Eindrucksvolle Worte fand der KZ-Überlebende Max Volpert bei der Gedenkfeier des Todesmarschs durch das Würmtal in Gauting. Zahlreiche Menschen, darunter viele Jugendliche, begleiteten den Gedenkmarsch. foto: Andrea Jaksch

Gedenkmarsch im Würmtal

„Verantwortung an die Zukunft“

Auf dass sich Geschichte nicht wiederholt: Diesem Ziel hat sich der Verein „Gedenken im Würmtal“ verschrieben. Am Samstag sprachen zwei KZ-Überlebende bei den Gedenkfeiern zum Todesmarsch.

Gauting– „Heute bin ich verheiratet, habe drei Kinder, sieben Enkel und acht Urenkel. Das ist mein privater Sieg über den Nationalsozialismus“, schloss Max Volpert (87), geboren am 7. September 1931 in Litauen, KZ-Nummer 82229, seine Rede am Mahnmal in Gauting. In 12-Stunden-Schichten und bei Tagesrationen von 200 Gramm Brot musste er im Arbeitslager Zement und Baumstämme für einen Bunkerbau schleppen, der nie vollendet wurde. „Unsere Vernichtung war wichtiger, als den Bau fertigzustellen.“ Ihm zur Seite stand Yehuda Beilis (91), der wie durch ein Wunder eine Massenerschießung überlebte. Sie teilten ihre Erinnerungen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

In diesem Sinne organisierte der Verein „Gedenken im Würmtal“ am Samstag zum 21. Mal den Gedenkmarsch zwischen Gräfelfing und Gauting und erinnerte an den Todesmarsch vor 73 Jahren, bei dem viele KZ-Häftlinge starben. Jeweils 100 bis 300 Menschen verfolgten die vier Gedenkfeiern an den Mahnmalen, einige marschierten den ganzen Weg mit.

Unter dem Motto „Denkmale lebendig machen“ beteiligten sich Schüler an jeder der tief bewegenden Gedenkfeiern. Mit dabei Niki von Stauffenberg, der Urenkel des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers. Gemeinsam mit Joni, Sascha und Lukas gestaltete der Elftklässler des Otto-von-Taube-Gymnasiums im Rahmen des P-Seminars die Stunde in Gauting mit. Mit Gedichten des Überlebenden Stanislav Wygodzki wie das von der Lokomotive, die dick und schwer am Bahnhof steht. Im dunklen Waggon transportiert sie ein kleines Mädchen dorthin, wo die Kamine rauchen – und endet mit dem erschütternden Satz: „Das kleine Mädchen war meine Tochter.“

In Krailling trugen Hagen, Julia und Joanna von der Realschule Gauting Auszüge aus dem Augenzeugenbericht von Solly Ganor über den Todesmarsch vor. „Kleine Kolonnen grauer Gespenster“ hätten sich in Richtung Alpen geschleppt. Wer erschöpft zusammenbrach, wurde von Wachen erschossen oder von Dobermännern zerfleischt.

Kraillings Dritte Bürgermeisterin Veronika Sanftl griff den Vorwurf „Schuldkult“ auf und verwies auf die „Verantwortung an die Zukunft“. Gautings Vizebürgermeister Dr. Jürgen Sklarek mahnte: „Rasse und Religion wird wieder in den Vordergrund gestellt. Wir wollen nie mehr einen Genozid, dagegen müssen wir uns mit Gewalt wehren.“ Ihm pflichteten die Schüler, Überlebenden, Politiker, Zuhörer und Geistlichen bei, die gemeinsam ein christliches und jüdisches Friedensgebet sprachen und in einer Schweigeminute all jener gedachten, die im Holocaust ihr Leben ließen.

Von Michéle Kirner

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