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Jüdisches Leben seit 1945 dokumentiert die Ausstellung in Gauting, an deren Eröffnung (v.l.) Gerlinde Leib, Amelie Krause, Bürgermeisterin Dr. Birigitte Kössinger, Dr. Andreas Heusler, Regine Hilpert-Greger und Ilse Ruth Snopkowski teilnahmen.

Ausstellung

Rafael Katz’ Nachlass erstmals öffentlich

„Hoffnung trotz allem – Jüdisches Leben in Bayern ab 1945“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Bosco. Dort ist erstmals der Mantel von Rafael Katz zu sehen. Der spätere Gautinger Taxi-Unternehmer trug das gestreifte Kleidungsstück bei seiner Entlassung aus dem KZ Dachau bei Kriegsende.

Gauting„Es ist Gauting eine Ehre“, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bei der Vernissage in der „Bar rosso“ des Bürger- und Kulturzentrums Bosco. Nach Stationen im Bayerischen Landtag und in Landsberg am Lech wird die Ausstellung „Jüdisches Leben in Bayern ab 1945“ nun in der Würmtalgemeinde gezeigt. Mit Erinnerungsstücken aus dem Nachlass von Rafael Katz hat die Gautingerin Gerlinde Leib die historische Schau ergänzt.

Gauting spielte eine zentrale Rolle: Im April 1945 hatten SS-Wachleute 3400 Überlebende aus den Konzentrationslagern Dachau und Kaufering Richtung Alpen getrieben, erinnerte die Bürgermeisterin. Und am 30. April 1945 eröffneten die Amerikaner für diese verschleppten Menschen das DP-Hospital Gauting. Dort konnten die Überlebenden nicht nur gensen, sondern bei Bedarf auch eine Berufs-Ausbildung absolvieren. Es gab einen eigenen Radiosender und eine Patienten-Zeitung der in Quarantäne lebenden Tuberkulose-Kranken. Das hat der bei der Vernissage anwesende Historiker Prof. Walter Fürnrohr in seinem Buch „Überleben und Neubeginn. DP-Hospital Gauting ab 1945“ festgehalten. Und das Holocaust-Mahnmal auf dem Jüdischen Friedhof in Gauting sei noch heute Zeugnis dieser „leidvollen Epoche“, sagte die Bürgermeisterin.

Den verschleppten jüdischen „Displaced Persons“ (DP) begegneten antisemitisch gesinnte Einheimische auch in der Nachkriegszeit „fremdenfeindlich“ – bis heute, sagte Historiker Dr. Andreas Heusler vom Münchner Stadtarchiv. Um ihre eigene Schuld zu verdrängen, betrachteten auch hochrangige Bayern wie der Abt von Ettal die entwurzelten Opfer der Hitlerdiktatur als „Schmarotzer“.

„Herzlichen Dank, dass Sie die Ausstellung aus der Vergessenheit reißen und dem Gautinger Publikum nahebringen.“ In bewegenden Worten dankte Leihgeberin Ilse Ruth Snopkowski, Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition, der Gautinger Ausstellungsinitiatorin Gerlinde Leib. „Hoffnung trotz allem“ zeigt nämlich auch Dokumente aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes. Der Mediziner Dr. Simon Snopowski hatte die ersten Jahre nach seiner Befreiung aus dem KZ als Überlebender im DP-Lager Landsberg verbracht. „Hoffen wir, dass rechtsradikale und antisemitische Strömungen, die hierzulande sichtbar werden, nicht um sich greifen und das Erreichte erneut in Frage stellen“, sagte Ilse Ruth Snopkowski bei der Vernissage

Die Besucher der Eröffnungsveranstaltung drängten sich vor den erstmals zu sehenden Exponaten aus dem Nachlass von Rafael Katz. Schwarz-Weiß-Fotos dokumentieren die Nachkriegsgeschichte des ehemaligen Gautinger DP-Hospitals (heute Asklepios-Kliniken). Schriftstücke belegen die Auswanderungsgesuche des Überlebenden Rafael Katz. Mit einer Entschädigung, die am 16. Juni 1953 an seine Frau Bronia, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen, gezahlt wurde, und einem Raiffeisen-Kredit konnte die junge jüdische Familie damals ein Häuschen an der Gartenpromenade abstottern. Nach dem Gautinger Taxifahrer Rafael Katz ist der Park & Ride-Platz am Bahnhof benannt.

Unter die Haut geht der Anblick des gestreiften Häftlingsmantels: Katz trug das Kleidungsstück, als ihn SS-Wachleute nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau durchs Würmtal trieben. Eines der von Alt-Bürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch intiierten Pilgrim-Mahnmale, zu denen an diesem Samstag der alljährliche Gedenkzug führt, steht auch in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem, das zeigt eine weitere Bildtafel. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Mai zu sehen.

Von Christine Cless-Wesle

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