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Bis unter die Decke ist das Depot der Gesellschaft für Archäologie im Keller eines gemeindlichen Wohnhauses gefüllt. Hansjörg Hägele hat für den Starnberger Merkur einige Kisten mit Fundstücken geöffnet.
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Ein sehr gut erhaltenes Tonschälchen. 
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Essbesteck aus der Römerzeit: Messer, Gabel und Löffel.

20 Jahre Archäologische Gesellschaft

Als Gauting noch Bratananium hieß

Aktive Teilnahme an Grabungen im römerzeitlichen Gauting, die Betreuung der Villa rustica bei Leutstetten und zahlreiche Publikationen zur Ortsgeschichte der Würmtalgemeinde. Die Erfolgsbilanz der 1998 gegründeten Gesellschaft für Archäologie und Geschichte Oberes Würmtal kann sich sehen lassen.

GautingDie Gesellschaft für Archäologie und Geschichte (GfAG) Oberes Würmtal wird heuer 20 Jahre alt. Anlässlich des Jubiläums öffnet Mitbegründer Hansjörg Hägele das Depot der Gesellschaft. Im Keller eines Mietshauses, das der Gemeinde gehört, lagern mehr als 190 000 katalogisierte Einzelfundstücke aus Gautings Römerzeit, sagt der ehrenamtliche Forscher nicht ohne Stolz. Mit sicherem Griff zieht Hägele eine von gut 50 sorgfältig beschrifteten Pappschachteln aus dem Regal. Die Einzelfunde aus Bratananium, dem römerzeitlichen Gauting, sind nach Fundort und Material in einer Datenbank erfasst.

Vorsichtig öffnet Hägele die Pappschachtel – und präsentiert eine Aufspießgabel mit Messer und Löffel. Das Essbesteck aus der Römerzeit stamme aus einer sehr interessanten Grabung, erklärt Hägele: Auf dem späteren Grundstück des verstorbenen Malers Stefan Britt an der Magdalenenstraße hatte der Gautinger Gymnasialprofessor Wolfgang Krämer im Jahr 1936 eine römerzeitliche Therme freigelegt. Nur einen Steinwurf vom heutigen Sommerbad, in direkter Nähe der ehemaligen Römertrasse (heute Reismühler Straße), lag der von Krämer damals genau dokumentierte massive Steinbau mit Caldarien (Warmbädern), Frigidarien (Kaltbädern) und Präfurnium (Schürofen).

Noch heute wandeln Gautings Archäologen auf den Spuren von Wolfgang Krämer. Hägele und seine Ehefrau Irmgard waren dabei, als Stefan Mühlemeier 1999 die einst von Krämer dokumentierte Herberge mit Forum freilegte – ebenso bei Mühlemeiers Grabung nach dem römerzeitlichen Friedhof südlich von Gauting. Aus den damaligen Funden organisierte die GfAG die Wander-Ausstellung „Durchs Feuer ins Jenseits, römische Gräber in Gauting“ im Jahr 2001. Herausragendes Fundstück ist für den langjährigen GfAG-Chef der von ihm zufällig entdeckte Aureus (Goldmünze) bei der Grabung 2002 auf dem sogenannten Schmidbauer-Grundstück an der Reismühler Straße.

Nach Krämer haben Archäologen über den Römerort Gauting nichts mehr publiziert, bedauert Hägele. Deshalb hat er unter anderem die wissenschaftliche Auswertung von Amphoren, Fibeln, Gemmen, Reibschalen, Glas und Münzen veranlasst – und über Sponsoren finanziert. Insgesamt 460 Münzfunde hat Hägele in einer Datenbank erfasst – und darüber ein Buch veröffentlicht. Seebruck und Bratananium, wo sich die Römertrasse von Kempten mit der Fernstraße Augsburg-Salzburg kreuzte, existierten zeitgleich in der Provinz Rätien, weiß Hägele aus seinen Münzstudien, nämlich ab 90 vor Christus bis zum Markomannen-Einfall um 180 nach Christus.

Die meisten der 190 000 Einzelfundstücke warten noch auf ihre Publikation. Hägele zeigt eine gut erhaltene Terra-Sigillata-Schüssel: Zwei Tänzer, einer mit Flöte, sind auf der kunstvoll gestalteten Tonschüssel abgebildet. „Wir haben einen ganzen Schrank voll mit 160 Fibeln“, erzählt Hägele – und präsentiert eine Gewandspange mit den Buchstaben des Kriegsgottes Mars. „Wir brauchen sehr viel Platz.“ Er bedauert, dass es mit dem Umzug des Depots in die sanierte Gautinger Grundschule neben dem Rathaus nicht geklappt hat. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in den Kellerräumen des Depots an der Würm muss Hägele im Sommer jeden zweiten Tag vier Liter Wasser aus dem Entfeuchter leeren.

Christine Cless-Wesle

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