Im künftigen Impfzentrum: Geschäftsführer Florian Fikuart mit seiner Firma AINexpert UG wird das Zentrum betreiben. Noch sind die Räumlichkeiten Seminarräume.
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Im künftigen Impfzentrum: Geschäftsführer Florian Fikuart mit seiner Firma AINexpert UG wird das Zentrum betreiben. Noch sind die Räumlichkeiten Seminarräume.

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Bekämpfung der Corona-Pandemie: Betreiber des Impfzentrums zieht sich zurück

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Dass das Impfzentrum für den Landkreis auf das Gelände der Asklepios-Klinik in Gauting kommt, stand schon fest. Zunächst gab es auch einen Betreiber, der sich jedoch zurückgezogen hat.

Update, Sonntag, 13. Dezember, 21.20 Uhr: Hinter dem Rückzug verbirgt sich ein persönliches Schicksal. Der designierte Betreiber des Corona-Impfzentrums in Starnberg wurde wegen Urkundenfälschung im Medizinsektor verurteilt. Nun holt ihn seine Vergangenheit wieder ein.

Update Samstag, 12. Dezember, 17 Uhr: Der Landkreis steht kaum 24 Stunden nach Bekanntgabe des Betreibers des Impfzentrums in Gauting wieder ohne da. Wie Landrat Stefan Frey auf Anfrage bestätigte, hat der Betreiber den Auftrag faktisch zurückgegeben. Hintergrund seien wirtschaftliche und organisatorische Schwierigkeiten. Zu den Details wollte sich der Landrat nicht äußern. Wörtlich heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes: „Die Vorbereitungen für die Einrichtung des Impfzentrums in Gauting verzögern sich. Das Gautinger Unternehmen AINexpert hat von der Übernahme des Auftrags am heutigen Samstag Abstand genommen. Wirtschaftliche und organisatorische Gründe hätten zu dieser Entscheidung geführt. Der Landkreis muss sich nach einem neuen Betreiber umsehen.“

Man werde nun umgehend mit den anderen Bewerbern bei der Ausschreibung in Gespräche einstiegen, um schnellstmöglich einen neuen Betreiber zu finden. Eine Entscheidung werde bis Ende der Woche fallen. Nachdem der Impfstoff nicht vor Anfang Januar vorliege, ergebe sich daraus keine wesentliche Verzögerung.  

Landkreis – Noch erkennt man nicht, dass die Räumlichkeiten einmal ein Impfzentrum werden sollen. Tische, Flipcharts und Tafeln stehen dort, wo bald täglich bis zu 300 Menschen geimpft werden könnten. Das Impfzentrum kommt in das Seminargebäude der Asklepios-Klinik in Gauting. Was auf den rund 250 Quadratmetern noch fehlt: Behandlungskabinen, IT, Telefonanlage und natürlich das Lager mit den Medikamentenkühlschränken, in denen der Impfstoff aufbewahrt wird. Die erste Lieferung mit Spritzen und Kanülenn soll am Montag kommen, sie umfasst elf Europaletten.

An der Ausschreibung für den Betrieb des Impfzentrums haben fünf potenzielle Betreiber teilgenommen. Den Zuschlag hat die erst heuer im Juli gegründete Gautinger Firma AINexpert UG bekommen. AIN, das steht für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin. Geschäftsführer Florian Fikuart, bringt nach eigenen Angaben mehr als zehn Jahre Erfahrung auf der Intensivstation und im Rettungsdienst mit. Seine Firma betreue Kunden aus den Bereichen Klinik und Rettungsdienst bei Fragen des Personalmanagements, bei Personalengpässen sowie der Einführung und Pflege von System zur Qualitätssicherung. Mieter der Räume des Impfzentrums ist der Landkreis. Die Kosten für den Aufbau übernimmt der Freistaat.

Termine im Impfzentrum soll es nur mit Voranmeldung und an sieben Tagen pro Woche geben. Ebenfalls vom Impfzentrum koordiniert werden sollen die mobilen Impfteams. Davon soll es vier geben. Sie fahren zu Einrichtungen wie Altenheimen, um dort die Impfungen vornehmen. Das Landratsamt geht davon aus, dass in Einrichtungen täglich bis zu 80 Impfungen möglich sind. Wenn einzelne Personen aufgesucht werden müssen, werden 15 bis 20 Impfungen pro Tag und Impfteam möglich sein, so die Einschätzung der Behörde.

Aktuell sucht Fikuart noch Personal, denn im Impfzentrum müssen täglich sechs Ärzte und sechs medizinische Fachkräfte aus Pflege- oder Rettungsdienst da sein. 22 Mitarbeiter hat er bereits, fünf davon sind Ärzte. Vollzeit-Arztstellen sind 10,5 vorgesehen, dazu 13 für medizinisches Fachpersonal und elf in der Verwaltung. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter jobs@impfzentrum-starnberg.de bewerben. Die Homepage des Impfzentrums soll an diesem Samstag online gehen. Auch Ärzte im Ruhestand werden für das Impfzentrum gesucht. „Dass auch niedergelassene und pensionierte Ärzte sowie medizinische Fachkräfte aus dem Landkreis in das Projekt eingebunden werden, ist mir sehr wichtig“, so Landrat Stefan Frey.

Die Mitarbeiter übernehmen sämtliche Aufgaben, von der Terminkoordination bis zur Impfung. Termine kann jeder – wenn es soweit ist – online, telefonisch oder per E-Mail vereinbaren. Geschäftsführer Fikuart geht davon aus, dass zunächst vor allem per Telefon Termine ausgemacht werden, da zunächst die Altersgruppe über 80 Jahre geimpft werden soll – und „die machen eher keine Online-Termine aus“, sagt der 31-Jährige. Ein Termin wird mit Aufklärung und Nachsorge etwa 30 Minuten dauern.

In einer Mitteilung des Landratsamts heißt es, das Impfzentrum soll „möglichst zum 15. Dezember einsatzbereit sein“. Daraus wird wahrscheinlich nichts, da die Einrichtung der Räumlichkeiten erst ab Montag in Angriff genommen wird. Wie viele Menschen dort an einem Tag geimpft werden können, ist ebenfalls unklar. „Wie viel Impfstoff wir am Ende kriegen, wissen wir nicht“, sagt Landratsamtssprecherin Barbara Beck.

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