+
Ein eingespieltes Team: Osemudame Asiov (l.) arbeitet seit mehr als zwei Jahren bei Wigbert Cramer.

Asylantrag abgelehnt

Bäckergeselle droht die Abschiebung

Der Nigerianer Osemudame Asiov arbeitet seit zwei Jahren in Wigbert Cramers Bäckerei mit. Jetzt soll er abgeschoben werden - Nigeria gilt als sicheres Land. Cramers Betrieb verliert damit einen wichtigen Mitarbeiter.  

Gauting– Mit sieben Bäckern arbeitet Meister Wigbert Cramer vom gleichnamigen Gautinger Bio-Backhaus. Jetzt droht die Arbeit schwieriger zu werden. Sein Geselle Ose (22), den er seit Mitte 2015 fest angestellt hat, soll abgeschoben werden – in sein Heimatland Nigeria. Nachdem Bäcker laut Kreishandwerksmeister Anton Lidl absolute Mangelware sind, fürchtet Cramer nun, dass er bald rund um die Uhr in seiner Backstube stehen wird.

Osemudame Asiov, genannt Ose, kam 2014 als Flüchtling nach Bayern. Schon in Nigeria habe er als Bäcker gearbeitet, erzählt der Schwarzafrikaner in verständlichem Deutsch. Die Sprache hat der 22-Jährige an der Volkshochschule gelernt – und von seiner Gautinger Chefin: „Meine Frau Suely, eine gebürtige Brasilianerin, ist eine sehr strenge Lehrerin“, sagt Cramer lachend.

Auch dank Ose hat Bäckermeister Cramer sein Team mit sieben Bio-Bäckern in zwei Schichten eingeteilt. Davor hatte er große Probleme, erzählt Cramer. Statt zu siebt stand seine Mannschaft nachts teils nur zu dritt am Holzofen der offenen Bio-Backstube an der Starnberger Straße. „Einen Monat lang musste ich selber zwei Schichten arbeiten“, sagt der Meister. „Das heißt von 0 Uhr bis 6 Uhr, dann ein bisschen schlafen, dann wieder von 9 bis 18 Uhr – und wieder ein bisschen schlafen.“

Im Juli 2015 kam der Lichtblick: Das Jobcenter schickte ihm Ose, der eine Arbeitserlaubnis hat. Über dem Backhaus an der Starnberger Straße bewohnt der Geselle ein gemietetes Zimmer, erzählt sein Arbeitgeber, der knapp 30 Bio-Läden in der Region beliefert.

Nun kam der Abschiebebescheid. Denn Oses Heimat Nigeria gilt als sicheres Land. Schon zuvor hatte der 22-Jährige seine begonnene Bäckerlehre abbrechen müssen, bedauert Wigbert Cramer. „Denn ohne Anerkennung als Asylbewerber war die Ausbildung plötzlich illegal.“ Cramer schätzt Ose Asiov: „Er ist zuverlässig, pünktlich, im Bäckerteam gut eingearbeitet, kennt meine Rezepte und versteht die Anweisungen. Doch wenn Ose abgeschoben wird, kann ich ihn nicht mehr bei mir arbeiten lassen: Da mache ich mich strafbar.“

Der Bäcker- und Konditormeister setzt deshalb alle Hebel in Bewegung. Am heutigen Montag hat sein Geselle eine Anhörung in der Ausländerbehörde. Unterstützt wird er von einem Anwalt: „Als Arbeitgeber gehe ich mit“, betont Cramer. Denn es sei schwierig, in der Region überhaupt Bäcker zu finden, obwohl er weit über Tarif zahle. „Statt 1500 Euro kriegt der Geselle bei mir im zweiten Jahr über 3000 Euro brutto.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

7,5-Tonnen-Lkw fährt auf Auto auf
Auf der Weilheimer Straße kam es am Montag ab 14.10 Uhr für eine Stunde zu Verkehrsbehinderungen.
7,5-Tonnen-Lkw fährt auf Auto auf
Betrunken, wohnsitzlos, ohne Fahrschein: Polizei nimmt 19-Jährigen mit
Ein 19 Jahre alter Mann aus Starnberg ist in einer S6 ausfallend geworden. Selbst auf der Polizeiwache weigerte er sich, den Aufforderungen nachzukommen.
Betrunken, wohnsitzlos, ohne Fahrschein: Polizei nimmt 19-Jährigen mit
Fälle von Homejacking häufen sich - das steckt dahinter
Die dunkle Jahreszeit nutzen Kriminelle leider immer wieder für ihre Taten. Die Kriminalpolizei warnt vor einem speziellen Fall.
Fälle von Homejacking häufen sich - das steckt dahinter
20-Jährige am Kurpark sexuell genötigt
Eine 20-jährige Frau wurde am Herrschinger Kurpark von zwei Männern sexuell genötigt, wie sie die Polizei berichtet. Die Kripo hat Ermittlungen aufgenommen.
20-Jährige am Kurpark sexuell genötigt

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion