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Idylle an der Würm: Irene Lang-Reeves erklärt den Teilnehmern der Führung das Prinzip ihres Gartens, die „Gegenseitigkeit mit dem Lebendigen“.

Erdfest in Gauting

Von Natur aus schön

Wie ein Garten im Jahreskreislauf seine volle Schönheit entfalten kann, zeigt Irene Lang-Reeves in ihrem grünen Reich an der Würm. Zum Erdfest öffnete sie ihre Gartentür für Besucher. 

Gauting – Zum „Erdfest“ in der Idylle eines privaten Würmgartens am Gautinger Römersteg drängten sich am Sonntagnachmittag Kinder, Eltern und Großmütter. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, naturnahes Gärtnern im Jahreskreislauf zu vermitteln“, erklärte Diplom-Biologin und Heilpraktikerin Irene Lang-Reeves, die das kleine Paradies gemeinsam mit der Familie Nagelmüller bewirtschaftet. Purpurrot blühende Kletterrosen winden sich neben dem Spalier mit dem Apfelbaum an der weiß getünchten Fassade empor. Ein Schild „Erdfest“ weist den Weg – es ist das zweite.

„Vor 30 Jahren, als wir das abbruchreife Haus als Eigentümergemeinschaft gekauft haben, wollte es niemand haben“, erzählt Gastgeberin Irene Lang-Reeves. Denn im Zehn-Meter-Uferbereich des Würm-Schwemmlands darf nicht gebaut werden – und auf der anderen Seite des Römerstegs liegt das große, laute katholische Kinderhaus. Aus der Not machten die beiden Familien damals eine Tugend. „In Eigenleistung haben wir die alte Bruchbude renoviert“, erzählt Irene Lang-Reeves. Den großen Garten haben sie nach und nach zum kleinen Naturparadies mit Gemüse, Obst, blühenden Blumen, Baumsitzgruppe, Teich, aber auch Totholz-Hecke und Komposthaufen umgewandelt.

„Dem Lebendigen Lebendigkeit zurückschenken – bewusst sein. Eine Antwort geben auf den Zustand der Welt“ – das ist das Anliegen des von mehreren Partnern und vom Bundesministerium für Umwelt geförderten „Erdfests“ der Nachhaltigkeitsforscherin Hildegard Kurt sowie des Biologen und Philosophen Andreas Weber. Deshalb hat sich die Gautingerin an der Initiative schon zum zweiten Mal beteiligt.

Unter den vielen Gästen, die hausgemachte Kuchen und Speisen mitbrachten, war auch die Gautinger Umweltbeauftragte Magdalena Bahr. Denn Naturheilkundlerin Lang-Reeves kümmert sich neuerdings als „Grün-Patin“ auch um das gemeindliche verwilderte Nachbargrundstück neben dem Freibad-Parkplatz, der eigentlich vergrößert werden sollte (wir berichteten).

Weiße Glockenblumen, duftender Thymian und Königskerzen gedeihen gerade in den Ritzen der Terrassen-Platten. Richtung Würm gibt es zwei Kompost-Haufen und einen gemulchten Gemüsegarten. „Was machst Du mit Schnecken?“, will eine Frau wissen. Weil die bitter schmeckende spanische Wegschnecke keine natürlichen Feinde habe, werfe sie sie in die Würm, erklärt die Biologin.

„Das ist mein Thema“, sagt die leidenschaftliche Natur-Gärtnerin, als sie ihre Totholz-Hecke erläutert, wo sich Strauchschnitt und sogar alte Weidenkörbe türmen. In dieser „Quelle des Lebens“ fänden gefährdete Rotkehlchen und Zaunkönige Insektenlarven, von denen sie sich im Winter ernähren können. Statt den Kreislauf zu unterbrechen, sollten alle Gartler abgestorbene Weiden einfach stehen lassen, rät sie. Hohlräume seien ein willkommener Nistplatz. Und weil sich im violett blühenden Wiesenschaumkraut Insekten tummeln, mähe sie nur im Slalom, um Blumeninseln stehen zu lassen. Ihr Garten ist deshalb keine wuchernde Wildnis. Ende Juni, „wenn das wahnsinnige Wachstum nachlässt, entscheide ich, was raus muss“, erklärt Lang-Reeves. Dieses System spare Fahrten zum Wertstoffhof und lasse der Natur freie Lauf, so lange wie möglich.

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