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95 Jahre Katholischer Frauenbund feierten Hedwig Riegl, Janette Haugg, Rosa Reindl, Pfarrer Otto Gäng, Elmar Basalyk, Johanna Krepold, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger und Irene Ott (v.l.). 

95. Jahre Frauenbund Gauting

Kümmerer um Leib und Seele

„Hebe Deine Augen auf“ – die Arie aus Händels „Elias“ sang Dr. Christine Krepold-Zimmer beim Festgottesdienst „95 Jahre Katholischer Frauenbund Gauting“ in der Pfarrkirche St. Benedikt eigentlich für ihre Mutter. Denn Johanna Krepold (78) ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorsitzende des Vereins mit momentan 157 Mitgliedern.

Gauting – „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“, sagte Johanna Krepold bei der Festveranstaltung. Obwohl der 100. Geburtstag des Gautinger Zweigvereins des Katholischen Frauenbundes erst noch ansteht, hatten sich mehr als 40 Frauen und fünf „versprengte“ Männer an den gedeckten Tischen im Pfarrheim St. Benedikt versammelt. „Wir werden hier aufgenommen und aufgefangen“, sagte Beatrice Reindl. Die seit eineinhalb Jahren verwitwete 76-Jährige erfreut sich am gesellschaftlichen Miteinander. „Und wir leisten einen Beitrag zur Gleichstellung von Frau und Mann“, betonte Johanna Krepold in ihrer Ansprache.

Das war bei der Gautinger Vereinsgründung 1922 auch noch bitter nötig. Damals war es ein Novum, dass Frauen ihren eigenen Verein gründeten. Große Not prägte damals das Dorf Gauting mit etwa 3000 Einwohnern, heißt es in der gedruckten Chronik zum 80. Frauenbund-Jubiläum. Im Hinterzimmer des Gasthauses zur Post an der Münchener Straße – inzwischen leer stehend – hatte sich der Gautinger Zweigverein mit Maria Ott an der Spitze gegründet. 170 Gautingerinnen schlossen sich gleich an. Ein Ei, zehn Pfennig oder eine Briefmarke kostete der Jahresbeitrag. Existenzielle Unterstützung der Gautinger Familien mit Lebensmitteln, Kleidung oder Geld lautete vor bald einem Jahrhundert der Auftrag.

Die Zeiten ändern sich. „Um Leib und Seele“ kümmerten sich die Mitglieder des katholischen Frauenbundes heute, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Traditionen wie das Kräuterbuschen-Binden zu Mariä Himmelfahrt, die Fronleichnamsprozession oder Beiträge zu Kuchenbuffets im Pfarrheim wären ohne die Hilfe durch die Mitglieder des Frauenbundes nicht denkbar. Auch religiöse Gespräche und Bildungsveranstaltungen im Kloster Banz rege der katholische Frauenbund an. „Ich hoffe auf weitere fünf Jahre“ bis zum 100. Geburtstag, sagte die Bürgermeisterin an die Vorsitzende und deren Führungsteam gerichtet: „Sie sind wichtig für unsere Kirchen- und politische Gemeinde.“

„Meine früh verwitwete Oma wurde in ihrer Trauer vom katholischen Frauenbund getragen“, erklärte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Jeanette Haugg (50). Sie bemühe sich, für den Gautinger Zweigverein jüngere Frauen zu gewinnen. Großmutter Johanna Krepold nahm ihr Lob „Vorbild für unsere Jugend“ freudestrahlend entgegen.

Im lindgrünen Festtags-Dirndl stand die 78-Jährige auf der Bühne, so frisch wie in ihren Anfängen als Vorsitzende des Gautinger Zweigvereins des Frauenbundes. Kein Wunder, dass Pfarrer Otto Gäng scherzte: Eigentlich sollte Johanna Krepold nach 22 Jahren endlich geweiht werden – und zwar auf Lebenszeit.

Christine Cless-Wesle

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