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Großer Bahnhof im Gautinger Bahnhof: Rappelvoll war die Halle bei der SPD-Veranstaltung zur Zukunft des historischen Gebäudes.

Großes Interesse an SPD-Versammlung - und ein klares Votum

Gauting soll seine Seele Bahnhof retten

„Verschwindet unser Bahnhof?“ MIt dieser Frage hatte der SPD-Ortsverein für Samstagnachmittag eingeladen. Trotz sonnigem Frühling drängten mehr als 100 Gauitinger in die Bahnhofshalle. Etwa 100 Hände flogen bei der Abstimmung in die Höhe – mit klarem Votum für den Erhalt des historischen Kopfgebäude.

Gauting„Wir möchten das historische Gebäude erhalten und neu beleben“, erläuterte Vize-Ortsvorsitzender Eberhard Brucker das Ziel der SPD-Veranstaltung. Doch die Bürger sollen mitgenommen werden, betonte er unter Applaus. Die Gelegenheit ist günstig: Der Gemeinderat hat sechs Architekturbüros beauftragt, Plangutachten zu erstellen. Bis zur Sommerpause will sich der Gemeinderat für ein Konzept entscheiden. Themen würden dabei auch Abriss oder Erhalt des Bahnhofs, Verkehrskonzept mit neuem Busbahnhof und überbautes Park-and-Ride-Deck mit Wohnungen sein, sagte SPD-Vorstandsmitglied Hanjörg Hägele.. Die mit dem Bürgerentscheid vor einem Jahr befürworteten drei Neubaukomplexe des Investors Sontowski & Partner würden das Bahnhofsgelände künftig dominieren, ist Hägele überzeugt.

In einem leidenschaftlichen Appell plädierte der Ex-SPD-Gemeinderat Dr. Andreas Romero für den Erhalt des historischenBahnhof-Kopfgebäudes. Im Bild zeigte der Stadtplaner die Original-Ansicht des um 1900 erbauten zweigeschossigen Jugendstil-Klinkerbahnhofs. Die mehrmals verputzte Fassade des noch „hässlichen Entleins“ müsse eben wieder freigelegt werden. Denn solche architektonischen Lichtblicke wie das Denkmal E-Werk am Hauptplatz, die mit Klinker erbaute Christuskirche im Jugendstil, aber auch die Ziegelbauten Rathaus und den übertünchten Klinker-Bahnhof „als Anker“ am Bahnhofsberg habe im Würmtal nur Gauting, erläuterte der Stadtplaner das städtebauliche Potenzial.

Romero präsentierte frühere Entwürfe: Benedikt Sunder-Plassmann, Architekt des restaurierten Bahnhofs in Feldafing, hatte 2017 im Gautinger Gemeinderat einen Entwurf präsentiert – mit Erhalt des Kopfgebäudes in Klinker-Optik. Richtung Breitwand-Kino hatte er einen neuen barrierefreien Glasanbau geplant. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro, sagte Romero. Vom Büro des Gautinger Architekten Christian Hadlich stammt ein kostengünstigerer Entwurf – mit restauriertem Bahnhof-Kopfgebäude und schrittweise sanierten Anbauten.

Mit den Maifestspielen von Schauspieler Sebastian Hofmüller, Repair-Café von Christiane Lüst und den Veranstaltungen der Kulturplattform werde der Bahnhof schon rege genutzt, dankte Romero für „das kleinste Festspielhaus der Republik“. Bei der Probeabstimmung votierte die große Mehrheit für den Erhalt. Denn andernfalls verliere Gauting mit all den Neubauten vollends „seine Seele“, meinte Johanna Degkwitz.

Der Entwurf Sunder-Plassmanns sei eindeutig besser als sein eigener – „wenn Geldmittel da sind“, sagte Architekt Christian Hadlich. „Doch wer soll das bezahlen?“, stellte Hans-Wilhelm Knape die Gretchenfrage. Der Gemeinderat (Soziale Ökologen) gab auch gleich die Antwort: Seine Fraktionskollegin Christiane Lüst und Schauspieler Hofmüller favorisierten die Genossenschaftsidee. Nach dem Beispiel Uelzen soll ein Bürgerbahnhof verwirklicht werden, so Knape. Für 1000 Euro könnten die Gautinger Anteile erwerben. Sobald 1111 Bürger mit dabei seien, reiche der Kapitalstock. Mit Genossenschaftswohnungen auf dem Park-and-Ride-Deck, entstünden womöglich Synergien“ warb Knape für die Initiative.

Von Christine Cless-Wesle

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