Alles „fair“: Wilhelm Rodrian, Christiane Lüst, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, Autor Frank Herrmann und Marc Schürhoff (v.l.) bei der ersten Veranstaltung der „Fairen Woche“.  Foto: Andrea Jaksch
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Alles „fair“: Wilhelm Rodrian, Christiane Lüst, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, Autor Frank Herrmann und Marc Schürhoff (v.l.) bei der ersten Veranstaltung der „Fairen Woche“.

„Faire Woche“ in Gauting

Der Kunde hat’s in der Hand

Die „Faire Woche“ in Gauting bietet die Möglichkeit, sich über den „fairen" Handel zu informieren. Auftakt war eine Lesung.

Gauting – „Fair statt mehr“ ist dieses Mal das Motto: Bei einer Lesung von Frank Hermann, Autor der Bücher „FAIReisen“ und „Fair einkaufen – aber wie?“, eröffnete Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger am Donnerstag die „Faire Woche“ in der Buchhandlung Kirchheim. Ein Höhepunkt werde die Ziehung der Fairtrade-Gewinne bei der Stadtradeln-Siegerehrung am Mittwoch im „Treffpunkt“ in Stockdorf, betonte sie und würdigte das Engagement der Steuerungsgruppe um Umweltmanager Wilhelm Rodrian.

„Mit viel Zeit- und Energieaufwand ist es der Steuerungsgruppe wieder gelungen, ein mindestens genauso tolles Angebot wie im Vorjahr zu organisieren“ freut sich Kössinger. Die Würmtalgemeinde sei seit acht Jahren eine von mittlerweile fast 700 Farirtrade-Kommunen in Deutschland. „Damit haben wir uns verpflichtet, den Gedanken des gerechten Handelns zu unterstützen und zu fördern“, betont die Bürgermeisterin. „Jeder von uns kann zu mehr Gerechtigkeit beitragen – vor Ort, aber vor allem auch global.“

Manchem der coronabedingt weiträumig platzierten Zuhörern gingen bei der Lesung mit Infos zu „Fairem Handel“ die Augen auf. Betriebswirt und Fair-Bike-Touren-Veranstalter Frank Herrmann erzählte unter anderem vom Kaffeeanbau in Südamerika, der durch den Klimawandel gefährdet sei. Bis 2050, so prognostizierten pessimistische Studien, seien 90 Prozent der empfindlichen Pflanzen wegen Trockenheit verschwunden. Die grüne Bohne des goldenen Kaffees „d‘Oro“ sei für die Bauern in Guatemala jedoch die Haupt-Einnahmequelle. Früher seien die Bauern noch durch Zwischenhändler bei den Preisen „übers Ohr gehauen worden“, berichtete der Autor, der dort zeitweise lebte. Über Direktvermarktung, Zugang zu Internet, Smartphones und den „Fairen Handel“ in Kooperation mit einer fairen Rösterei in Deutschland hätten die Kaffeebauern inzwischen eine Chance.

„Ich wollte etwas zurückgeben“, sagte der Veranstalter von „fairen“ Touren. Deshalb unterstütze er Entwicklungshilfe-Projekte in Peru. Der Konsument habe es in der Hand, die Lage zu ändern: In Discountern lägen zwar Produkte mit dem Siegel „fair“, aber vom Geld des Kunden profitiere der Discounter und nicht der Bauer vor Ort. Der bekomme immer das gleiche Geld. 85 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels konzentrierten sich nur auf vier Ketten, nämlich Edeka mit Netto, Rewe mit Penny, die Schwarzgruppe mit Lidl und Kaufland sowie die Aldigruppe, listete der Betriebswirt auf. Nach dem aktuellen Supermarkt-Check der Entwicklungshilfe-Organisationen unter dem Titel „Oxfam“ schneide Edeka am schlechtesten ab. Lidl sei zunächst sogar Vorreiter gewesen und habe im Herbst 2018 nur noch „fair gehandelte“ Bananen im Sortiment gehabt. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) habe zur Nachahmung aufgefordert. Aber es kam anders: Konkurrent Aldi warb mit Bananen aus Ecuador mit fürs Kilo 66 Cent statt für 1,49 Euro. Weil die Kunden den Rest dann auch gleich bei Aldi kauften, machte Lidl „einen Rückzieher“, erinnert der Autor. Und weil nun bei Lidl drei Sorten Bananen nebeneinander ausliegen, kauften die Kunden wieder die billigsten.  cc

Nächster Termin der „Fairen Woche“

Nächster Termin der „Fairen Woche“ in Gauting ist am kommenden Montag, ab 18.30 Uhr die Siegerehrung des Stadtradelns mit Verlosung und Präsentation von Bambus-Rädern im „Treffpunkt“ am Harmsplatz in Stockdorf. Anmeldung: wilhelm.rodrian@gauting.de.

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