Aus dem Gerichtssaal

Familie greift zudrastischen Mitteln

Gauting – Eine 82-jährige Gautingerin war über lange Zeit uneinsichtig und stieg immer wieder ins Auto - obwohl sie nicht durfte. Nun verpassten ihr Familie und Richterin einen Denkzettel.

Eine Gautinger Rentnerin kann es einfach nicht lassen. Immer wieder setzt sich die 82-Jährige hinters Steuer, obwohl ihr bereits vor einem guten Jahr als Folge einer Trunkenheitsfahrt rechtskräftig die Fahrerlaubnis entzogen worden ist. Vor dem Starnberger Amtsgericht wegen 15-fachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt, stand die ehemalige Sekretärin zu den Anklagevorwürfen: „Es tut mir leid. Ich hätte es ja wissen müssen.“

Seit Mai 2015 ist die Führerscheinsperre in Kraft, und die verwitwete Gautingerin musste ihre Fahrerlaubnis abliefern. Bei ihren Fahrten zu Arzt, Friseur oder Supermarkt führte die 82-Jährige seither stets eine Führerscheinkopie mit sich. Bei Verkehrskontrollen erklärte die Frau gegenüber den Beamten, ihr Original-Führerschein sei ihr schlicht zu kostbar, um ihn mit sich zu tragen. Ein Schachzug, demder Staatsanwalt durchaus eine gewisse kriminelle Energie beimaß.

Die 82-Jährige unterliegt fortan einer dauerhaften Führerscheinsperre

Auch an Richterin Brigitte Braun ging der Prozess nicht ohne Kopfschütteln vorbei: „Ich mache ja schon lange Verkehrssachen, aber so etwas habe ich selten erlebt.“ In Gang kam das Verfahren auf Betreiben ihrer eigenen Familie, die sich ständig Sorgen machte, wenn die gebrechliche Gautingerin in ihren Mercedes stieg. „Alter schützt vor Torheit nicht“, gab ihr Rechtsanwalt zum Besten. Auch der Staatsanwalt ließ Zweifel an Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit der Rentnerin laut werden und erklärte: „Als Fahrzeugführerin hat die Angeklagte nichts mehr im Verkehr zu suchen.“

Richterin Braun zeigte zwar durchaus Verständnis für das Verhalten der Rentnerin, denn für viele Ältere sei das Auto eben ein Schlüssel zur Freiheit – um eine spürbare Strafe kam die Gautingerin dennoch nicht herum. Die verhängte Geldstrafe liegt bei 90 Tagessätzen à 50 Euro. Zudem unterliegt die 82-Jährigen nun fortan einer dauerhaften Führerscheinsperre. Ins Auto darf sie künftig nur noch als Beifahrerin steigen.

Vorgesorgt hat die Familie ohnehin. Der Mercedes wurde der Angeklagten entzogen und mit ihrer Einwilligung dem Neffen zugewiesen. „Meine Mandantin hat weder Zugriff auf das Fahrzeug noch auf die Papiere oder die Autoschlüssel“, bestätigte der Verteidiger.

Von Nilda Höhlein

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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