Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

Kleidung abgezweigt

Gauting - Ehemalige Chefin von Gautinger Sozialkaufhaus hat Kleider genommen, um sie woanders zu verkaufen. Die Richterin hatte für so etwas überhaupt kein Verständnis.

Für Amtsrichterin Christine Conrad gab es nach Anhörung mehrerer Zeugen keine vernünftigen Zweifel mehr daran, dass die 56 Jahre alte Angeklagte den ihr zur Last gelegten Diebstahl wirklich begangen hat: Die frühere Leiterin des Sozialkaufhauses „Klawotte“ der Gautinger Arbeiterwohlfahrt soll laut Anklage etliche gespendete Kleidungsstücke im Gesamtwert von 400 Euro heimlich abgezweigt haben, um sie in einer von ihr selbst eröffneten ähnlichen Sozial-Einrichtung in Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck) zu verkaufen.

Im Juni 2016 wurde in der Klawotte ein „nicht unerheblicher“ Schwund an Spenden-Kleidung festgestellt, wie die Nachfolgerin der Angeklagten als Leiterin im Prozess aussagte. Die damals ehrenamtlich arbeitende 56-Jährige verfügte über einen Schlüssel zu dem Sozialkaufhaus, hatte sogar einen Nachschlüssel, mit dessen Hilfe sie außerhalb der Öffnungszeiten Zutritt zur Klawotte hatte. Als der Verdacht auf sie fiel, entdeckte die Polizei bei einer Durchsuchung in Puchheim einige der besagten Stücke. „Da war zum Beispiel Kleidung, die ich selber gespendet hatte, und auch ein auffälliges Stück aus grober Wildseide dabei“, berichtete die Zeugin. „So etwas kriegt man heute nirgendwo mehr.“

Eine Ex-Kollegin der Angeklagten erzählte, dass bei der 56-Jährigen schon früher „Unregelmäßigkeiten in der Kassenabrechnung“ aufgefallen seien: „Da waren sehr viele Stornos auf dem Kassenstreifen.“ Der Starnbergerin sei nach mehreren Gesprächen schließlich gekündigt worden, die AWO-Führung erstattete später Strafanzeige wegen Diebstahls.

In der Regel verkaufen Sozialkaufhäuser gespendete Kleidung für etwa drei bis maximal zehn Euro – an Berechtigte mit Sozialschein nochmals um 50 Prozent ermäßigt –, wobei die Einnahmen wiederum gespendet werden sollen. Die Puchheimer Einrichtung trage sich noch nicht selber, „weil der Verein nach dem Umbau der Räume noch im Minus ist“, sagte die bislang völlig unbescholtene Angeklagte, die laut eigenen Angaben derzeit selbst auf Hartz IV angewiesen ist. Sie wurde zu 90 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

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