Was kommt nach der Pandemie?

Corona und die Folgen: Krisen-Analyse an der Würm

Welche Folgen hat die Corona-Pandemie auf Gautinger Firmen und Vereine? Das will der Gemeinderat untersucht haben - soweit möglich. 

Gauting – Nach drei Monaten Lockdown in der Corona-Krise kämpfen Vereine wie das Eltern-Kind-Programm Stockdorf ums Überleben, schlug Stefan Berchtold (MfG/Piratenpartei) in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Gauting Alarm. Auch der VHS geht es nicht gut: Aktuell habe die wegen Corona lange geschlossene Volkshochschule Würmtal Zuschüsse beantragt. Deshalb wünsche er vom Gautinger Wirtschaftsförderer Dr. Fabian Kühnel-Widmann einen Überblick, welche Vereine, Gewerbe-, Gastronomiebetriebe oder Dienstleister am Ort durch die Coronakrise bereits in ihrer Existenz bedroht seien. Die wird er bekommen, zumindest in Teilen.

Sportvereine oder Kulturveranstalter seien von der Corona-Krise betroffen, ebenso Vereine mit sozialen Aufgaben, die Gastronomie, Dienstleister und Einzelhändler am Ort, erklärte Berchtold in der Sitzung. Deshalb solle der Wirtschaftsförderer Informationen zur Lage der durch die Pandemie gebeutelten Gewerbebetriebe und Vereine einholen und den Gemeinderäten zur Verfügung stellen. Denn: „Bevor wir ein neues Feuerwehrauto kaufen oder den neuen Mitarbeiter für Geothermie einstellen“, sagte er in Bezug auf Beschlüsse des Rates, müsse erst die wirtschaftliche Lage der Betriebe und Vereine klar sein.

Dadurch würden nur „falsche Erwartungen geweckt“, widersprach CSU-Fraktionssprecherin Eva-Maria Klinger. Dann schreibe jeder Verein zurück: „Mir geht‘s schlecht: Bitte helft mir!“ Gewerbebetriebe, die existenziell bedroht seien, bekämen Fördermittel vom Staat, ergänzte Vize-Bürgermeister Dr. Jürgen Sklarek (MiFü 82131). Es gehe auch nicht an, dass sich ein Privatunternehmer als insolvent outen müsse. Standortförderer Kühnel-Widmann solle zumindest die Bestandssicherung von Betrieben und Geschäften in den Fokus rücken, damit die „durchaus solidarische Bevölkerung“ die lokale Wirtschaft unterstütze, befürwortete Heinrich Moser (Grüne) den Antrag.

„Wir als Gemeinde können die Krise nicht finanziell auffangen“, hielt Markus Deschler (FDP) dagegen. Der Rat wisse ja noch nicht einmal, in welchem Umfang die Steuereinnahmen wegbrechen werden. Da das Eltern-Kind-Programm (EKP) wegen Corona keine Kurse abhalten kann, habe der Verein bereits Finanzausfälle in Höhe von 55 000 Euro, verlangte auch Tobias Mc Fadden (MfG/Piraten) Informationen. Denn falls das EKP pleitegehe, „hat das Auswirkungen auf das Familienleben in Gauting“.

ZfG befragt Unternehmen

Es gebe große Unterschiede zwischen Branchen, erläuterte Kühnel-Widmann die aktuelle Lage. So wünschten etwa Handwerksbetriebe Hilfen durch Gewerbeflächen wie den geplanten Handwerkerhof am Pennykreisel und über zahlbare Wohnungen für Mitarbeiter. Der Gewerbeverband ZfG (Zusammen für Gauting) habe bereits eine Umfrage gestartet, berichtete dessen Vorsitzender und Gemeinderat Harald Ruhbaum (MiFü 82131). Ergebnis: „Reisebüros bekamen eine vor den Bug.“ Bei anderen liefen die Geschäfte dagegen gut. Grundsätzlich blieben die Gautinger ihrem Einzelhandel treu, auch dank des Lieferservices. Doch eine Gärtnerei in Buchendorf habe mit 100 Prozent Personaleinsatz in der Corona-Krise nur noch zehn Prozent ihres durchschnittlichen Ertrags erwirtschaftet. „Dieses Geld fehlt in der Kasse“, erläuterte der ZfG-Vorsitzende. 

Grundsätzlich sei die Stimmung im Einzelhandel gut, auch durch die ZfG-Kampagne „Kauf‘ am Ort!“ Kein Einzelhändler erwarte von der Gemeinde indes finanzielle Unterstützung. Gautinger Handwerker hätten zu Beginn des Lockdowns nur noch Notfall-Aufträge bekommen. Erst nach und nach folgten wieder größere Aufträge. Die Handwerksbetriebe versuchten jedenfalls, ihre Mitarbeiter zu halten. Grundsätzlich wollten die Bürger ihre Geschäfte und Kontakte im lebendigen, intakten Ortskern, resümierte der Vorsitzende des Gewerbevereins. Statt im Internet zu bestellen, hätten die Gautinger den Lieferservice deshalb auch rege genutzt.

Moser forderte schließlich ein „regelmäßiges Feedback“ über die wirtschaftliche Lage. „Das machen wir“, versicherte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU). In der nächsten Sitzung werde die Rathausverwaltung auflisten, welche Vereine mit finanziellen Problemen kämpfen.  

VON CHRISTINE CLESS-WESLE

Rubriklistenbild: © dpa / Marijan Murat

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