Fundstücke von besonderem Wert: eine noch ungereinigte Speerspitze aus dem Grab eines bajuwarischen Kriegers.
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Fundstücke von besonderem Wert: eine noch ungereinigte Speerspitze aus dem Grab eines bajuwarischen Kriegers.

Grabungen am Krapfberg

Funde aus dem Gauting vor 1500 Jahren: Archäologen eröffnen neue Einblicke

Am Krapfberg sind wundervolle Stücke aus der Zeit vor 1500 Jahren gefunden worden. Die Gesellschaft für Archäologie Oberes Würmtal gewährte nun einen ersten Blick auf Grabbeigaben, von denen einige erst heuer gefunden worden waren.

Gauting – Bisher noch nie gezeigte Fundstücke präsentierte Karl Ludwig Hebler, Vorsitzender der Gesellschaft für Archäologie Oberes Würmtal, etwa 30 Gautingern beim jüngsten Jour fixe. Die wertvollen Funde – etwa ein reich verzierter, komplett erhaltenen Kamm – stammen aus den Grabungen auf dem gemeindlichen Grundstück Krapfberg 5 Ende 2018 (wir berichteten) sowie heuer im März und lagern zu weiteren Untersuchungen im Landesamt für Denkmalpflege.

Der Vorsitzende war bei den jüngsten Grabungen vom Team „3 Archäologen GbR“ zum Teil mit von der Partie. Auf dem Grundstück am Krapfberg, einst Heimat der Gautinger Tafel, hatten Archäologen im Auftrag des Landesamts bereits die zweite Grabung gestartet. Denn die Gemeinde will das Grundstück in Top-Lage verkaufen. Vor dem Eingang zum inzwischen verlassenen Tafel-Gebäude sei zunächst eine dunkle Verdachtsfläche markiert worden, berichtet Hebler. An den Folgetagen seien zwei Skelette geborgen worden. Die Experten vermuteten, dass an dieser Stelle zwei hochrangige bajuwarische Krieger beigesetzt worden waren. An Hand der Schmucksteine werden die Gräber auf die Zeit um das Jahr 520 datiert. Aus Furcht vor Grabräubern mussten die Archäologen die Funde sofort bergen und zu weiteren Untersuchungen ins Landesamt transportieren, berichtete Hebler weiter.

Auch dieser Goldanhänger war unter den Fundstücken.

Dort hat der Vorsitzende die Funde fotografiert und zeigte unter anderem eine grüne Perle, eine 25 Zentimeter lange Speerspitze eines Kriegers, Schmucksteine aus Ton und Glas oder kostbare Schmuckanhänger aus Gold – aber auch „das Prachtstück“, eine noch ungereinigten Fibel (Gewandspange), durchwirkt mit feinen Goldfäden, „die vermutlich aus dem Mittelmeerraum stammt“. Die Bajuwaren seien zu solch „fantastischer Goldschmiedekunst“ gar nicht in der Lage gewesen. „Das ist etwas ganz Besonderes“, betont Karl Ludwig Hebler.

Der Knochen-Kamm

Der Kamm wurde ebenfalls im März geborgen. Ein Teil der gezeigten Beigaben stammte noch aus der ersten Grabung.

Dass der Hügel zwischen Gaststätte „Krapf“ und Christuskirche archäologisches Verdachtsgebiet ist, war schon lange bekannt, erinnerte Hebler. Bereits im Spätherbst 1865 war oberhalb vom heutigen Rathaus eine große Anzahl von bajuwarischen Gräbern freigelegt worden – mit Skeletten von Erwachsenen und Kindern. Und beim Bau der alten Sparkasse an der Bahnhofstraße wurden weitere 20 bajuwarische Reihengräber freigelegt. „Das Gautinger Gräberfeld reichte bis rüber zur heutigen Frauenkirche“ und sei „so groß wie das in Aschheim und Aubing“. In Kooperation mit dem Landesamt sollen die aktuellen Funde aus Gauting demnächst der Öffentlichkeit zugänglich oder publiziert werden, sagte Hebler.

Christine Cless-Wesle

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