Gemeinsames Erleben ist eine Säule in der Arbeit des EKP, das im Hauptausschuss einen Bericht zur Lage vorlegte. Die Pandemie hat starke Auswirkungen auf die Familien.
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Gemeinsames Erleben ist eine Säule in der Arbeit des EKP, das im Hauptausschuss einen Bericht zur Lage vorlegte. Die Pandemie hat starke Auswirkungen auf die Familien.

Eltern-Kind-Programm

Die Zerreißprobe für Mütter

Das Eltern-Kind-Programm möchte sein sowieso reichhaltiges Angebot weiter ausbauen – und braucht dazu mehr Räume. Die Finanzen haben unter der Pandemie gelitten.

Gauting – „Starke Familien – starke Kinder – gesunde Gesellschaft“: So lautet das Motto des von Ursula Bezdek 1987 gegründeten Vereins Eltern-Kind-Programm (EKP) in der Alten Schule Stockdorf, der Generationen übergreifenden EKP-Gruppen Familienfreizeiten, Naturerlebnistage oder Mittagsbetreuung anbietet. Doch dem von der Gemeinde und vom Landkreis geförderten Verein mit über 700 Mitgliedsfamilien brechen die Einnahmen weg, wie Hanna Bezdek im Gautinger Haupt- und Finanzausschuss erklärte. Wegen der Pandemie fehlt es an Geld.

„Familien in allen Lebenslagen stützen“ sei die Philosophie, erläuterte Hanna Bezdek. Ihre Großmutter, die unvergessene Freizeitpädagogin und Gemeinderätin Ursula Bezdek, habe das an der Praxis orientierte Konzept in den früheren 1970er-Jahren am Institut für Frühpädagogik mitentwickelt. Gemeinsames Erleben in der Natur, Kindern musische, sprachliche und motorische Anregungen geben, um ihre Persönlichkeit zu stärken – das stehe im Vordergrund. Im „gemeinsamen Tun“ und durch den Austausch mit anderen Eltern holten sich Mütter wie Väter in den EKP-Gruppen Anregungen. Durch Spiel und Spaß in Familienfreizeiten würden Erziehungskompetenzen gestärkt, so die Leiterin. Familien, die ins Würmtal ziehen, „haben über die EKP-Gruppen sofort Kontakte“. Beratung von Familien, die zeitaufwendige Babysitter-Vermittlung, Ferienbetreuung von Grundschulkindern in Gauting und Stockdorf, Theaterworkshops, Waldspielgruppen oder die „Fieberfee“ biete das EKP zudem an.

In der Mittagsbetreuung seien 36 Kinder, sagte Bezdek. In Kooperation mit einem Elterncafé im neuen „Treffpunkt“ Stockdorf werde sie Kinderbetreuung anbieten, wie im „Kinderpark“, in dem Eltern ihren Nachwuchs für ein paar Stunden „parken“ können. Im „Netz für Kinder“ in der Alten Schule Buchendorf betreibe das EKP einen Kindergarten, einen weiteren in Pöcking. Kreisweit gebe es 17 EKP- Gruppen. Verantwortlich für den Betrieb seien neun Teilzeit- und Vollzeit-Kräfte sowie eine Studentin. 70 Ehrenamtliche helfen mit. Kooperationen bestünden mit der Gautinger Insel, dem Kreisjugendamt, dem Kreisjugendring (etwa beim Papierboot-Rennen).

Gemeinde und Landkreis zahlten Zuschüsse, aber: „Wir müssen unser Büro und die Arbeit mit den Kindern selber finanzieren.“ Da Straßensammlungen und Märkte wegen Corona flachfielen, klaffe ein Loch in der Kasse. Eine mögliche Hilfe sei, sagte Bezdek, wenn man Richter oder Staatsanwälte dazu brächte, wieder mehr Strafgelder dem gemeinnützigen EKP zugutekommen zu lassen.

„Danke, dass Sie so viele glückliche Kinder und Eltern schaffen“, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. „Man merkt, dass Ihnen das EKP eine Herzensangelegenheit ist. Und Sie motivieren Ehrenamtliche“, lobte Vizebürgermeister Dr. Jürgen Sklarek. „Wo drückt denn der Schuh die Familien gerade am meisten?“, fragte Dr. Michaela Reißfelder-Zessin, Referentin für Soziales, Familie und Inklusion. „Dass sie keine Planungssicherheit haben“, antwortete Hanna Bezdek. Familien „hangeln sich von einer Woche zur nächsten“. Für eine alleinerziehende Mutter mit zwei Schulkindern sei die Pandemie „eine Zerreißprobe“. Weniger schwierig sei es für Eltern mit Kleinkindern in der Notbetreuung. „Wir versuchen, die Familien zu unterstützen – auch mit neuen Erlebnis-Angeboten im Wald.“ Für Mütter sei die Pandemie „besonders stressig“.

Schön wäre es, wenn das EKP in der Alten Schule Stockdorf Räumlichkeiten für die neue PEKiP-Gruppe mit Frühförderung von Babys bekäme, sagte Bezdek auf Nachfrage von Britta Hundesrügge. PEKiP steht für Prager Eltern-Kind-Programm und zielt auf Eltern mit Kindern bis zu einem Jahr ab. Da bestehe großer Bedarf. So könnte man junge Mütter, die heutzutage weniger Zeit für ihre Neugeborenen hätten, unterstützen, ihnen mehr Selbstbewusstsein vermitteln. Christine Cless-Wesle

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