+
Neben Blühwiesen zur Förderung der Artenvielfalt werden nun auch Ackerwildkrautpatenschaften vergeben.

Blühpatenschaft-Pilotprojekt

„Tu’ was“ statt nur die Stimme abzugeben

Viele Landwirte wollen sich mittlerweile für den Schutz der Artenvielfalt umstellen - mit der Aktion „Tu‘ was“ nimmt nun ein neues Blühpatenschaft-Pilotprojekt Fahrt auf.

Unterbrunn – Nach dem erfolgreichen Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ nimmt der Trend „Tu‘was!“ Fahrt auf: Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BUND) unterstützt das Blühpatenschaft-Pilotprojekt für Ackerwildkrautarten bei Unterbrunn. In Zusammenarbeit mit Landwirt Roland Koböck aus Mitterwies und seiner Partnerin Annika Friedl sowie dem Amt für Landwirtschaft werben die Naturschützer um Sponsoren, teilt Diplom-Biologin Ellen Hacker aus Gauting mit.

Viele Landwirte hätten erkannt, dass auch intensive Landwirtschaft zum Artenschwund beigetragen hat, „und sie wollen dagegen angehen“, sagt die Geschäftsführerin der Kreisgruppe Starnberg im Bund Naturschutz, Dr. Helene Falk. Dabei hofften sie auf „eine neue Bereitschaft in der Bevölkerung, mehr zu tun, als nur einmal ihre Stimme abzugeben“, erklärt die Naturschützerin.

Neu angelegte Blühflächen sind eine unterstützende Maßnahme 

Neu angelegte Blühflächen hätten ihre Berechtigung als begleitende und unterstützende Maßnahmen und würden als solche auch von den Wildlebensraum-Beratern gerne eingesetzt. Sie seien aber „kein Ersatz für den Artenverlust, der durch die intensiven Anbaumethoden und das Ausräumen der Feldflur entstanden ist“, meinen die Naturschützer. Deshalb sei die BUND-Kreisgruppe beim Pilot-Projekt Ackerwildkräuter des Landwirts Roland Koböck mit dabei: Auf einem Teil des 5,5 Hektar großen Feldes an der Straße zwischen Unterbrunn und Oberpfaffenhofen, einer beliebten Ausflugsstrecke zum Weßlinger See, soll, wie berichtet, eine Blühfläche mit ein- und mehrjährigen, regionalen Ackerwildkräutern angesät werden. Die Kräuter seien „an den Standort angepasst“ und blieben drei Jahre stehen, teilt der BUND mit. So erhielten Insekten, Vögel und Säugetiere „ein möglichst natürliches Nahrungsangebot, Überwinterungs- und Deckungsmöglichkeiten“. Aber nicht nur die Fauna, sondern auch das Landschaftsbild profitiere vom bunten Blütenflor.

Auf der übrigen Ackerfläche werde Getreide wie Hafer und Dinkel mit größerem Reihenabstand eingesät, aber „nicht gespritzt“, um das Wachstum heimischer Ackerwildkräuter zu fördern. Etwa ein Drittel der etwas mehr als 300 Ackerwildkrautarten stehen auf der Roten Liste – „und sind schon ausgestorben oder vom Aussterben bedroht“, warnen die Naturschützer von der BUND-Kreisgruppe. Die blühenden Wildkräuter böten den spezialisierten Insekten Nahrung, „die wiederum als Nahrung für die Vögel dienen“. Der Acker, den der Mitterwieser Landwirt Roland Koböck bewirtschafte, liege direkt neben einer extensiv bewirtschafteten Wiese des regionalen Wasserversorgers Vier-Seen-Land und nicht weit von einer fünfjährigen Blühfläche entfernt. Das Wildkräuter-Projekt könnte daher auch zu einer Biotopvernetzung beitragen.

Mit der Patenschaft kann man artenreichen Acker fördern

„Mit der Ackerwildkrautpatenschaft kann man für 99 Euro drei Jahre lang 100 Quadratmeter artenreichen Acker fördern“, erklärt Dr. Helene Falk und hofft auf weitere Sponsoren. Auf https://www.bluehpatenschaft-muenchen.de im Internet können sich Interessierte für das Pilotprojekt „Ackerwildkräuter“ im Landkreis Starnberg anmelden. Die Zeit drängt: Bis Ende April wird angesät, sagt die Diplom-Biologin und Patin Ellen Hacker.

Landwirt Siegfried Eberle, der neben seinen Selbstpflückfeldern bei Buchendorf und Frohnloh Blühwiesen anlegen will, hat dafür nach einem entsprechenden Artikel in unserer Zeitung viele neue Paten gefunden.

VON CHRISTINE CLESS-WESLE

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Doblingers Nachfolger
Die Kommunalunternehmen Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) sowie Wassergewinnung Vierseenland haben ab sofort zwei Chefs: Maximilian Bleimaier und Thomas …
Doblingers Nachfolger
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Es ist ein harter Tag für Verkehrsteilnehmer in Starnberg. Wegen Markierungsarbeiten gab es auf der Münchner Straße zeitweise nur eine Fahrspur in jede Richtung – die …
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Schremser fordert Sontheim heraus
Die Feldafinger CSU hat bei ihrer Aufstellungsversammlung Matthias Schremser als Bürgermeisterkandidat vorgestellt. Auf der Liste sind außerdem überdurchschnittlich …
Schremser fordert Sontheim heraus
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?
Nachdem eine Familie beim Vergabeverfahren der 51 Baugrundstücke am Wiesengrund fälschlicherweise zu schlecht bewertet wurde, sucht die Stadt nun nach Lösungen. Viele …
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?

Kommentare