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Nach illegaler Party neben der Lungenklinik: Eine Katastrophe für den Katastrophenschutz

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Von: Tobias Gmach

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Jede Menge aufgerissene Kartons fanden Andreas Pain, Peter Bauch und Bernhard Spazierer (v.l.) in dem leer stehenden Gebäude vor. Die drei Männer arbeiten für den Katastrophenschutz des Landkreises, der dort Utensilien für ein Corona-Hilfskrankenhaus lagert. Pain prüft nun, was geplündert und beschädigt wurde.
Jede Menge aufgerissene Kartons fanden Andreas Pain, Peter Bauch und Bernhard Spazierer (v.l.) in dem leer stehenden Gebäude vor. Die drei Männer arbeiten für den Katastrophenschutz des Landkreises, der dort Utensilien für ein Corona-Hilfskrankenhaus lagert. Pain prüft nun, was geplündert und beschädigt wurde. © Andrea Jaksch

Nach der illegalen Party auf dem Gautinger Klinikgelände ist klar: Die in dem Gebäude gelagerte Ausstattung für ein Corona-Hilfskrankenhaus ist teilweise nicht mehr brauchbar. Ein Rundgang.

Gauting – „Benutzung nur für Krankentransporte“: Der Schriftzug am Aufzug gleich am Eingang verrät, dass hier einst Klinikmitarbeiter Betten hin- und hergeschoben haben. Doch das ist mehr als 20 Jahre her. Seitdem sind die Gänge des viergeteilten Gebäudetrakts an der Gautinger Asklepios-Klinik dunkel und verlassen. Am Mittwochvormittag allerdings nicht: Eine kleine Gruppe streift durch die leer stehenden Räumlichkeiten, unter anderem der Betriebschef des Krankenhauses nebenan. Ein paar Meter neben dem alten Aufzug bittet er die anderen: „Hier nicht weitergehen. Das ist kein Wasser.“

Die Urinflecken am Boden sind nur ein Teil der Spuren, die die illegale Partymeute in der Nacht auf Sonntag hinterlassen hat. Ausgerechnet in Corona-Zeiten, ausgerechnet auf dem Gelände einer Lungenfachklinik. Die Polizei hatte die auf Instagram beworbene Feier mit 200-köpfiger Gästeliste aufgelöst und 15 junge Leute angezeigt. Sie und die Veranstalter müssen sich wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen die Corona-Regeln verantworten.

Im Schwimmbad im Keller sind großflächige Schmierereien zu sehen.
Im Schwimmbad im Keller sind großflächige Schmierereien zu sehen. © Tobias Gmach

Während die Polizei ermittelt, machen sich Klinikleitung und der Katastrophenschutz des Landkreises ein Bild vom Zustand des Hauses. Kreisbrandmeister Andreas Pain arbeitet ehrenamtlich im Auftrag des Katastrophenschutzes. Verständnislos steht er zwischen den vielen aufgerissenen Kartons und sagt danach: „Da werde ich sicher eine Woche brauchen.“ Er müsse mit Helfern alle beschädigten Kisten ausleeren, zählen, was noch da ist, und das dann mit der Bestandsliste vergleichen. Auf den dunklen Gängen stehen dutzende blaue Wagen mit Utensilien für ein Hilfskrankenhaus mit 250 Patienten: Matratzen, Kopfkissen, Pflegemittel, Arztkittel, Putzlappen, Handtücher und Wischmopps. All das hatte die Regierung dem Landkreis im Frühjahr für den Notfall eines großen Corona-Ausbruchs zur Verfügung gestellt.

„Jetzt ist die Ausstattung nicht mehr komplett“, stellt Pain fest. Auf den ersten Blick ist der Großteil noch da. Doch viele Verpackungen sind aufgerissen. Einige Matratzen haben die Feierwütigen quer durch den Gebäudetrakt in andere Räume geschleift. Mit den Bettlaken haben sie die Fenster abgehängt, damit das Partylicht von außen nicht zu sehen ist. „Sie haben das gut vorbereitet“, sagt Klinikmanager Björn Schraad. Er meint auch die Graffitis an Außenwänden und Fenstern, die den Besuchern den Weg wiesen und die Kerzen, die die Treppenaufgänge erleuchteten. Darüber hinaus müssen die Party-Organisatoren für die Musikanlage einen Stromgenerator mitgebracht haben. „Sie hatten laut Instagramseite sogar ein Hygienekonzept und Frühbucherrabatt“, erzählt Schraad und sorgt kurz für Schmunzeln in der Runde. Insgesamt herrscht aber Verärgerung, Klinik- und Kreisvertreter sind sich einig: Die Aktion sei an Dreistigkeit schwer zu überbieten. Kreisbrandrat Peter Bauch stellt auf dem Weg ins Obergeschoss verwundert fest: „Man muss ja wissen, dass das leer steht und diese Infrastruktur aufbauen.“

Überreste der Halloween-Party zeugen im Obergeschoss von der illegalen Feier.
Überreste der Halloween-Party zeugen im Obergeschoss von der illegalen Feier. © Andrea Jaksch

Oben angekommen, schaut sich Klinik-Geschäftsführer Jörgen Wißler bunte Lichterketten an („Die leuchten ja immer noch“) und holt eine blaue LED-Birne von der Decke („Was es alles gibt“). Ein paar Räume später kündigt er an: „Wenn die Polizei das Gebäude freigegeben hat, werden wir eine Reinigungsfirma beauftragen und deren Arbeit den Verantwortlichen in Rechnung stellen.“

Der Rundgang durch das verlassene Haus, das mit seinem Umfeld immer wieder als Drehort fungierte („München Mord“, „Colognia Dignidad“ mit Emma Watson), offenbart weit mehr als Halloween-Sticker, Verkleidungsreste, Chipstüten, Bierflaschen und Discokugeln. Zum Beispiel das alte Klinik-Schwimmbad im Keller mit einem länglichen Edelstahlbecken. „Möge Gott mit uns sein 2020“, steht an der Wand. „Wir wissen nicht, ob das von der Halloween-Party oder schon länger da ist“, sagt Klinikmanager Schraad zu der Schmiererei. Beim Wort „Apokalypse“ an einer anderen Wand haben sich die Sprayer mit der Rechtschreibung schwergetan.

Um in das Haus zu kommen, mussten die jungen Leute Türen und Fenster kaputt machen. Unbemerkt auf das weitläufige und abgelegene Areal zu gelangen, war dagegen recht einfach. Die Klinik denkt nun darüber nach, den Gebäudetrakt nachts von einem Wachdienst schützen zu lassen. Schließlich sollen an dieser Stelle eines Tages Wohnungen für Klinikmitarbeiter entstehen. Ob die Häuser saniert oder für einen Neubau abgerissen werden, sei noch nicht geklärt, sagt Wißler.

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