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Wohnen unter einem Dach und beiden Parteien ist geholfen: Burkhard Reineking (r.) sowie Eva und Sebastian Fuchsberger.

Gemeinsames Wohnen

Senioren-WG im Haus mit Gleisanschluss

Drei ältere Gautinger machen vor, wie’s geht: gemeinsames Wohnen unter einem Dach. Die Geschichte einer Senioren-WG.

Gauting Evi und Sebastian Fuchsberger hatten Glück. Als der Vermieter dem Ehepaar das bisherige Haus im Gautinger Badviertel wegen Eigenbedarfs gekündigt hatte, „fragte uns Architekt Burkhard Reineking: Könntet Ihr Euch vorstellen bei mir zu wohnen?“. Klar, das Ehepaar konnte: Nach dem Umbau, den Architekt Reineking selber geplant hatte, bewohnen die Fuchsbergers nun zwei Etagen im Haus am Pippinplatz. Der Hauseigen zog unters Dach.

Mit der Sonne am weißblauen Gautinger Himmel strahlen das Ehepaar Fuchsenberger und Architekt Reineking um die Wette. Die Fuchsbergers sind überglücklich: Nach dem Abriss ihres bisherigen gemieteten Heims, wo auch die beiden erwachsenen Kinder aufgewachsen sind, haben sie wieder eine wunderschöne Bleibe gefunden. Gut gelaunt posiert die Wohngemeinschaft auf der neu errichteten Außen-Wendeltreppe. Für beide Parteien ist die jetzige Lösung eine Win-win-Situation im hochpreisigen Gauting.

In seinem geräumigen zweigeschossigen Haus mit Dachstock wollte sich Burkhard Reineking verkleinern: Sein Büro in der ersten Etage hatte der 78-jährige Architekt im Vorjahr aufgegeben. Zudem war seine Frau verstorben, sagt der Witwer traurig. Bei einem Radausflug mit Sebastian Fuchsberger hatte Reineking erfahren, dass das dass Mitglied des örtlichen Seniornbeirats und seine Frau händeringend nach einer neuen Mietwohnung suchen – vorzugsweise in Gauting „In unserem Alter“, sagt der 65-jährige IT-Techniker, „ist es nicht einfach, irgendwo anders nochmals neu anzufangen.“ Die Fuchsbergers sind in Gauting bestens vernetzt: Er nicht nur als Seniorenbeirat, sondern wie seine Frau auch als begeisterter Radl-Touren-Führer und sangesfreudiger Initiator von „Sing along!“. Evi Fuchsberger war Betreuten Wohnen des BRK im Einsatz. Neuerdings betreibt sie Verkaufsstände des Bio-Backhauses Cramer auf Wochenmärkten.

Als Reineking das Ehepaar einlud, bei ihm einzuziehen, ergriffen Fuchsbergers ihre Chance. Gemeinsam suchte die Wohngemeinschaft nach einer Lösung, wie man sich das 270-m²-Haus aufteilt. Der Architekt zog in die kleinere Wohnung unters Dach: In den dreimonatigen Umbau hat der Eigentümer 60 000 Euro investiert „und Eigenleistung.“ Zum bisher offenen Treppenhaus ist jetzt eine schalldämmende Decke eingezogen. Küche und Bad sind unterm Dach neu eingebaut. Außen ließ Reineking eine überdachte Wendeltreppe anbringen. Doch die ist nicht ganz ohne: Schwere Koffer und Biertragl zieht der findige Architekt deshalb mit einem Seilzug hinauf zum Holzbalkon seiner Dachwohnung. Die Fuchsbergers bewohnen das 60-m²-Erdgeschoss mit Wintergarten und die von Licht durchflutete erste Etage – in unmittelbarer Bahnhofsnähe. „Ein Haus mit Gleisanschluss“, freut sich der passionierte Radlfahrer. Burkhard Reineking ist froh, dass sich das Paar um den gemeinsam genutzten Garten kümmert: „Den hat immer meine Frau gemacht.“

Christine Cless-Wesle

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