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Strahlende Gesichter beim Festakt: Dr. Carola Riedner (r.) nahm von Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die Bürgermedaille entgegen. 

Bürgermedaille

„Wir lachen und wir weinen zusammen“

Dr. Carola Riedner, Gründerin des Ambulanten Hospizdienstes in Gauting, hat die Bürgermedaille erhalten. 

Gauting – „Mein persönliches Anliegen ist, dass Menschen zu Hause sterben dürfen.“ Tränen der Rührung standen der Palliativärztin Dr. Carola Riedner beim Festakt am Freitagabend im gut gefüllten Rathausfoyer in den Augen. „Ich empfinde große Dankbarkeit, dass die Hospizidee in Gauting so gut verwurzelt ist“, sagte die Gründerin und Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes (AHD) Gauting dankbar. Für die praktizierte Nächstenliebe an Sterbenden ehrte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die Gautingerin mit der Bürgermedaille.

Mit dem ergreifend gesungenen „Ave Maria“ von Johann Sebastian Bach/Charles Gounod, eröffnete der Kammerchor des „Collegium Bratananium“ mit Dirigent Johannes X. Schachtner am Flügel den Festakt. Unter den Ehrengästen begrüßte Kössinger auch Pfarrer Klaus Firnschild-Steuer und ihre Amtsvorgänger, die Alt-Bürgermeisterin Brigitte Servatius und Dr. Ekkehard Knobloch.

Ein Film vermittelte im Anschluss anschaulich, wie die Arbeit einer Hospizhelferin aussieht. Auf Vorschlag der Gautinger AHD-Koordinatorin Marion Jettenberger hatte das Filmteam die Gautingerin Marianne Steib überrascht. Die mit einem Arzt verheiratete Mutter von vier Kindern begleitete zu der Zeit einen Gautinger und dessen schwerkranke Ehefrau bis zu deren Tod. Seit September ist die Psychologin, Pädagogin und Hospizhelferin Marianne Steib zweite hauptamtliche Koordinatorin beim AHD Gauting: „Im Idealfall finden wir die richtigen Personen, die zueinander passen“, erzählte ihre Kollegin Marion Jettenberger. Zum Beispiel den Hundefreund, der die Hundeliebhaberin begleitet – und sie im Rollstuhl schiebt. „Und selbstverständlich kümmert sich nicht der 60er-Fan um den FC-Bayern Fan“, so die Koordinatorin weiter. „Wir lachen, wir weinen zusammen, entlasten Angehörige.“ Und wenn ein sterbender Patient in der Gautinger Asklepios-Lungenfachklinik noch eine rauchen wolle, „ermöglichen wir das mit einem Strohhalm“ – auch wenn der Arzt das verboten hat“, verriet Jettenberger. Asklepios-Oberarzt und Vize-Bürgermeister Dr. Jürgen Sklarek, der im Publikum saß, vernahms mit gutmütigem Lächeln. „Ich bin immer wieder berührt von den Lebensgeschichten“, zitierte Jettenberger eine 51-jährige Hospizbegleiterin. Diese Arbeit sei einfach sehr bereichernd.

„Sie geben den Menschen am Ende ihres Lebens die Würde, Kraft und Zuversicht“, dankte Bürgermeisterin Kössinger der AHD-Leiterin Carola Riedner. Der evangelische Pfarrer Dr. Gerhard Pfister, der Arzt Dr. Peter Spaich und die Sozialpädagogin Elizabeth d‘Elsa bildeten schon vor vielen Jahren die ersten 36 Hospizbegleiter aus, erinnerte die Bürgermeisterin. 2006 gründete schließlich Psychoonkologin Riedner den AHD unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirche. „Sie opfern Ihre Zeit Menschen, damit sie am Ende ihres Lebens in Ruhe sterben dürfen“, dankte die Bürgermeisterin Riedner und ihren Hospizbegleitern für deren „selbstlose Nächstenliebe“.

„Ich war sprachlos, als mir die Bürgermeisterin mitteilte, dass mir der Gemeinderat die Bürgermedaille verleiht“, erklärte Riedner glücklich. Der einstimmige Ratsbeschluss zeige: „Die Hospizidee ist in Gauting angekommen und bei den Bürgern verwurzelt.“ Mit dem passenden Lied „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ von Ludwig van Beethoven gratulierte auch der Kammerchor des Collegium Bratanium seiner „lieben Carola“. Begeisterter Applaus brauste danach im Foyer des Gautinger Rathauses auf.

Christine Cless-Wesle

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