+
Beim Thema Bienen stößt die Landtagskandidatin der Grünen, Anne Franke, bei Frank Höpner auf offene Ohren. Der Gautinger ist eine der ersten Wähler von Frankes Haustürwahlkampf an diesem Nachmittag. 

Anne Franke im Wahlkampf

Mit Äpfeln von Haustür zu Haustür

  • schließen

Wir begleiten die Landtagskandidaten unseres Stimmkreises bei ihrem Wahlkampf – eine halbe Stunde, die Aktion schlägt der Politiker vor. Heute: Anne Franke (Grüne) beim Haustürwahlkampf.

Gauting – Der Mann steht in vier Metern Höhe auf einem Gerüst an seinem Haus in Gauting, ein Radio läuft. Anne Franke entscheidet sich für ihr Hauptthema: Klimaschutz. Die Grünen-Kandidatin für die Landtagswahl spricht ihn auf die Lobbyarbeit der Autokonzerne an. „Deswegen ist der Klimaschutz nicht so sehr voran gekommen.“ Dann stellt sich der Mann vor, ein Mitarbeiter von BMW. Sie einigen sich darauf, dass man für den Klimaschutz etwas tun muss. „Vielleicht bin ich ungünstig eingestiegen“, sagt Franke ein paar Schritte weiter.

Ein Haus nebenan trifft sie auf Frank Höpner (79). Thema: Bienen. Perfekter Gesprächseinstieg. „Ich habe in der Sache gerade was unterschrieben“, sagt der ehemalige Kinderchirurg. Franke gibt ihm einen Apfel, frisch gepflückt aus ihrem Garten. „Ich war früher städtischer Obstbaumwart“, sagt Höpner. Eine „gmahde Wiesn“ für Franke.

Helferin wechselte von CSU zu den Grünen

Bei ihrem Haustürwahlkampf in Gauting trifft sie an diesem Spätnachmittag auf Grüne, Konservative, Nichtwähler – und auf Leute, die die Tür zumachen, bevor ein Satz gewechselt ist. Sie erlebt Dialoge, die selbst für einen Politiker auf Wahlkampftour ermüdend sein müssen. „Darf ich mich vorstellen?“ „Ne.“ „Darf ich Ihnen einen Flyer einwerfen?“ „Ne.“ An einem anderen Haus sieht man einen Mann, Mitte 20, in der Küche am Herd stehen. Franke klingelt, er macht vom Fenster aus eine abwertende Wischbewegung. Franke wirft ihm einen Flyer ein.

Dann muss Ann-Katrin Rosa neue Äpfel nachreichen. Die Grüne hilft Franke beim Haustürwahlkampf in Gauting. „Sie macht das mit Herzblut, nicht mit Kalkül“, sagt Rosa. „Ganz ehrlich und aus dem Bauch heraus – das kenne ich auch anders.“ Bis 2015 war Rosa CSU-Mitglied. „So herum ist der Wechsel richtig“, sagt Franke und streichelt ihr über den Rücken.

Zwischendurch spricht sie über ihren Wahlkampf. Oft höre sie von Bürgern, dass Politiker etwas ganz anders machen als angekündigt. Und? „Ich kenne im Landtag und in der Bundespolitik welche, die so sind. Die CSU tut immer so, als mache sie was für die Landwirte.“

„Das erste Mal, dass ein Politiker an meine Türe kommt“

Dann steht Franke vor einem viel versprechenden Haus. „Honig aus eigener Imkerei“ steht auf einem Schild. „Da rennen wir wahrscheinlich offene Türen ein“, sagt sie. Es öffnet eine Frau, die gerade telefoniert. „Mein Mann mag sie ganz gerne“, flüstert die Frau. Franke mailt wegen dem Einsatz von Glyphosat immer wieder mit ihm. Über die Effektivität solch kurzer Dialoge ließe sich mit einem Wahlkampf-Manager sicher streiten. „Besser, als sich nicht gezeigt zu haben“, sagt Franke. „Wir machen das oft nur kurz, wollen die Leute ja nicht belästigen.“ Manche lassen sich nicht belästigen, lehnen Gespräche gleich ab. Andere scheinen den Grünen sowieso zugetan und sind bereit für längere Dialoge. So wie die junge Familienmutter, die mit einem Strahlen sagte: „Es ist das erste Mal, dass ein Politiker an meine Haustüre kommt. Herzlichen Dank.“

Über ihre Chancen auf den zweiten Einzug in den Landtag nach 2010 denkt Franke nur auf Nachfrage nach. „50:50.“ Alle vier Jahre organisiert sie eine Ausstellung in ihrem Haus in Stockdorf. Im November wäre die nächste, sie ist schon geplant. Kommt Franke in den Landtag, muss sie die Ausstellung absagen. Und wenn es die Grüne nicht schafft? „Dann falle ich nicht in ein Loch.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Randale nach Geburtstagsfeier
Eine Gruppe von 15 Jugendlichen hat in der Nacht auf Sonntag Gilching unsicher gemacht und ist erwischt worden.
Randale nach Geburtstagsfeier
150 000 Euro Schaden bei Dachstuhlbrand
Mindestens 150 000 Euro beträgt der Sachschaden, der bei einem Dachstuhlbrand  am Freitag in Inning am Ammersee entstand.
150 000 Euro Schaden bei Dachstuhlbrand
Von der Wiege bis zur Bahre
Holz spielte seit jeher eine bedeutende Rolle. Ohne Holz kein Haus, kein Wagen, kein Pflug oder anderes ländliches Werkzeug. Und bevor der Holzkohlabbau begann, musste …
Von der Wiege bis zur Bahre
Stornos fingiert undGeld selbst  eingesteckt
Der heimliche Griff in die Kasse verschaffte einer Verkäuferin über Jahre eine verlässliche Einnahmequelle. Zwischen 2013 und 2017 steckte die Angestellte eines …
Stornos fingiert undGeld selbst  eingesteckt

Kommentare