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Mit gefälschten Papieren hat sich ein 29-Jähriger aus Gauting in mehrere Kliniken eingeschlichen und dort jahrelang als Krankenpfleger gearbeitet. (Symbolbild)

„Im Prinzip war das irre“

Falscher Krankenpfleger arbeitet jahrelang in Kliniken - die Zeugnisse dafür hatte er selbst erstellt

Ein 29-Jähriger aus Gauting hatte jahrelang mit gefälschten Papieren in Kliniken gearbeitet. Die Zeugnisfälschungen hatte er daheim am PC angefertigt.

Gauting – Das Starnberger Schöffengericht hat einen falschen Krankenpfleger zu 22 Monaten Haft auf Bewährung und 2200 Euro Geldauflage verurteilt. Jahrelang hatte der 29 Jahre alte Familienvater aus Gauting mit gefälschten Zeugnissen in drei Kliniken gearbeitet. In einem Krankenhaus im Landkreis war er sogar als stellvertretender Stationsleiter des Pflegebereichs tätig. Erst Anfang April 2016 flog der Schwindel auf. Nun musste sich der ausgebildete Rettungsassistent wegen Urkundenfälschung und versuchter Urkundenfälschung verantworten.

Falscher Krankenpfleger: Bei Bewerbung an Sanitätsausbildungs-Akademie fliegt Schwindel auf

Von Mai 2013 bis April 2016 hatte sich der Gautinger mit gefälschten Zeugnissen drei Festanstellungen als Krankenpfleger erschwindelt: im Landkreis, in Mühchen und im Oberland. Im Zuge seiner Bewerbung bei einer Münchner Sanitätsausbildungs-Akademie flog die Sache schließlich auf.

Im Sitzungssaal ließ der Angeklagte tief blicken: „Ich habe mich systematisch in ein Lügenkonstrukt hineinmanövriert“, sagte er. Die Zeugnisfälschungen zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Fachpfleger Anästhesie und Intensivmedizin sowie den Hochschulabschluss Pflegemanagement hatte der Angeklagte daheim am PC angefertigt und die Dokumente bei jedem Jobwechsel erneut vorgelegt. Dabei hätte er den Abschluss ursprünglich gerne redlich erworben. Ein unschöner Registereintrag wegen Diebstahls und Untreue versperrte ihm jedoch die Chance auf einen Ausbildungsplatz: „Wegen eines Makels lassen sie mich nicht zur Ausbildung zu“, sagte er.

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29-Jähriger falscher Pfleger wird gekündigt - und bewirbt sich erneut

Selbst nachdem ihm eine Klinik auf die Schliche gekommen war und gekündigt hatte, blieb er bei seiner Gaunerei. „Zwei Tage später haben Sie sich wieder beworben und begeben sich wieder in diese Situation hinein“, sagte Richterin Christine Conrad. „Im Prinzip war das irre – dass das überhaupt so lange gut gegangen ist.“ Es ist nicht bekannt, dass Patienten durch die Tätigkeit des 29-Jährigen zu Schaden gekommen sind.

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Mann aus Gauting vor Gericht: „Ich will einen Neuanfang“

Im Sitzungssaal stand der Gautinger auffallend schonungslos zu seinem Größenwahn: „Ich will einen Neuanfang“, sagte er. Vor zwei Monaten entschloss er sich zur Psychotherapie, um seiner Motivlage genauer auf den Grund zu gehen. Nach den Lügenjahren hatte er zunächst ein Dreivierteljahr als Flüchtlingshelfer in Somalia verbracht. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber ist er – ganz legal – als Rettungsassistent tätig und spielte bezüglich seiner Vergangenheit von Anfang an mit offenen Karten. Seine schonungslose Selbstkritik verhalf ihm letztlich zu dem maßvollen Urteil. nh

Weitere Nachrichten aus Gauting: Unbekannte manipulieren am Gautinger Schulcampus abgestellte Fahrräder – an den Bremsen oder lösen die Befestigungen der Reifen. Montag ist ein Schüler schwer gestürzt, berichtet Merkur.de*. Rowdys haben derzeit Sportplätze im Landkreis Starnberg als Ziele für Schleuderpartien mit Autos auserkoren (Merkur.de*). Derweil weist der Abwasserverband Starnberger See Bürger an, sich Geld für Niederschlagsgebühren bei ihren Nachbarn zu holen. Ein Pöckinger Anwalt klagt gegen diese Praxis.

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