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Freundliche Gesichter auf beiden Seiten: Das Rennen zwischen Dr. Brigitte Kössinger (CSU) und Herausforderer Hans Wilhelm Knape (Grüne) bei der Stichwahl in Gauting war denkbar knapp.

Kommunalwahl 2020

Kössinger dank Endspurt im Ziel

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Ein Krimi der Extraklasse – da können „Tatort“ und Konsorten einpacken. Mit einer Wimpernschlag-Entscheidung hat Dr. Brigitte Kössinger (CSU) gestern die Stichwahl um den Bürgermeisterposten im Gautinger Rathaus gewonnen und damit ihr Amt verteidigt.

Gauting– Dr. Brigitte Kössinger erzielte 50,3 Prozent der Stimmen bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Gauting.. Ihr Gegenkandidat Hans Wilhelm Knape (Grüne) kam auf 49,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 66,2 Prozent deutlich über dem Ergebnis der Kommunalwahl vor zwei Wochen (61,2 Prozent)

Dabei hatte sich gestern Abend zunächst relativ schnell ein Machtwechsel im Gautinger Rathaus angedeutet. Eine Wahlsensation lag Schnellmeldung für Schnellmeldung in der Luft. Bei der ersten Meldung hatte die Amtsinhaberin noch mit gut 53 Prozent in Führung gelegen. Von da an ging’s bergab. Nach einem kurzen Zwischenspurt bei zwei Drittel der ausgezählten Stimmen und einem zweiten Aufschließen kurz vor der Ziellinie bestätigte sich zunächst der Trend: Knape hatte mit etwa einem Prozentpunkt die Nase vorn. Doch dann zündete seine Gegnerin den Schlussspurt.

Auf die Folter gespannt wurden die Gautinger, die im Internet die Entwicklung des Wahlergebnisses verfolgten. Kurz vor der Ziellinie holte Kössinger auf. Nach der Bekanntgabe der vorletzten Schnellmeldung hatte Kössinger die Nase vorn. Dann dauerte es fast unerträglich lange Minuten, bis auch die 13. Schnellmeldung online gestellt wurde – wegen der Corona-Krise wurden die Stimmzettel der ausschließlichen Briefwahl nicht im Rathaus, sondern in der Sporthalle des Otto-von-Taube-Gymnasiums ausgezählt.

Um 19.50 Uhr kommen die letzten Wahlhelfer mit ihren ausgezählten Stimmzetteln durch die immer voller werdende Gymnasium-Aula. Vom Eingang ertönt kräftiger Applaus – für die eintretende Amtsinhaberin. Mit 62 Stimmen Vorsprung ist Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU) für eine weitere Ratsperiode wiedergewählt. Ihr Ehemann schließt sie freudig in die Arme. Kössinger und Hans Wilhelm Knape reichen sich die Hand. „Ich habe ruhig auf das Endergebnis gewartet“, erklärt die Bürgermeisterin. Auf einem gemeinsamen Weg mit Hans Wilhelm Knape werde sie dafür sorgen, dass es für Gauting gut weitergeht. Dass ihr Sieg so knapp war, habe auch daran gelegen, dass manchen Bürgern die Veränderungen am Ort zu schnell gegangen seien. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen und jetzt acht Sitzen in der Grünen-Fraktion hoffe er auf eine verbesserte Kommunalpolitik mit weniger Härte bei Debatten im Gemeinderat, sagte Knape. Er stehe für Sachthemen und einen anderen Stil in der Debatte mit transparenteren Beschlussvorlagen.

Es ist eine glückliche Wiederwahl für die CSU-Kommunalpolitikerin, die vor sechs Jahren auch erst über die Stichwahl ins Amt gekommen war – als Nachfolgerin für die SPD-Bürgermeisterin Brigitte Servatius. Damals hatte sie sich allerdings mit komfortabelen 63 Prozent der Stimmen gegen Wolfgang Meiler (Bürger in Gauting) durchgesetzt. Kössinger hatte zuletzt mit viel Gegenwind zu kämpfen gehabt. Kritiker warfen ihr mangelnde Transparenz vor, insbesondere was die Beteiligung der Bürger angeht. Die Beschlüsse zur Bebauung des früheren Grundschulareals neben dem Bahnhof und die Planung des Asto-Eco-Parks für Gewerbe im Unterbrunner Holz haben ihr ebenfalls viel Ärger und Anfeindungen eingebracht.

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