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Mehr als 100 Neuntklässler nahmen heuer am Suchtpräventionstag am Gautinger Gymnasium teil. 

Präventionstag am Gymnasium 

Gefangen zwischen Sucht und Depression

Beim Suchtpräventionstag am Gautinger Otto-von-Tauber-Gymnasium erzählten zwei Betroffene den Schülern von ihrem Schicksal. Zudem entstand unter den Schülern eine lebhafte Diskussion über E-Zigaretten.

Gauting – Erschütternde Berichte Betroffener: Ein Alkoholkranker und zwei Lungentumor-Patienten erzählten von ihrem Schicksal etwa 100 Neuntklässlern im Rahmen der Sucht-Prävention am Otto-von-Taube-Gymnasium (OvT) in Gauting. Dr. Jürgen Sklarek, Oberarzt an der Asklepios-Lungenfachklinik, und seine Kollegin Dr. Beate Mielach-Abt, Fachärztin für Psychiatrie, führten behutsame Gespräche – auch mit zwei Schülern auf dem Podium.

„Mit 15, 16 hat es angefangen: Da sind wir in unserer Freizeit nach der Schule an die Isar – und haben getrunken“, berichtete der heute 57-jährige alkoholkranke Patient. Für die versammelten Jugendlichen im Publikum war es der Auftakt, offen über ihre Trinkgewohnheiten zu sprechen. Alcopops seien heute nicht mehr in, erzählt ein Gymnasiast, aber Bier und Jägerweiße trinke er schon gern ein- bis zweimal pro Woche mit Freunden. „Jeder macht‘s“, bestätigte Sklarek, der seit Jahren die Suchtprävention am OvT anbietet. In Gesellschaft sei es üblich, dass der Gast erst einmal gefragt werde: „Was magst? An Bier oder an Wein?“

Alkohol schränkt die Leistungsfähigkeit ein, wird aber oft verharmlost

„Abhängig oder am Rande der Abhängigkeit“ seien inzwischen 2,5 Millionen Menschen in Deutschland, erläutert Psychiaterin Dr. Beate Mielach-Abt. Alkohol werde in der Gesellschaft positiv bewertet, nach dem Motto: „Ein Schluck geht noch.“ Aber dieses Suchtmittel schränke die Leistungsfähigkeit ein, warnte Sklarek. Das bestätigte der abhängige Patient. Erst habe ihn das Trinken zwar „gepusht“. Dann sei aber sein Alkoholkonsum immer mehr gestiegen, „Kiffen“ und Zigaretten seien noch dazu gekommen. „Sechs Wochen nur schlafen, Bier trinken, Rotwein holen“ – so habe am Schluss sein Alltag ausgesehen.

Die Entzugserscheinungen bei Entwöhnungsversuchen, wie Zittern, Frieren, Augenbrennen, Kopfschmerzen oder Abwürgen, seien immer schlimmer geworden, berichtete der gelernte Handwerker. Doch immer bei Beziehungsproblemen „hat‘s mir den Boden unter den Füßen weggezogen“. Er habe in seinem Leben gewechselt – zwischen Sucht und Depression.

Expertin Mielach-Abt: Schon ein Schluck Wein führe wieder in die Sucht

„Wir sehen das immer mehr, dass Alkoholsucht ganze Familien zerrüttet“, sagte die Psychiaterin. Weniger als als zehn Prozent der Alkoholkranken blieben nach Entgiftung und Therapie „mindestens fünf Jahre abstinent“. Schon ein Schluck Wein oder eine Mon-Cheri-Praline führe wieder zurück in die Sucht, warnte Mielach-Abt.

Weil Rauchen inzwischen eher verpönt sei, sei Alkohol heute das größere Problem, so Lungenfacharzt Sklarek. „Ich habe drei Schachteln Zigaretten am Tag über zehn Jahre geraucht“, bekennt der 67-jährige Lungentumor-Patient. 2000 habe er schlagartig aufgehört. Durch einen Zufallsbefund sei bei ihm der Krebs erst heuer, also 19 Jahre später, entdeckt und operiert worden. „Drei Schachteln über zehn Jahre bergen das gleiche Risiko wie eine Schachtel über 30 Jahren“, erläuterte Sklarek die Zusammenhänge.

Lebhaft diskutierten die Jugendlichen das Nikotin-Risiko der E-Zigarette ohne Teerstoffe. Bei der Entwöhnung könne die E-Zigarette helfen, glaubte ein Schüler auf dem Podium. Aber die Nikotin-Konzentration sei höher - und das Risiko der Geschmacksverstärker bisher nicht erforscht, so Sklarek.

VON CHRISTINE CLESS-WESLE

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