1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Gauting

Digitaler Unterricht selbst für die Kleinsten - aber für alles hat Gautings Musikschule keine Ersatzlösung

Erstellt:

Kommentare

Offen für pädagogisches Neuland: Die Musiklehrerinnen Ava Schoenefeld-Seiler (r.) und Lena von Liebieg melden sich per Video aus dem Saal der Musikschule in den Gautinger Kindergärten.
Offen für pädagogisches Neuland: Die Musiklehrerinnen Ava Schoenefeld-Seiler (r.) und Lena von Liebieg melden sich per Video aus dem Saal der Musikschule in den Gautinger Kindergärten. © Musikschule

Die Gautinger Musikschule erreicht nun auch Kindergärten auf digitalem Wege. Der Saal wurde technisch aufgerüstet, die Big Band nutzt ihn als Tonstudio. Ersatzangebote lassen sich aber nicht in allen Bereichen einführen.

Gauting – Einmal wöchentlich gehen Lehrkräfte der Musikschule Gauting-Stockdorf in Kindergärten im Ort. Normalerweise. In Corona-Zeiten lassen die Kita-Träger Externe vorsorglich nicht ins Haus. Die Musikschule hat darauf nun reagiert und bietet künftig auch für Kindergartenkinder ein Online-Unterrichtsformat an – „damit die Musik nun nicht auf Wochen oder Monate außen vor bleiben muss“, sagt Musikschulleiter Christian Hiesel-Schill.

Mit Ava Schoenefeld-Seiler und Lena von Liebieg hat er den Luxus, zwei Kolleginnen im Team zu haben, die bereit waren, sich auf pädagogisches Neuland einzulassen und ein Online-Angebot für drei- bis sechsjährige Kinder zu entwerfen. Beide Lehrerinnen sammelten schon in der Zeit des ersten Lockdowns Erfahrungen mit Online-Unterricht und wollen dem drohenden Musikentzug etwas entgegensetzen. „Wir wissen, dass dieses Angebot den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann, aber besser als abzuwarten, ist es auf jeden Fall“, sagt von Liebieg. Schoenefeldt-Seiler führte schon vor den Sommerferien in einigen Einrichtungen das Online-Angebot ein und bringt fast durchweg positive Erfahrungen mit: „Die Eltern sind dankbar für die Kontinuität, die Einrichtungen müssen nicht auf den Unterricht verzichten, und die meisten Kinder stellen sich problemlos auf das neue Format um“.

Die Bigband der Musikschule nutzt den Saal als Tonstudio

Um mitzumachen, brauchen die Kindergärten nur einen Laptop mit Zusatzlautsprechern, ein einigermaßen stabiles W-Lan und Erzieherinnen, die bereit sind, das Angebot auszuprobieren. Es gebe berechtigte Bedenken, etwa, ob die Kinder mit dem Bildschirm nicht überfordert seien, oder sich der organisatorische Aufwand überhaupt lohne, schreibt Schulleiter Christian Hiesel-Schill in einer Pressemitteilung. Aber kein Kind müsse teilnehmen.

Professionelle Kamera und Mikrofone: Der Saal der Musikschule wurde in den vergangenen Wochen schrittweise aufgerüstet. „Für das Kindergarten-Projekt wurde die Infrastruktur so gestaltet, dass jederzeit eine stabile Unterrichtssituation mit hervorragender Bild- und Tonqualität gewährleistet werden kann“, so Hiesel-Schill. So müssen sich die Lehrkräfte nicht mit technischen Herausforderungen beschäftigen, sondern können sich ganz auf den Unterricht konzentrieren.

Die Bigband der Musikschule nutzt die neuen Möglichkeiten des Saals als Tonstudio, nimmt dort während des Lockdowns ihre Lieblingsstücke auf. „Das kann in Kleingruppen oder sogar in Einzel-Sessions auch unter strengsten Corona-Auflagen fortgesetzt werden“, sagt der Schulleiter.

Ersatzangebote lassen sich aber nicht in allen Bereichen einführen – wegen der verschärften Regeln seit Anfang des Monats. Der gerade erst gestartete Musical-Workshop liegt auf Eis, genau wie viele Kooperationsprojekte, etwa die Singklasse der Stockdorfer Grundschule oder das Projekt „Rock and Dance“ an der Mittelschule. Auch die beliebten Schülervorspiele und Konzerte in der Vorweihnachtszeit können dieses Jahr wohl nicht stattfinden.

Der normale Instrumentalunterricht darf – bei Einhaltung des 1,5-Meter-Abstands – weiterhin stattfinden. Wem das trotzdem zu heikel ist, der kann online unterrichtet werden. Auch Lehrkräfte könnten von sich aus das digitale Angebot vorziehen. Hiesel-Schill geht es in der kommenden Zeit nicht nur um „Kontinuität in der musikalischen Bildung“ – sondern auch um die Arbeitsplätze der 36 Musiklehrer.

Auch interessant

Kommentare