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Gut besucht war das Bosco zur Zukunft des Gautinger Bahnhofareals. Stadtplanerin Claudia Schreiber erläuterte die Rahmenbedingungen. Die Bürger trugen ihre Ideen vor.

Versammlung im Bosco

Die Gautinger hängen am alten Bahnhof

„Ihre Visionen sind gefragt!“, forderte Bürgermeisterin Dr.  Brigitte Kössinger (CSU) die etwa 130 am Montagabend im Bosco versammelten Gautinger auf – mit Erfolg: Stadtplanerin Claudia Schreiber konnte etliche Ideen aus dem Publikum für den Planungswettbewerb zur Zukunft des Bahnhofareals mitnehmen.

Gauting Burkhard Riedel sagte es geradeheraus: Das historische Empfangsgebäude des Gautinger Bahnhofs aus der Zeit um 1900 soll erhalten werden. Und Christiane Lüst plädierte eindringlich für das Projekt genossenschaftlicher Bürgerbahnhof. Das waren nur zwei der Wortmeldungen, die am Montagabend im Bosco bei der Veranstaltung zur Zukunft des Gautinger Bahnhofareals zu hören waren. „Ihr reges Interesse zeigt, dass es richtig war, ein offenes Verfahren auszuschreiben“, erklärte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger zum Auftakt der Bürgerbeteiligung.

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt tobt in Gauting der Streit: Abriss oder Erhalt des von der Gemeinde Ende 2006 gekauften Bahnhofs? Die ursprüngliche Klinkerfassade wurde mehrfach „modernisiert“ und verputzt. Unter Kössingers Amtsvorgängerin Brigitte Servatius (SPD) beschloss der Gemeinderat 2010 den Abriss – mit deutlicher Mehrheit von 21:3 Stimmen. Der jetzige Rat habe den Abrissbeschluss ausgesetzt, erinnerte Kössinger. Mit beschlossenen Plangutachten-Wettbewerb unter der Regie von Stadtplanerin Claudia Schreiber hoffen die Kommunalpolitiker auf neue Ergebnisse – und staatliche Fördermittel. Denn auch unrentable Kosten, wie etwa das Freilegen der alten Fassade, werden bezuschusst.

Der Busbahnhof soll am Bahnhof situiert werden

Der Planumgriff umfasse das Gebiet zwischen Bahnhofplatz, Bahnhofstraße bis Abzweigung Ammerseestraße, das Park-&-ride-Gelände bis zur Pippinunterführung samt Postgrundstück, erläuterte die Planerin. Mit dem Verkehrsplan des Büros Obermeyer seien schon Ziele gesetzt: Der Busbahnhof werde am Bahnhof situiert. Über die Ammerseestraße werde die Tiefgarage des Sontowski-Komplexes auf dem ehemaligen Schulgrundstück angefahren, aber auch das geplante gemeindliche Park-&-ride-Deck mit 240 Stellplätzen. „Für den Bahnhof haben wir den sechs Büros bewusst keine Vorgaben gemacht“, betonte Schreiber.

Danach war das Mikrofon frei für Bürgerideen. „Einen Festplatz“ für örtliche Vereine und einen Wochenmarkt wünschte sich Florian Egginger (Junge Union) auf dem Park-&-ride-Deck. Für den Bahnhof habe es zwar schon ein „ausgewogenes“ Verkehrskonzept mit Bürgerbeteiligung gegeben, erinnerte Dr. Matthias Ilg (Grüne). Aber im aktuellen Verkehrsplan seien Fußgänger und Radler „zugunsten der Autofahrer“ benachteiligt. Mit Tempo 30 und ohne Durchfahrt für Autos „bekommen wir einen attraktiven Platz mit Aufenthaltsqualität“ widersprach Kössinger. Taxis und Busse müssten dort aber trotzdem durch. Für Peter Kleinknecht war klar: Der Verkehrsplan favorisiere den Individualverkehr trotz Klimawandels. „Warum packen wir das nicht an – wie in Kopenhagen oder am Times Square in New York?“, fragte er unter Applaus.

Ingo Hugger: „Der Bahnhof darf nicht abgerissen werden“

Der um 1900 errichtete Bahnhof „ist ein geschichtliches Element – und darf nicht abgerissen werden“, forderte Ingo Hugger (SPD) unter Beifall. Er wünsche eine Versöhnung zwischen den Gegensätzen „seelenlose Moderne oder 100 Prozent Tradition“, erklärte Buchautor Burkhard Riedel. Einen „lichtdurchfluteten“ zweigeschossigen Bau könne man durchaus ans historische Kerngebäude setzen – für eine wirtschaftliche Nutzung. Ein historisierender, aber barrierefrei gebauter Bahnhof versöhne eventuell die beiden Lager, sagte Dr. Andreas Albath, Sprecher von „Zukunft Gauting“.

Gemeinderätin Christiane Lüst favorisierte die Genossenschaftsidee für einen Bürgerbahnhof. Mit Kiosk und Café, mit Maifestspielen und Veranstaltungen der „Kultur-Plattform 12“ werde der Bahnhof ja schon jetzt zum Leben erweckt. Markus Proksch wünschte nur eines: „Bitte diskutieren Sie nicht noch in fünf Jahren, wie es weitergeht.“

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