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Stellten sich den Fragen der zweifelnden Anwohner (v.l.): Stefan Derpa und Dr. Christian Kühnel vom Landratsamt, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, Sabine Neumann vom Landratsamt und Polizeichef Ernst Wiedemann.

Asyl in Gauting

Offener Widerstand gegen Unterkunft

Gauting - Erstmals im Landkreis gab es bei einer Asyl-Infoveranstaltung massiven Widerstand. Anwohner kamen mit Plakaten, um ihren Unmut über die geplante Anlage am Penny-Kreisel in Gauting zu unterstreichen.

Hoch schlugen die Wellen der Empörung bei der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Landratsamt und Gemeinde Gauting in der mit 300 Bürgern gut gefüllten Grundschulturnhalle. Vertreter der Bürgerinitiative Gauting-West ärgerten sich über die „Nacht-und-Nebel-Aktion“ vor ihrer Haustür: „Überfallartig“ habe der Bauausschuss in der Hauptferienzeit die vom Landratsamt beantragten Container für 96 Flüchtlinge beim Penny-Kreisel beschlossen, ärgerte sich BI-Sprecher Dr. Hendrik Kornbichler über fehlende Bürgerbeteiligung.

Zum Auftakt der Veranstaltung hielten Anwohner Transparente hoch: „Verschlechterte Sicherheitslage für alle“, stand darauf. Und: „Wer schützt die Bürger in Gauting West?“ Dass Landrat Karl Roth sich wegen eines zugesagten Termins entschuldigen ließ, quittierten die BI-Vertreter mit höhnischem Beifall. Auf dem Podium versuchten der Kreisbaumeister Dr. Christian Kühnel und Rathauschefin Dr. Brigitte Kössinger die Wogen zu glätten. „Den Antrag des Landratsamts für die Container-Wohnungen an der Pentenrieder Straße hat der Ferien-Bauausschuss am 26. August einstimmig und in öffentlicher Sitzung befürwortet“, betonte Kössinger. 

Weil trotzdem viele Fragen offen blieben, hätten Landrat Roth und sie die Anwohner aus der Siedlung Ulmen-, Ahorn- und Lärchenstraße zum Gespräch eingeladen. Jederzeit könnten die Bürger zu ihr in die Sprechstunde kommen oder sich an Gautings Polizeichef Ernst Wiedemann wenden. Damit war BI-Sprecher Kornbichler nicht zufrieden. Die Lasten mit 300 Flüchtlingen sollten im Ort gleichmäßiger und in kleinen Gruppen verteilt werden. Die Container-Anlage neben dem Wertstoffhof am Ortsrand führe zur „Ghettoisierung“.

Forderung nach rechtsverbindlichem Vertrag

Er verlangte einen rechtsverbindlichen Vertrag mit den Bewohnern aus Gauting West, beharrte der BI-Sprecher unter Applaus. Die Container beim Penny-Kreisel sollten auf maximal 100 Personen und fünf Jahre begrenzt werden. Darauf ließ sich die Bürgermeisterin nicht ein: „Wir wissen nicht, was morgen kommt.“ „Seien Sie offen!“, appellierte Kreisbaumeister Kühnel an die BI-Vertreter. 

In die neue Container-Anlage würden 96 Personen aus der Apparatebau-Unterkunft umgesiedelt – in Einzel-Appartements mit eigener Küche und Bad. „Durch abgetrennte Wohnungen minimieren sich die Konflikte“, sprach der Kreisbaumeister aus Erfahrung. Es gebe dort auch einen Sozialraum, „Kümmerer“ und Sozialarbeiter. Und die Gemeinde werde ein Appartement für Deutschkurse des Helferkreises anmieten. „Ich bin kein Feind von Flüchtlingen“, betonte eine Anwohnerin, die bereits ehrenamtlich Deutsch unterrichtet.

 „Doch wie das mit Abtragen von Mutterboden vor der Baugenehmigung gelaufen ist, schürt Misstrauen.“ Anwohner und Helferkreis hätten von Anfang an mit eingebunden werden müssen, so Valerie Neher weiter. Unter tosendem Beifall in der Turnhalle betonte die Gautingerin: „Das motiviert den Helferkreis nicht dazu, engagiert weiter zu machen.“ Eine andere Anwohnerin bekannte: „Mir wird’s da Angst.“ Denn am neuen Standort am Ortsrand zahle die Regierung keinen Sicherheitsdienst. „Im Würmtal gibt es eine rechtsradikale Szene.“ 

Eine Pentenriederin hatte „Angst, an der Wohnanlage mit traumatisierten Menschen, die keine Arbeit haben, vorbeizuradeln“. „Wenn sich eine Frau belästigt fühlt oder sich nicht durch Gauting traut, kann sie mich jederzeit anrufen“, betonte Polizeichef Wiedemann. „Mit 120 Asylbewerbern und 45 Schwarzafrikanern in der Apparatebau-Sammel-Unterkunft haben wir nicht mehr oder weniger Probleme als mit Gautinger Ureinwohnern.“ Claudia von Maltitz vom Helferkreis sagte: „Ich appelliere an Bürger, Landratsamt und Gemeinde: Machen Sie Ihre Türen auf. Nur wenn Sie den sozialen Wohnungsbau vorantreiben, funktioniert die Integration der Flüchtlinge.“

Von Christine Cless-Wesle

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