Sie kommen sehr gut mit einem Budget zurecht: das Team der Gautinger Gemeindebibliothek.
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Sie kommen sehr gut mit einem Budget zurecht: das Team der Gautinger Gemeindebibliothek.

Für Tiefbauer ist Modell unbrauchbar

Budgetierung in Gauting: Nicht jeder kommt damit zurecht

Budgets sollen Gauting beim Sparen helfen – das klappt aber nicht überall. Die Gemeindebibliothek kommt sehr gut damit zurecht, für die Tiefbauer ist das Modell unbrauchbar.

Gauting – „Große Medienvielfalt, auch für Meinungsbildung und Orientierung“ – das ist erklärtes Ziel der 1975 gegründeten Gautinger Gemeindebibliothek im Rathaus-Tiefgeschoss mit aktuell 50 000 Medien. Doch das ist nicht alles: Mit der seit 2004 laufenden Teilbudgetierung mache sie „großartige Erfahrungen“, erklärte Leiterin Doreen Kleiner am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss, als es um Budgetierungen als Sparmöglichkeit ging. Sparsames Wirtschaften werde belohnt, weil man mehr für Neuanschaffungen ausgeben könne. Das gilt aber nicht für alle gemeindlichen Einrichtungen.

Faszinierende Bilder von traumhaften Ballroben aus Papier präsentierte Kleiner zum Auftakt ihres Vortrags: Anna Schott (19) sei bereits von klein auf in die Gemeindebibliothek gekommen, habe Papierkunst-Bücher ausgewählt und entwerfe heute Papierkleider. Eine Erfolgsgeschichte eines Bibliotheken-Kunden also. 1975 startete die Bücherei mit 3000 Büchern. Heute bietet die Gemeindebibliothek in ihren renovierten Räumen mit gemütlicher Leseecke und Internet-Arbeitsplätzen insgesamt 38 000 Besuchern im Jahr 50 000 Medien. Derzeit wegen Corona allerdings stark eingeschränkt.

Kleiner: „Wir können flexibel reagieren“

Weil der Rat der Gemeindebibliothek seit 2005 ein fixes Budget in Höhe von 36 000 Euro zur Verfügung stellt, „haben wir einen ganz großen Vorteil“, lobte Kleiner: „Wir können flexibel reagieren.“ Allein die Bücherflohmärkte brächten außerhalb von Corona etwa 6000 Euro im Jahr. Durch die allgemeine Kürzung von zehn Prozent (wir berichteten) sowie den coronabedingten Wegfall der Flohmärkte schrumpfe das Budget heuer um 7000 Euro. Die Bibliotheksleiterin: „Das ist schon eine Hausnummer.“ Die Resonanz ist weiter hoch: Allein samstags kämen durchschnittlich 80 Personen zur Ausleihe. Und am letzten Samstag vor dem Lockdown Ende November wurden in nur drei Stunden 280 Gautinger mit 1500 Medien versorgt. Im zweiten Lockdown habe sie mit ihren Mitarbeitern 61 000 Medien herausgesucht, verpackt und den Gautingern nach Hause gebracht. Die kostenlose Ausleihe sei gerade in der Pandemie „das Herzstück“ und ein „Stück Heimat“ von Gauting, zitiert Doreen Kleiner eine Mutter.

Wichtigste Aufgabe sei die Vermittlung der Lese-, Informations- und Medienkompetenz. Noch 2019 habe die Gemeindebibliothek 108 Veranstaltungen angeboten. Die Pandemie-Schließung habe sie mit ihrem Team genutzt für neue Konzepte mit Schulungen: Lesungen könne man podcasten, „sodass sie jemand in Argentinien mithörte“. Die Investition in die Gemeindebibliothek sei „eine in die der Köpfe von Menschen“. Laut einer Studie komme jeder Euro in den „wichtigsten Rohstoff Geist“ fünffach zurück, sagte die Bibliothekleiterin und erinnerte gleich an „ihre Vision“ von einer größeren Gemeindebibliothek.

Erschließung des Handwerkerhofs wird teurer als kalkuliert

„Tief beeindruckt“ war Josef Nießl, der die Gemeinde mangels Kämmerer derzeit in Finanzen berät, nach diesem Vortrag. Man sehe, welche Kreativität motivierte Mitarbeiterinnen mit vorgegebenen Budget entwickelten. Das gilt nicht für andere Abteilungen: Die bei den Etat-Beratungen angeregte „Budgetierung“ des Tiefbaus sei nicht möglich, bedauerte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Haushaltsmittel für Straßenunterhalt, Reinigung, Winterdienst oder Grünanlagen seien auf unterschiedliche Ämter verteilt, und da dürfe man Budgets nicht hin- und herschieben. Zum Beispiel werde die Erschließung des Gautinger Handwerkerhofs teurer als 2020 kalkuliert. Diese Summe dürfe die zuständige Ingenieurin Beatrice Bruns aber nicht beim „verpflichtenden Straßenunterhalt“ einsparen. Anders als die Bibliothek habe der Tiefbau ja auch keinerlei Einnahmen, ergänzte Leiterin Beatrice Bruns. Eine Arbeitsgruppe soll sich damit genauer befassen.

Text: Christine Cless-Wesle

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