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Aus dem Gerichtssaal

Bewährung für Kiffer, der zum Dealer wurde

Ein 21-jähriger Gautinger, der sieben Jahre lang Marihuana geraucht und zuletzt auch damit gehandelt hat, ist mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Gauting – „Sie haben hier Ihren Willen bekundet und es auch untermauert, Ihr Leben auf eine andere Grundlage zu stellen“, bescheinigte Jugendrichter Ralf Jehle einem Gautinger (21), der wegen verbotenen Handeltreibens mit Marihuana in nicht geringer Menge sowie wegen verbotener Aufzucht von Cannabis-Pflanzen zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Diese vom Schöffengericht unter Jehles Vorsitz zugestandene Bewährung wäre nicht ohne die Geständigkeit des Angeklagten zu Stande gekommen. Denn der Richter sah in seiner Urteilsbegründung durchaus noch „schädliche Neigungen“ bei dem jungen Mann gegeben, obwohl der mittlerweile einer geregelten Arbeit nachgeht und anscheinend von seinem früheren Umfeld Abstand gewonnen hat. „Ich konsumiere seit fast zwei Monaten keine Drogen mehr“, beteuerte der einstige Intensiv-Kiffer. Nach eigenen Angaben hatte er mit 14 Jahren seine „Laufbahn“ begonnen und bis zu seinem Auffliegen als Marihuana-Händler täglich bis zu sechs Gramm weggeraucht. „Mein Konsum war so stark, dass ich irgendwann kein Geld mehr hatte“, erklärte er dem Gericht, warum er zur Finanzierung des Eigenverbrauchs „in diese Sache reingeschlittert“ war, wie seine Pflichtverteidigerin es ausdrückte.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der 21-Jährige zwischen Anfang Juli 2015 und Ende Februar 2016 bei einem Germeringer Großdealer in zwei Fällen zwischen 100 und 200 Gramm Marihuana gekauft und dies später mit 1,50 Euro Aufschlag pro Gramm weiter veräußert. Als die Kripo Fürstenfeldbruck Ende Januar 2017 eine Wohnungsdurchsuchung des noch bei seinen Eltern lebenden Gautingers durchführte, wurden mindestens elf 100-Gramm-Packungen Rauchdrogen und etliche Zipp-Verschluss-Beutel mit entsprechenden Anhaftungen und Fingerabdrücken sichergestellt. Eine Sachverständige des Landeskriminalamts ermittelte daraus einen reinen THC-Wirkstoffgehalt, der die Anklage der „nicht geringen Menge“ begründete: Insgesamt rechnete man den Fund auf bis zu 1,1 Kilogramm Marihuana hoch.

Der Germeringer Verkäufer dieser Mengen hatte laut einem Zeugen der Kripo Fürstenfeldbruck einen stillgelegten Pkw als „Drogen-Bunker“ benutzt, bis ihn die Polizei festnahm, die das alles schon länger observiert und auch das Telefon des Dealers abgehört hatte. Derzeit sitzt der Mann in U-Haft und wartet auf seinen im Januar anstehenden Strafprozess am Landgericht München.

Dem in Starnberg verurteilten Gautinger gab das Schöffengericht eine Reihe Auflagen mit auf den Weg, die den jungen Mann stabilisieren sollen: einen Bewährungshelfer, einen sozialen Betreuer der „Brücke Starnberg“ und für zehn Monate ein regelmäßiges Drogenscreening, um seine verordnete Abstinenz nachzuweisen, dazu fünf Anti-Drogen-Beratungsgespräche bei Condrobs.

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