Blick in ein isoliertes Intensivbett-Zimmer in der Gautinger Asklepios-Lungenfachklinik
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Blick in ein isoliertes Intensivbett-Zimmer in der Gautinger Asklepios-Lungenfachklinik: Chefarzt Dr. Lorenz Nowak untersucht in Schutzkleidung einen positiv getesteten Corona-Patienten.

Die Situation am Krankenhaus

„Die Lage kann sich akut verschärfen“

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
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Dr. Lorenz Nowak, Chefarzt in der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting, hat kein gutes Gefühl. „Man muss fürchten, dass die Zahlen weiter steigen“, sagt er.

Gauting – Nach zehn Tagen im Teil-Lockdown ist die Hoffnung groß gewesen, dass sich die Maßnahmen in den Corona-Fallzahlen bemerkbar machen. Als das Robert-Koch-Institut am Donnerstag wieder deutschlandweit über 21 000 Neuinfektionen meldete, machte sich auch in Expertenkreisen Ernüchterung breit.

Dr. Lorenz Nowak, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt der Intensiv-, Schlaf- und Beatmungsabteilung in der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting, hat kein gutes Gefühl: „Ich denke, wir haben das Niveau aus dem Frühjahr wieder erreicht. Und man muss fürchten, dass die Zahlen in nächster Zeit weiter steigen“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Seine Vermutung begründet Nowak mit der veränderten Situation verglichen zum Frühling. Zum einen befindet sich das Land nur in einem Teil-Lockdown, zum anderen stehen nicht die warmen Sommermonate an. Außerdem seien Unvernunft und Unverständnis für Maßnahmen wie Maskenpflicht in der Bevölkerung gefühlt weiter verbreitet. „Ich schätze das Infektionsrisiko höher ein“, sagt Nowak, ergänzt aber zumindest leicht optimistisch: „Mittlerweile konnten wir uns auf die Behandlung spezialisieren.“

Eine große Befürchtung der Politik ist derzeit die Anzahl und Auslastung der Intensivbetten. Die Lungenfachklinik läuft aktuell noch nicht Gefahr, an ihre Kapazitätsgrenze zu stoßen. Die 20 regulären Intensivbetten sind zwar fast alle belegt, aber – Stand Donnerstagmittag – nur fünf mit Covid-19-Patienten. Nowak: „Anders als im Frühjahr, als der Katastrophenfall galt, sind wir nicht angehalten, die Betten freizuhalten.“ Sollte kurzfristig erhöhter Bedarf bestehen, könnten Nicht-Corona-Patienten, denen die Zimmer etwa als Aufwachraum nach Operationen dienen, innerhalb weniger Minuten auf normale Stationen verlegt werden.

Insgesamt befinden sich seit einigen Wochen stets zwischen 15 und 25 Covid-Erkrankte in der Klinik. „Die Anfragen sind höher als im Frühjahr“, sagt Nowak. Nur diejenigen, die eine invasive Beatmung benötigen, belegen Intensivbetten. Der Großteil ist auf einer eigens reservierten Normalstation untergebracht. Bis zu 40 Patienten können insgesamt behandelt werden.

Generell hat die Asklepios-Klinik noch Spielraum. Eine weitere Intensivstation mit acht Betten ist bereits mit Beatmungsgeräten und Monitoren ausgerüstet und könnte sofort in Betrieb genommen werden. Auch angepasste Personalpläne hat Nowak in der Schublade. Auf bis zu 36 Intensivbetten kann er relativ problemlos aufstocken, müsste dann allerdings die eine oder andere Abteilung vorübergehend schließen.

Solange das nicht nötig ist, will und muss Nowak das nicht tun. „Wir müssen auch die normale Versorgung sicherstellen.“ Die sei derzeit ohnehin reduziert, weil zunehmend Patienten Termine absagten. Sei es aus genereller Corona-Sorge oder weil ihnen der Organisationsaufwand des für eine Behandlung erforderlichen negativen Testergebnisses zu hoch sei.

Bis seine Klinik den kompletten Nicht-Corona-Betrieb herunterfahren muss, „muss viel passieren“, sagt Nowak. Aber: „Die Lage kann sich akut verschärfen, wenn eine Klinik komplett ausfällt, weil es dort zu einem Corona-Ausbruch kommt.“ Die Befürchtung kommt nicht von ungefähr: Genau das ist erst vor gut zwei Wochen in Schongau passiert.

mg

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