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Pfarrerin Andrea Borger wurde von Dekan Dr. Markus Ambrosy am Samstag in ihr Amt eingeführt.

Evangelische Kirchengemeinde

Versuch’s mal mit Barmherzigkeit

Andrea Borger, neue Zweite Pfarrerin der Gautinger Christuskirche, ist am Wochenende offiziell in ihr Amt eingeführt worden.

Gauting – „Leben ist Bewegung: Das trifft auf mich besonders zu“, schreibt die neue Zweite Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gauting, Andrea Borger, im aktuellen Gemeindebrief. Beim Festgottesdienst zur Amtseinführung bereiteten ihr Kirchenvorstände, Pfarrer Klaus Steuer, Dekan Dr. Markus Ambrosy und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde ein herzliches Willkommen. Trotz Ferienauftakts war die mit Blumen geschmückte Christuskirche am Samstagnachmittag überfüllt.

„Nach zwölfeinhalb Jahren an der Himmelfahrtskirche Sendling darf ich mich in eine äußere Bewegung Richtung Gauting versetzen“, so Andrea Borger. Das sei auch innerlich bewegend, erklärte die in einem evangelischen Pfarrhaus mit sechs Geschwistern und viel Musik in Landshut aufgewachsene Theologin. Schon seit 1. Juli ist die 58-Jährige in Gauting tätig. Ihre Vollzeit-Pfarrstelle hat die alleinerziehende Mutter eingetauscht – gegen eine halbe, verlas Dekan Ambrosy die Ernennungsurkunde. Denn die für Familien, Kinder, Jugend und Konfirmanden zuständige Pfarrerin arbeitet auch als ausgebildete Supervisorin.

Borger zitierte Verse aus der Bergpredigt

„Bis du bereit, dein neues Amt so zu führen, wie du es bei der Ordination versprochen hast?“, fragte der Dekan seine Gautinger Kollegin bei der feierlichen Einführungszeremonie. „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Andrea Borger antwortet von der Kanzel mit der Bergpredigt. Zwar habe Altkanzler Helmut Schmidt einst erklärt, mit der Bergpredigt sei „keine Politik zu machen“, sagte die Theologin im schwarzen Talar. Doch sie sei da anderer Meinung. Es sei zwar nicht leicht, mit den Seligpreisungen der Bergpredigt zu leben – doch: „Es stärkt unser Rückgrat.“ Deshalb gebe es an der Gautinger Christuskirche den neuen Arbeitskreis Umwelt, der Tiere und Pflanzen mit Barmherzigkeit schützt. 

Und wenn Körper oder Seele eines Menschen, der zu sehr auf Leistung setze, einmal streikten, gehe es weiter. Denn in der Krise „lerne ich, langsam tastend zu trauen, indem ich mich selbst nicht so wichtig nehme“. Plötzlich „sehe ich Vögel im Himmel, Lilien auf dem Felde“, zitierte Borger Verse aus der Bergpredigt. Auch in der Politik wären mehr gemeinsame Ratlosigkeit oder neuer Mut aus Demut mitunter sinnvoller als ein „immer weiter so“, plädierte die Pfarrerin für ein „seelisch moralisch intaktes Tun“ im Sinne der Barmherzigkeit. Beim Stehempfang vor dem Walter-Hildmann-Haus wurde nach dem Gottesdienst noch lange gefeiert.

Von Christine Cless-Wesle

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