Am Neujahrstag belud Amelie Helene von Mosch den Kleintransporter mit den Hilfsgütern. Foto: Christine Cless-Wesle
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Am Neujahrstag belud Amelie Helene von Mosch den Kleintransporter mit den Hilfsgütern.

Nach Naturkatastrophe in Kroatien

Erdbebenhilfe aus Gauting

Amelie Helene von Mosch hat von Gautinger Bürgern gespendete Hilfsgüter für Erdbebenopfer von Petrinja nach Kroatien gebracht. Gestern kehrte sie wieder zurück.

Gauting – „Hier sind wahnsinnig viele Spenden angekommen“, sagt Amelie Helene von Mosch über die rasche Hilfe der Gautinger Bürger nach ihrem Aufruf auf Facebook. Am Neujahrstag belud die 28-Jährige vor ihrem Elternhaus in Gauting am frühen Abend einen Kleintransporter mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, warmen Decken und Kleidung für die Erdbebenopfer im kroatischen Petrinja. Ihr Freund Robert Lozancic (30) hatte an Weihnachten seine Familie besucht – und wurde in Kroatien vom Erdbeben überrascht.

„Mein Freund ist noch in Petrinja“, erzählt Amelie von Mosch dem Starnberger Merkur und lädt nebenher weitere Kisten in den Sprinter. „Zwei Tage lang hatten wir Funkstille.“ Nach dem schweren Erdbeben am ersten und zweiten Weihnachtstag sei auch das Stromnetz zusammengebrochen, erzählt die Gautingerin. Die Lage im Epizentrum unweit von Zagreb sei laut Erzählungen ihres Freundes schwierig. Die Häuser hätten Risse in den Fundamenten und Wänden, seien daher teils nicht mehr bewohnbar. Weil die Beben nicht aufhörten, „gehen die Leute nicht mehr in ihre Häuser“, sondern schliefen in Autos oder in Holzschuppen.

„Gerade gab es wieder telefonischen Kontakt zu meinem Freund“, sagt die junge Pferde- und Hundephysiotherapeutin am Abend des Neujahrstags. In Petrinja gäbe es bereits erste Plünderungen. „Auf der Straße halten die dich im Auto einfach an.“ Robert Lozancic, der in Gilching in der Gastronomie arbeitet, habe berichtet, dass eine Kroatin, die vor Ort Hilfsgüter einer Hilfsorganisation verteilt, „völlig unfair“ sei. Die Frau packe gute Sachen einfach weg, um die Spenden an Bekannte weiterzugeben. Auch deshalb bleibe ihr Freund jetzt erst einmal bei seinen Eltern.

Robert Lozancic, dessen Ex-Frau mit dem sechsjährigen gemeinsamen Sohn in Zagreb lebt, kümmere sich persönlich ums gerechte Verteilen der Hilfsgüter aus Gauting und Herrsching – „und er hilft beim Wiederaufbau“, sagt Amelie Helene von Mosch. In Petrinja würden die Menschen von der Feuerwehr unterstützt – mit Lebensmitteln und Baumaterial.

Bei der Spontan-Aktion ist auch eine Herrschingerin mit im Boot: „Britta Kolmhuber war früher unsere Nachbarin in Gauting“, erzählt von Mosch. Deshalb unterstütze sie ihre ehemalige Pflegemutter bei der Erdbebenhilfe für Petrinja, berichtet die 28-Jährige mit erleichtertem Lächeln. „Ohne Britta Kolmhuber wäre die Aktion nämlich nicht zustande gekommen.“ Die ehemalige Gautingerin kümmerte sich nämlich um die Organisation – und sammelte die Hilfsgüter in Herrsching.

Thomas Hilbenz, ein Spengler aus Gauting, habe ihr wiederum nach einem Aufruf auf Facebook seinen Sprinter mit Anhänger zur Verfügung gestellt, erzählt Amelie von Mosch. Auch ihre Tante von der Bioland-Gärtnerei der Herrmannsdorfer Landwerkstätten habe sie unterstützt. Und sehr viele Gautinger hätten Spenden gebracht. „Morgen früh um 6 Uhr fahren wir im Konvoj mit drei Autos los“, sagte die Gautingerin am Neujahrstag. Gestern Nachmittag war Amelie von Mosch mit Britta Kolmhuber bereits auf der Rückfahrt in Österreich – im leeren Sprinter.

Christine Cless-Wesle

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