheiden. In dieser Zeit sind die Unterschriften vom Einwohnermeldeamt zu überprüfen – Doppelungen werden aussortiert, nicht zulässige Unterschriften, zum Beispiel von Ortsfremden, ebenfalls. Wenn mindestens 1250 zulässige Unterschriften vorliegen, ist das erforderliche Quorum erreicht. Frühestens am 9. Januar könnte sich der Gemeinderat mit dem Bürgerbegehren befassen. Für diesen Termin ist eine Sitzung des Bauausschussses angesetzt und könnte zur Gemeinderatssitzung „aufgewertet“ werden. Wahrscheinlicher ist nach Angaben von Rathaussprecherin Ricarda Polz allerdings der 16. Januar. Dieses Datum liege noch im Rahmen der Frist. 

Es ist bislang für eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses reserviert. Zur Beratung und Abstimmung will die Bürgermeisterin dem Gemeinderat ein Ratsbegehren vorschlagen, als offizielles Statement, dass des Gremium hinter dem Projekt steht, so Polz. Sollte der Gemeinderat das Bürgerbegehren für zulässig erklären und/oder sich für ein Ratsbegehren aussprechen, müsste innerhalb von drei Monaten ein Bürgerentscheid vorbereitet und über die Bühne gebracht werden. Bis dahin würden alle Planungsentscheidungen zu dem Bauprojekt auf dem ehemaligen Grundschulareal zurückgestellt, Bauarbeiten müssten ruhen.

Das wären die Folgen eines Entscheides im Sinne des Bürgerbegehrens:

Das Bürgerbegehren wäre erfolgreich, wenn 20 Prozent der wahlberechtigten Gautinger sich bei der Abstimmung dafür entscheiden. Für diesen Fall befürchtet Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger „massive Konsequenzen. Dann gibt es einen Planungsstopp. Wir werden erneut diskutieren müssen, was wir wollen – städtebaulich und architektonisch. Ich weiß nicht, wie man sich bei der Architektur einigen soll. Darüber kann man trefflich streiten. Und wir müssen über die Nutzung erneut reden.“ Zudem müsste die Gemeinde an den Investor den Kaufpreis zurückzahlen: „6 Millionen Euro müssen wir als Kredit aufnehmen und weitere 3 Millionen können wir nicht ausgeben.“

Wie sieht der Investor die aktuelle Entwicklung?

Johannes Lohr von Sontowski & Partner zeigt sich noch geduldig – auch weil er schon viel Zuspruch aus der Bevölkerung erfahren hat. Die Nachfrage nach den geplanten Mietwohnungen liege im dreistelligen Bereich. Sein Unternehmen habe schon einmal erlebt, dass ein Bürgerbegehren ein Projekt stoppen wollte. „Da ging es um ein Einkaufszentrum in Stein bei Nürnberg“, berichtet Pohl. „Das ist positiv für uns ausgegangen.“

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