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Zum Abschied hilft Fidelis Mahler Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger und deren Mitarbeiterin Alexandra Heckl (v.l.) über die Starnberger Straße in Gauting.

Verabschiedung

86-jähriger Schülerlotse hört auf - Gauting sucht Nachfolger

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Die Gemeinde Gauting ist ständig auf der Suche nach Schulweghelfern. Am Dienstag musste sie ihren ältesten Lotsen verabschieden. Der bald 87-jährige Ehrenamtliche hatte am letzten Schultag vor den Ferien zum letzten Mal die Kelle mit der Aufschrift „Halt – Kinder“ in der Hand. Ein Abschied mit Wehmut.

Gauting– Sein Name ist für Fidelis Mahler Programm. Fidelis stammt aus der lateinischen Sprache und steht für zuverlässig und aufrichtig. Als Name bedeutet das Wort „der Treue“. Dieses Prädikat hat sich Fidelis Mahler wahrlich verdient. Das hat ihm auch Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger am Dienstag bescheinigt, die den ältesten Schulweghelfer der Würmtalgemeinde in den Ruhestand verabschiedet hat. Mit einem Bierseidel aus Glas mit Zinndeckel und dem Gemeindewappen als Gravur als kleines Dankeschön.

Mahler hat sieben Jahre lang ehrenamtlich Gautinger Schüler sicher auf ihrem Weg zum Unterricht begleitet. Montags bis mittwochs stand er zu allen Einsatzzeiten in der Früh und mittags parat, um den Kindern beim Queren der Starnberger Straße am Hauptplatz zu helfen. Und den Rest der Woche stand er als Springer zur Verfügung

Vor sieben Jahren meldete sich Mahler für den Lotsendienst. Damals war er 80 Jahre alt und hatte den Unruhestand geradezu gesucht. Der ehemals selbstständige Handelsvertreter für Haushaltswaren hatte mit 72 Jahren den Beruf an den Nagel gehängt. „Die ersten Jahre waren angenehm zu Hause“, räumt Mahler ein. Aber dann fiel ihm die Decke auf den Kopf: „Ich wusste nicht mehr, was ich mit mir anfangen sollte.“ Bis er den Aufruf der Gemeinde in der Zeitung las, die Schulweghelfer suchte. Mahler war sogleich Feuer und Flamme für die Aufgabe. „Ich liebe Kinder“, gesteht der heute bald 87-Jährige gebürtige Stuttgarter, der seit 1967 mit seiner Frau in Gauting lebt. „Kind ist Kind, man muss es leben lassen“, sagt der Senior mit leiser Kritik an den Menschen, die den Nachwuchs ständig maßregeln wollen. „Wenn die Schulkinder hüpfend und tanzend den Bahnhofberg zu mir an den Fußgängerüberweg beim Hauptplatz kommen, dann geht mir das Herz auf.“

Damit ist es nun vorbei. Mahler hat den Dienst quittiert, mehr der Vernunft gehorchend als dem Herzen. Obwohl die Ärzte nichts gegen sein Engagement hatten, ist dem Gautinger klar: „Wenn in meinen Einsatzzeiten etwas passiert wäre, was hätte das für einen Aufschrei gegeben.“

„Die Kinder haben sich stets anständig verhalten.“

Es ist ein Abschied mit Wehmut. Denn Fidelis Mahler war ein Schulweghelfer mit Herzblut. „Die Kinder haben sich stets anständig verhalten.“ Mit den jüngsten Grundschülern hatte Mahler überhaupt keine Probleme. Die Zwölf- bis 14-Jährigen hatten schon ihren eigenen Kopf und waren etwas schwerer zu händeln. Wirklich Probleme haben dem Schulweghelfer nur die Erwachsenen bereitet – vor allem die radfahrenden. „Die sind rücksichtslos gegenüber den Kindern, schlängeln sich gefährlich zwischen den Schülern über die Straße, raunzen sie an, aus dem Weg zu gehen und kennen kein Rot, Gelb oder Grün.“ Und die Autofahrer? „Die hatte ich bald im Griff“, erzählt Mahler mit einem Schmunzeln.

Und dann hat ein Schulweghelfer auch noch seine Seelentröster-Rolle. „Da passierte es in jeder Woche schon einige Mal, dass einer der Kleinen bei mir seinem Kummer Luft gemacht hat, wenn es in der Schule oder zu Hause Probleme gab.“

Mahler kann allen Eltern und Senioren nur empfehlen, sich ebenfalls als Schulweghelfer zur Verfügung zu stellen. Wo sich Interessenten melden können, entnehmen sie dem unten stehenden Kasten.

Ob und wie es in seinem Unruhestand weitergeht, weiß Mahler nicht. An seinen bisherigen Gewohnheiten hat sich noch nicht viel geändert: „Ich stehe immer noch jeden Morgen um 6 Uhr auf.“ Nach dem Frühstück und der Zeitungslektüre unternimmt der Senior einen zweistündigen Spaziergang – da ist sich Fidelis Mahler selbst treu: „Man muss ja beweglich bleiben.“

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Schnarchen beeinträchtigt den Schlaf und damit die Lebensqualität und die Gesundheit. Im Gautinger Schlaflabor lassen sich jedes Jahr rund 1700 Schnarchpatienten behandeln. Eine von ihnen ist Lynn Bräuer.

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