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Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger begrüßt die Gautinger in der Aula der Grundschule an der Ammerseestraße.

Bürgerversammlung

Initiative droht mit Bürgerbegehren

Zahlreiche Gautinger Bürger wünschen sich eine geringere Bebauung auf dem alten Grundschulareal. Das wurde in der Bürgerversammlung am Montagabend deutlich.

Gauting – Zahlreiche Gautinger, zumindest die 200, die zur Bürgerversammlung gekommen waren, wollen verhindern, dass die Würmtalgemeinde mit Gebäudekolossen zubetoniert wird. Sie stimmten für einen Bürgerantrag an den Gemeinderat, das Projekt der Investorengruppe Sontowski & Partner für die drei fünfgeschossigen Komplexe mit Edeka-, Drogeriemarkt auf dem alten Grundschulareal beim Bahnhof zu stoppen zugunsten einer „ortsverträglichen Planung.“

„Es war nicht notwendig, so hohes Baurecht auszuschreiben“, wetterte die Vorsitzende des Bürgerforums, Dr. Ulla Ziegler von der Initiative „Gauting aktiv“. Die versammelte Bürgerschar applaudierte. „Keine zweite Bausünde“ wie beim fast fertigen Baderhof am Hauptplatz, forderte Angelika Siegmund, Sprecherin von „Gauting aktiv“. Und Dr. Wolfgang Ziegler kritisierte, dass die Gemeinde mit dem Verkaufserlös von 9 Millionen Euro für das Grundschulareal und dem zugestandenen Bauvolumen, „ihre Seele“ verkauft habe.

Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger war auf den Gegenwind gegen „Baukolosse“ offenbar vorbereitet. Schon im einstündigen Rechenschaftsbericht ging sie ausführlich auf das Thema ein. 2011 habe sich der damalige Gemeinderat dazu verpflichtet, die Generalsanierung der Grundschule beim Rathaus über den Verkauf des Schulgeländes beim Bahnhof zu finanzieren, erinnerte die seit 2014 amtierende CSU-Bürgermeisterin. Die von der kommunalen Rechtsaufsicht eingeforderte Kaufsumme hätte schon im August 2014 fließen müssen. Doch zu diesem Zeitpunkt habe es für die drei Planungsvarianten für das zum Verkauf stehende Areal keinen Investor gegeben, sagte Kössinger. Der amtierende Gemeinderat habe deshalb zunächst ein Konzept für den Verkehrsknotenpunkt Bahnhof in Auftrag gegeben. Vor dem Hintergrund des Raumordnerischen Entwicklungskonzepts mit mehr Wohnbau rund um Bahnhöfe, aber auch wegen der dort geplanten Verbrauchermärkte habe sich die Ratsmehrheit mit 21:2 für den Erlanger Investor Sontowski & Partner entschieden. Ende 2019 soll das Sontowski-Vorhaben mit 60 Wohnungen und den beiden Märkten fertig sein. Die zentrale Lage dieser Märkte entlaste den Binnenverkehr zu den außerhalb liegenden Einkaufsmöglichkeiten.

Die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt werte den neuen Knotenpunkt Ammerseestraße mit Zufahrt zum geplanten Bahnhof-Parkdeck und zur Tiefgarage des Neubaukomplexes neben dem Pausenhof der oberen Grundschule sogar als schlechteste Lösung, hielt Ulla Ziegler dagegen. Auf dem verkauften Grundschulareal gehe es nicht um das „gesetzlich Notwendige“, sondern um „ein Riesenbauvorhaben“, widersprach der Stadtplaner und frühere SPD-Gemeinderat Dr. Andreas Romero der Bürgermeisterin. Bei dieser Planung gehe es „nur um Profit“.

„Wir streben ein Bürgerbegehren an“, ließ Dr. Eckart Müller-Guntrum von „Gauting aktiv“ die Katze aus dem Sack. Der Käufer könne von dem Vertrag zurücktreten, wenn die Gemeinde den Bebauungsplan kippe. „Wir müssen jetzt abstimmen, ob der Koloss auf dem Schulgrundstück gestoppt werden soll“, forderte Eberhard Brugger nach zweistündiger Debatte. Fast alle Hände im Saal erhoben sich für den Bürgerantrag. Darüber muss der Gemeinderat innerhalb von drei Monaten beraten und entscheiden, so Rathaussprecherin Charlotte Rieboldt gestern auf Anfrage.

Von Christine Cless-Wesle

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