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Die Kooperation von Forstverwaltung und Waldbesitzern ist besiegelt: Die Unterzeichnung der Vereinbarung durch Forstdirektor Markus Hildebrandt und Martin Fink (vorne v.l.), Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, verfolgen (v.l.) Karl Müller, Christian Schuller, Markus Noack, Martin Springer, Marcel Waffler, Christian Gick, Anton Bernhard und Luitpold Schneider. 

Forstverwaltung und Waldbesitzer

Wald für den Klimawandel stark machen

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Seit Jahren ziehen Forstverwaltung und Waldbesitzervereinigung Starnberg bei der Pflege des Waldes und seinem Umbau sowie der Unterstützung der Klein- und Kleinstwaldbesitzer an einem Strang. Diese Zusammenarbeit dokumentiert und festigt jetzt eine schriftliche Vereinbarung.

Hausen– Die bei den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ansässigen Forstverwaltungen haben die Aufgabe, den Wald vor Schaden zu bewahren und seine sachgemäße Bewirtschaftung sicherzustellen. Dazu gehört auch die Beratung privater Waldbesitzer. In diesem Punkt arbeitet die Forstverwaltung seit vielen Jahren im Landkreis Starnberg eng mit der Selbsthilfeeinrichtung Waldbesitzervereinigung (WBV) zusammen.

Weil die Waldbesitzer durch Schadensereignisse wie die Orkane Vivian und Wiebke, Schädlingsbefall und den Klimawandel vor besonderen Herausforderungen stehen, haben Forst und WBV beschlossen, ihre Zusammenarbeit in einer Vereinbarung schriftlich zu dokumentieren mit dem Ziel, die Anstrengungen nicht nur zu festigen, sondern zum Wohle des Waldes für die Allgemeinheit zu verstärken und Synergieeffekte zu nutzen. WBV-VorsitzenderMartin Fink und Forstdirektor Markus Hildebrandt, Leiter des Bereichs Forsten im AELF Weilheim, haben die Kooperationsvereinbarung jetzt in der Außenstelle des Amtes im Gautinger Ortsteil Hausen unterzeichnet. Die Vereinbarung geht auf den so genannten Waldpakt zurück, den Staatsregierung und Waldbesitzer im Sommer 2018 geschlossen haben.

3500 Waldbesitzer

Im Landkreis Starnberg gibt es nach Auskunft von Forstdirektor Hildebrandt 3500 Waldbesitzer, darunter 2000 Kleinstwaldbesitzer. Die durchschnittliche Größe eines Privatwaldes liegt bei 3,3 Hektar. Die Waldbauern sollen Nutzen daraus ziehen, dass sich die Vertreter der Kooperationspartner regelmäßig treffen zur Kontrolle der Umsetzung angepeilter Ziele, um gegebenenfalls nachzusteuern.

Forstverwaltung und WBV haben sich für die kommenden Jahre vorgenommen, den Umbau des Waldes fortzusetzen, um ihn für den Klimawandel tolerant zu machen. Weitere Ziele sind die Borkenkäferbekämpfung, die Schaffung waldverträglicher Wildbestände, Ausbildung und Naturschutz.

Standortkartierung

Martin Fink liegt zudem die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen. „Es ist ein Problem, den Wald als Thema medial rüberzubringen“, hat er erfahren. Vielen Bürgern sei die Bedeutung des Waldes nicht bewusst, oftmals sei deren Wissen von Fehlinformationen geprägt. So seien seit den Schadensereignissen in den 1980er Jahren (unter anderem wegen sauren Regens) und den Orkanen Vivian und Wiebe große gemeinsame Anstrengungen von Forst und WBV unternommen worden zum Umbau des Waldes. Eine Standortkartierung aus jener Zeit zeige auf, wo welche Baumarten am besten wachsen. WBV-Geschäftsführer Anton Bernhard ergänzte: „In den vergangenen mehr als 30 Jahren sind im Landkreis Starnberg 4,2 Millionen Forstpflanzen gesetzt worden, 46 Prozent waren Laubhölzer.“ Und Luitpold Schneider von der Forstverwaltung fügte an: „Jedes Jahr werden in Bayern für 10 Millionen Euro neue Bäume gepflanzt.“

„Vielfalt schafft Biodiversität“

„Wenn wir alles richtig machen“, prophezeite Martin Fink, „werden wir auch in 50 bis 100 Jahren noch Wald haben.“ Um das zu erreichen, müsse die genetische Vielfalt im Wald genutzt und gefördert werden. Dazu würden auch die Waldbesitzer mit ihren individuellen Bewirtschaftungsmethoden beitragen. Fink: „Denn die Vielfalt der Waldbesitzer schafft Biodiversität.“ Weitere Zielsetzungen: Kahlflächen im Wald vermeiden und Jungwald fördern. Erwiesen sei mittlerweile, dass bei jeder Baumart Exemplare vorhanden seien, die genbedingt Wärme aushalten können. „Auf diese klimatoleranten Arten müssen wir die Waldbesitzer aufmerksam machen“, sagte Fink, „denn nur ein bewirtschafteter Wald schafft Klimatoleranz.“

Die Naturverjüngung gelinge, wenn der Wildbestand so angepasst werde, dass der Wald vor Verbiss geschützt sei und überleben könne, appellierten Fink und Hildebrandt an die Jäger, ihren Beitrag zum Erhalt des Waldes zu leisten. Vor allem in den privaten Jagdgenossenschaften müsse das Waldverständnis gestärkt werden.

Personell unterbesetzt

Der Wille, die gemeinsamen Anstrengungen auf Grundlage der Kooperationsvereinbarung zu forcieren, stoße an einem Punkt an seine Grenzen – beim Personal. „Um die Fördermittel an die richtigen Stellen zu bringen, fehlt mir die Zeit“, beklagt Revierleiter Markus Noack. Ein Mittel, diesen Missstand zu lindern, wären Verwaltungsvereinfachungen, sprich Abbau von Bürokratie, was auch zur Beschleunigung von Pflanzgenehmigungen führen sollte.

„Es gibt viel zu tun“, meinte Fink und fügte selbstsicher an: „Wir packen es an.“

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