Der Gautinger Waldfriedhof ist ein schöner Friedhof – darüber herrschte im Gemeinderat Einigkeit. Nun änderte das Gremium die Gebührensatzung, erhöhte die Gebühren aber insgesamt nur moderat.
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Der Gautinger Waldfriedhof ist ein schöner Friedhof – darüber herrschte im Gemeinderat Einigkeit. Nun änderte das Gremium die Gebührensatzung, erhöhte die Gebühren aber insgesamt nur moderat.

Moderate Erhöhung

Friedhofsgebühren steigen leicht: Gemeinde erlässt neue Satzung

Die Friedhofsgebühren in Gauting steigen. Allerdings nur in moderatem Umfang – damit die Gemeinde ihre Gottesäcker weiter kostendeckend betreiben kann.

Gauting – Ingrid Hannemann war in der Gautinger Ratssitzung am Dienstagabend voll des Lobes. „Eine lebendige Einrichtung“ sei der über 100jährige Waldfriedhof, die letzte Ruhestätte werde rege genutzt, sagte die Juristin von der Kommunenberatungsfirma Kubus. Doch die Kommune sei dazu verpflichtet, ihre Einrichtung zu 100 Prozent kostendeckend zu betreiben. Deshalb werden die Grab- und Nutzungsgebühren etwa für die Aussegnungshalle ab dem neuen Jahr etwas steigen – im Durchschnitt um 1,5 Prozent pro Jahr Der Beschluss für die neue Satzung fiel einstimmig.

Die neue Satzung sei entsprechend dem aktuellen Kommunalen Abgabengesetz erarbeitet worden, sagte die Beraterin im Gemeinderat. Für Einzelgräber bezahlen Hinterbliebene künftig sogar weniger: 503 statt wie bisher 525 Euro für zehn Jahre. „Bei Gemeinschaftsgräbern waren die Kosten bisher zu niedrig angesetzt“, sagte Hannemann. Doppelgräber kosteten bisher 1050 Euro für zehn Jahre, künftig werden 1118 Euro fällig. Und bei den Urnennischengräbern fehlte der Zuschlag für die bauliche Anlage – entsprechend steigt diese Gebühr von 525 auf 800 Euro für zehn Jahre.

Wenig genutzte Baumgräber mussten in die Satzung neu aufgenommen werden, ebenso der Aufwand des Gemeinde-Bauhofs. Nun werden für Erdbestattungen mit Grabaushebung und vier Sargträgern laut Sitzungsvorlage zum Beispiel künftig 800 Euro fällig. Die Leichenhausgebühr ist mit 140 Euro für den ersten Tag kalkuliert, rechnete Beraterin Hannemann vor. Bisher wurde die Nutzung des Leichenhauses pro Trauerfall mit 150 Euro abgegolten. Für die Trauerfeier in der Aussegnungshalle werden künftig 151 Euro Gebühren fällig.

„Die Kalkulation für die bisher nicht ganz kostendeckenden Gebühren hat mir viel Spaß gemacht“, bekannte die Beraterin. Denn allein das Gautinger Friedhofsgrundstück am Fuß von Forst Kasten sei zehn Millionen Euro wert. Einstimmig beschloss der Rat die neue Gebührensatzung, die zum 1. Januar in Kraft treten wird.

Neu aufgenommen in die Gebührensatzung wurden Baumgräber, die neue Stele und Urnennischen, wie der für das Bestattungswesen zuständige Abteilungsleiter im Rathaus, Dominik Rathner, sagte. „Dass eine anonyme Urnenbestattung ohne Angehörige oder sonstige Trauergäste stattfindet, muss klar formuliert werden.“

Bei der Höhe der Grabmäler wird künftig zwischen historischem und neuem Teil genauer unterschieden. „Haben alte Grabmale denn Bestandsschutz?“ wollte Markus Deschler (FDP) wissen. Ja, antwortete Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Aber der Gemeinde sei sehr daran gelegen, „dass der schöne Teil des 1912 angelegten Waldfriedhofs mit Ehren-, Familien- und Künstlergräbern in seiner Charakteristik erhalten bleibt.“

Tobias Mc Fadden (Piratenpartei/Menschen für Gauting) wunderte sich, dass dort nur ein Grabsteinsockel von maximal 25 Zentimetern zulässig sein soll. Ergänzend gab Victoria Beyzer (FDP) eine Bitte weiter. Ein Bürger habe den Grabmalsockel von 26 Zentimeter Höhe nach schriftlicher Aufforderung umgestalten müssen. „Die Friedhofsverwaltung soll doch nicht mit dem Lineal durchgehen“, sagt Beyzer und wünschte sich „mehr Augenmaß“. Schließlich sei der Tod eines Angehörigen auch ein Verlust. „Wir wollen keinen Präzedenzfall schaffen“, verteidigte die Bürgermeisterin dieses Vorgehen. Denn dann baue der nächste Hinterbliebene nochmals einen Zentimeter höher und heble damit die Satzung aus.

Dass Trauergäste auch an anonymen Bestattungen teilnehmen können, wünschte Annette Derksen (Grüne). Wenn das der ausdrückliche Wunsch des Verstorbenen sei, solle bei der anonymen Bestattung auch „niemand dabei sein“, hielt Franz Jaquet (CSU) dagegen. Mit 17:9 Stimmen beschloss der Rat, dass anonyme Beisetzungen grundsätzlich ohne Gäste stattfinden. Auf Antrag von Jaquet wurden Grabhügeleinfassungen aus umweltbelastendem Kunststoff aus dem Regelwerk gestrichen.

Christine Cless-Wesle

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