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Die Schadsoftware WannaCry verdeutlicht, wie aufwändig die Absicherung der PCs ist.

E-Government

Das digitale Rathaus als Festung

In den kommenden Jahren stellt die Gemeinde Gauting schrittweise ihr Angebot auf digitale Dienstleistungen um. Das kostet allerdings Riesensummen.

Gauting – Die Schadsoftware „WannaCry“, die gerade britische Krankenhäuser und Rechner der Deutschen Bahn lahmgelegt hat, gab einen Vorgeschmack. Damit die Gautinger künftig jederzeit etwa ihre Grundsteuern sicher elektronisch zahlen können, startet die Verwaltung in eine teure digitale Zukunft. Denn die Umstellung des gesamten Rathauses auf die Vorgaben des bayerischen E-Government-Gesetzes von 2015 hat ihren Preis: Für weiteres Personal in der IT werden schon im kommenden Jahr 100 000 Euro fällig, erläuterte Hauptamtsleiter Gernot Struwe im Gemeinderat.

Mit der Umsetzung des Bayerischen E-Government-Gesetzes steuert die Verwaltung in eine sichere elektronische Zukunft. Der persönliche Gang ins Rathaus zu festgelegten Öffnungszeiten wird künftig entfallen, erklärt Hauptamtsleiter Gernot Struwe. „Großes Thema bei der System-Umstellung für 516 Arbeitsplätze sind aber Sicherheit und Datenschutz“, berichtete er weiter.

Fast 400 000 Mails pro Monat

Zeitnah müssen die bayerischen Gemeindeverwaltungen die gesetzlichen Vorgaben umsetzen: In den nächsten Jahren seien das große finanzielle Herausforderungen für die Kommunen im Freistaat, so Gautings IT-Beauftragter Ralf Kimmelmann. 258 000 Dokumente, rund 300 000 Belege der Finanzverwaltung pro Jahr und 28 000 Bilder seien ins neue Sicherheits-System aufzunehmen. Hinzu kommt die elektronische Post: Allein in den vergangenen 34 Tagen gingen im Rathaus fast 400 000 E-Mails ein. Das meiste davon war wie überall Spam, erläutert Kimmelmann. Aber der muss wirkungsvoll herausgefiltert werden, weil gerade diese Mails oftmals mit Viren verseucht sind.

„Toi. Toi. Toi: Noch haben wir keinen ,WannaCry‘-Virus“, berichtete der IT-Experte. Für die Umstellung gibt es Fristen: „Bis zum Jahr 2020 muss der Bürger gesichert mit der Gemeinde kommunizieren können“, erläuterte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger.

Um die neue elektronische Organisationsstruktur konsequent anzupassen, benötige Gauting zwei zusätzliche Planstellen im Technik-, IT-Bereich sowie im Hauptamt, erklärte Struwe die finanzielle Herausforderung. Parallel dazu laufe aber weiterhin alles auf Papier.

Eine halbe Million Euro Kosten in den nächsten Jahren

Die Gemeinde sei zum Beispiel dazu verpflichtet, jeden Bürgerbrief-Wechsel 30 Jahre lang zu archivieren. Bei der Umstellung hat Gauting im Würmtal die Nase vorn – mit der Nachbarkommune Planegg. Gemeinsam werde man Synergien nutzen und die sichere IT-Infrastruktur umsetzen, so Kimmelmann. Denn der Gautinger, der seine Geschäftsreise antreten möchte, habe kein Verständnis, wenn ihm die Dame im örtlichen Einwohnermeldeamt erzähle: „Heute gibt’s keinen Pass. Wir hatten einen Virus.“

„Das ist eine Mammutaufgabe“ erläuterte Hauptamtsleiter Gernot Struwe die Umstellung sämtlicher Akten auf E-Government. Die Kreisbehörde habe bereits eine unbefristete IT-Stelle ausgeschrieben. Zwingend müsse auch die örtliche IT-Abteilung personell aufgerüstet werden. Fast eine halbe Million wird die digitale Zukunft in den kommenden Jahren verschlingen, schätzt der Gautinger IT-Beauftragte Kimmelmann. Denn jede Baugenehmigung und jede Rechnung muss ab 2020 per Mausklick „sicher“ und verschlüsselt beim Bürger ankommen.

Von Christine Cless-Wesle

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