Rückruf mehrerer Produkte: Bei Verzehr drohen Gesundheitsgefahren

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Glückliche Existenzgründer: Mohammad Hashemy (r.) mit seiner Frau Fatemeh (l.), seinem Vater Ali und Mutter Marcy in der Änderungsschneiderei an der Gautinger Bahnhofstraße.

Integration

Selbstständig mit Nadel und Faden

Ein großer Traum hat sich für Mohammad Hashemy erfüllt. Beim Begegnungsfest kurz vor Weihnachten 2015 hatte der Afghane seinen Wunsch formuliert: „Ich möchte eine eigene Schneiderei eröffnen.“ Das ist seit Samstag Wirklichkeit.

Gauting Mit einigem Tamtam und vielen Gästen haben Fatemeh und Mohammad Hashemy an der Gautinger Bahnhofstraße eine Schneiderei eröffnet. Es ist die erste und bislang einzige Flüchtlingsfamilie im Landkreis Starnberg, die Erlaubnis erhalten hat, eine selbstständige Existenz zu gründen, wie die ehrenamtliche Betreuerin Carmen Schmitz vom Gautinger Helferkreis mitteilt. Am Samstag wurde die Neueröffnung der Schneiderei „Unter den Kastanien“ groß gefeiert.

„Eine positive Erfolgsgeschichte für Integration“, zieht Claudia von Maltitz vom Helferkreis Bilanz. Nach fünf Jahren Kampf mit Jobcenter und Behörden hat sich für den gelernten Schneider Mohammad Hashemy der Berufstraum als selbstständiger Handwerker erfüllt. Es war eine ganz besondere Eröffnungsfeier. Auch Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU), ihr Vize Dr. Jürgen Sklarek (SPD) und Pfarrer Dr. Ulrich Babinsky gratulierten dem zweifachen Vater Mohammad Hashemy (36) und seiner Frau Fatemeh zum eigenen Geschäft. Zum Eröffnungsfest waren auch der stolze Vater, ebenfalls Schneidermeister, die Mutter, Bruder Mahdi und Schwester Atefeh, Hilfslehrerin in Hanau, eigens aus der hessischen Stadt nahe Frankfurt angereist.

„Meine Eltern waren im afghanischen Krieg vor den Russen in den Iran geflohen“, erklärt Mohammad Hashemy. Deshalb wurde er im Iran geboren. Als eine der ersten Flüchtlingsfamilien kamen Hashemy mit Frau und der kleinen Tochter Sara 2013 nach Gauting. Im August jenes Jahres eröffnete die erste Sammelunterkunft im ehemaligen Schwesternpflegeheim an der Ammerseestraße. Die Afghanen, die damals kein Wort Deutsch sprachen, hatten Glück. Der engagierte Helferkreis um Claudia von Maltitz kümmerte sich um die Asylbewerber. Allen voran Carmen Schmitz.

Es waren „12 Monate Kampf“ mit der Bürokratie, bis Mohammad Hashemy nach absolvierten Deutschkursen und bestandenem Führerschein am Ziel war, erzählt die Helferin. Zugunsten der Familie wurde ein Abschiebeverbot verfügt. Doch für die Selbstständigkeit gab es noch etliche Hürden zu meistern. Es musste ein Business-Plan vorgelegt werden. Auch ein Training im Jobcenter hatte der Schneider zu absolvieren. Zudem war zu belegen, dass sich in Gauting eine weitere Änderungsschneiderei wirtschaftlich trägt, berichtet Schmitz. „Als wir endlich den Gewerbeschein im Rathaus abholten“, erzählt die Helferin, „hat das Ehepaar etwas geweint.“ Denn zum ersten Mal sah der heute 36-jährige Afghane, der als Flüchtling ohne Papiere im Iran geboren worden war, seinen Namen auf einem offiziellen Dokument.

„Ohne die Geduld der Vermieterin hätten wir das nie erreicht“, bekennt Schmitz. Anna-Katharina Farnoudi-Kirchheim, die mit einem Iraner verheiratet ist, habe großzügig ihr Ladenlokal „Unter den Kastanien“ an der oberen Bahnhofstraße sechs Monate lang leer stehen lassen: „Weil das eine so entzückend fröhliche und freundliche Familie ist, habe ich gerne gewartet“, erklärt die Vermieterin. Sie ist seit 2000 in der Münchener Flüchtlingshilfe aktiv.

Schneider Mohammad Hashemy strahlt übers ganze Gesicht: „Wegen Carmen wollen wir Gauting nicht mehr verlassen. Wir haben hier nur gute Erfahrungen gemacht.“ Stolz zeigt er sein in Eigenarbeit frisch renoviertes Geschäft: An der weiß getünchten Wand hängen fein säuberlich aufgereiht 1000 verschiedenfarbige Garnrollen. Es gibt Nähmaschinen für dicke oder dünne Stoffe – und sogar für Leder. „Meine Eltern und Geschwister haben die gebrauchten Maschinen in Hanau gekauft“, erzählt der selbstständige Familienvater. Er freut sich auf viele Kunden.

Christine Cless-Wesle

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