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Mit Messlatten hat Ariane Eiglsperger Bestandsaufnahme zu Einfriedungen gemacht. 

Gemeinde Gauting

Die Krux mit den Einfriedungen

Hohe Bretterwände oder gar Mauern sind in Gauting als Grundstückseinfriedungen nicht erwünscht. Weil sich nicht jeder Bauherr an die einschlägige Satzung hält, hat der Bauausschuss nach lebhafter Debatte die Verwaltung beauftragt, diese zu überarbeiten und einen Entwurf vorzulegen.

Gauting „Wir mussten schon Anträge von Bürgern ablehnen, die einen Sichtschutzzaun zur Terrasse des Nachbarn gezogen hatten“, begründete Ariane Eiglsperger in der Sitzung des Bauausschusses den Antrag der Gruppierung Unabhängige Bürger Gauting (UBG), die Einfriedungssatzung aus dem Jahr 2004 den Realitäten anzupassen. Die Gemeinderätin war mit z wei Messlatten zur Bestandsaufnahme durchs Gemeindegebiet marschiert. Zäune dürfen derzeit bis zu 1,30 Meter hoch sein, Hecken werden bis zu einer Höhe von 1,80 Meter zugelassen. Die Sockelhöhe von Einfriedungen ist auf 15 Zentimeter beschränkt.

Doch in Gauting gibt‘s alles, berichtete Eiglsperger von ihrer Erkundungstour. Obwohl gar nicht erlaubt, habe sie blickdichte Matten aus Kunststoff oder Flechtwerk gesehen. Auch hinter hohen Mauern als Sichtschutz zur Straße hin verschanzten sich die Leute in ihren Gärten. Die Satzung sollte deshalb angepasst werden – mit maximal 1,60 Meter hohen „offenen Einfriedungen“ zur Straße hin. Auf die Nachbarkommunen Starnberg, Planegg, Krailling und Gilching verweisend, die keine Einfriedungssatzung hätten, plädierte die UBG-Rätin die Gundstücksbesitzer weniger einzuschränken. Wenn der Nachbar auf seiner Terrasse sitze, sei es „blöd“, so Eiglperger, wenn von nebenan über den nur 1,30 Meter hohen Sichtschutzzaun in dessen Kaffeetasse geblickt werden könne.

In Gauting gebe es durchaus Paradebeispiele, wie Einfriedung sinnvoll sein kann. Am Untertaxetweg (Buchendorfer Berg) hätten Grundstücksbesitzer zum freien Feld hin nur niedrige, durchsichtige Drahtzäune gezogen. Und in Königswiesen habe sie an der Straße eine Thuja-Hecke mit „einer wunderschönen, eingewachsenen, mindestens zehn Meter hohen Tanne“ entdeckt. Die Landeshauptstadt München habe deshalb für „lebende Zäune“ gar keine Einschränkungen erlassen, berichtete Eiglsperger.

„1,60 Meter als Sichtschutz bringt nichts“, erklärte Michael Vilgertshofer (CSU) in der Debatte. Jeder Erwachsene könne darüber schauen. Wo Grundstücke an öffentliche Wege grenzten und „wo eventuell einer rumschleicht“, sollten keine Einschränkungen gesetzt werden, was die Höhe der Einfriedung angehe, schlug der Christsoziale vor. „Ich sehe mich heute noch nicht dazu in der Lage, darüber abzustimmen“, erklärte Markus Deschler (FDP). Er brauche eine Sitzungsvorlage, eventuell mit Empfehlungen des bayerischen Gemeindetags. Unzweifelhaft aber sei: „Wir müssen das Thema anpacken“, sagte der Liberale.

Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger pflichtete ihm bei. Sie erinnerte an eine genehmigte Ausnahme, wo Grundstücke mit hohen transparenten Metallzäunen Richtung Würm gesichert sind, um Kleinkinder vor dem Gewässer zu schützen. Grundsätzlich sei sie dagegen, dass Gautings Gärten wie im exklusiven Grünwald „hinter hohen Mauern“ verschwinden, betonte die Bürgermeisterin. Rechtlich zu klären sei zudem, wie sich eine geänderte Satzung auf Bebauungspläne auswirkt.

So lange niemand die Einhaltung der Satzungsregeln überprüfe, gebe es „keine Gerechtigkeit“, fürchtete Franz Jaquet (CSU). Zuständig sei der Baukontrolleur des Landratsamtes, hieß es.

Die engagierte Diskussion endete mit einem einmütigen Auftrag an die Verwaltung, eine Neufassung der Satzung vorzulegen.

Von Christine Cless-Wesle

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