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Das Alpenhof-Team: Anette Bäuerle, Evi Liebl, Susanne Baus, Benjamin Eser, Christoph Gerz und Lisa Evers (v.l.).

Hotel-Renovierung

Neuer Alpenhof: Martin Walser wohnte stets in Nummer 10

Gauting - „Für die Gäste das Beste“ ist Motto im neu eröffneten „Alpenhof“. Nach fast drei Jahren aufwendiger Renovierungsarbeit entstand mitten in der Gautinger Villenkolonie ein gemütliches kleines Frühstückshotel mit Steingarten im alpenländischen Stil.

Alle 14 Zimmer des einstigen Gästehauses Bauer sind nach Seen der Umgebung benannt, sagt Mitinhaberin Anette Bäuerle.

„Wenn er Herbert Achternbusch hier in Gauting besuchte, übernachtete der Schriftsteller Martin Walser immer in Nummer 10“, weiß die Geschäftsführerin und ergänzt: „Ich wollte einen Wohlfühl-Ort für alle Gäste des Hauses schaffen, aber auch für meine Mitarbeiter.“ Das ist offensichtlich gelungen: Der einladend beleuchtete Vorgarten mit Findlingen, die Holztische im rückwärtigen bepflanzten Garten mit Quellstein laden zum Verweilen ein. Es gibt einen holzvertäfelten Raum fürs Frühstücksbuffet, bestückt mit regionalen Bio-Produkten. In der gemütlichen Kachelofenstube werden den Tag über bis 23 Uhr Getränke serviert, sagt die Alpenhof-Chefin. Maßgefertigte Schreiner- Holzbetten mit komfortablen Federkern-Matratzen, hell gekachelte, perfekt ausgeleuchtete Bäder erwarten den Gast in den ebenfalls mit Holz vertäfelten Fremdenzimmern.

„Seit vier Monaten läuft jetzt der Hotelbetrieb“, resümiert Bäuerle, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hoch zufrieden. Über das Buchungsportal fänden Gäste aus aller Welt bis nach Gauting in die Unterbrunner Straße. Doch bis die Wohlfühloase in zwei Häusern fertig war, floss viel Wasser die Würm hinab: Mit ihrem Ehemann, dem Biochemie-Professor Patrick Bäuerle, erwarb die Wahl-Gautingerin im Sommer 2012 das frühere Gästehaus Bauer.

Das Gebäude hat eine interessante Geschichte: 1906 war das ehemalige Landhaus für den kaiserlichen Justizrat Karl Berberich errichtet worden, schreibt Kreisheimatpfleger Gerhard Schober im Bildband „Die Gautinger Villenkolonie.“ Schon vier Jahre später „erwarb der Schriftsteller Franz Langheinrich das Haus – und ließ es von Oskar Pusch seitlich erweitern“. Der Gautinger Franz Langheinrich (1864-1945), Vorbesitzer des heutigen „Alpenhof“ galt als Mitbegründer des Jugendstils. Der Lyriker, Erzähler und Redakteur der Zeitschrift „Jugend“ veröffentlichte 1930 den „amtlichen“ Wander-Führer „Im Herzen des Würmtals.“ Anette Bäuerle hütet den längst vergriffenen Würmtal-Führer in ihrer „Alpenhof“-Bibliothek, denn: „Der Goetheforscher und Gedichtschreiber war einer der Protagonisten der damaligen Wandervogel-Bewegung von der Stadt aufs Land.“ Mit Liebe zur Würmtallandschaft vor der Gautinger Haustür habe Langheinrich diesen Wanderführer verfasst.

Doch das Werk Langheinrichs ist nicht das einzige in der „Alpenhof“-Bibliothek: Auch der 1973 erschiene Roman „Seelenarbeit“ ist im Bestand. In der 60-jährigen Ära des Gästehauses Bauer wohnte Schriftsteller Martin Walser nämlich häufig dort. „Er wünschte meist das Zimmer 10, das ist heute Zimmer 8 im Alpenhof“, , weiß Anette Bäuerle. In „Seelenarbeit“ hat der 88-jährige Schriftsteller vom Bodensee seine Gautinger Erlebnisse verarbeitet. Und hier schließt sich der Kreis: Auch der Krebsforscher Patrick Bäuerle stammt vom Bodensee. Der Professor ist begeisterter Wanderer, verrät seine Frau. Deshalb hat der Miteigentümer und Hobbyfotograf jedes der 14 Alpenhof-Zimmer mit Seen-Motiven aus der Umgebung bebildert – und danach benannt.  cc

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