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Griechisches Weihnachtsessen: Efthimios Papaioannou und das Spanferkel

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Von: Stephan Müller-Wendlandt

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Vorbereitungen fürs Weihnachtsessen: Koch Konstantionos Papachristos (l.) und Inhaber Efthimios Papaioannou im Gautinger Lokal „Mythos“.
Vorbereitungen fürs Weihnachtsessen: Koch Konstantionos Papachristos (l.) und Inhaber Efthimios Papaioannou im Gautinger Lokal „Mythos“. © Andrea Jaksch

Der Inhaber des Gautinger Lokals „Mythos“, Efthimios Papaioannou, erzählt über griechische Weihnachtstraditionen.

Gauting – Gebratene Ente oder ein anderes Federvieh, Karpfen blau sowie Wildgerichte stehen bei den Deutschen oben auf der Beliebtheitsskala für ein Weihnachtsessen. An Heiligabend halten Würstl mit Kartoffelsalat oder Kraut die Spitzenposition, gefolgt von Fondue und Raclette. Dass es auch anders geht, beweisen die Menüempfehlungen von Küchenchefs und Wirten aus dem Landkreis, allesamt Vertreter der vielfältigen europäischen Esskulturen. Diesmal stellen wir ein Rezept von Efthimios Papaioannou, Inhaber des Restaurants „Mythos“ in Gauting, vor: Spanferkel aus dem Ofen.

Spätestens, wenn der Duft trocknender Mandarinenschalen und gerösteter Kastanien durch die Wohnung zog, war den Geschwistern Papaioannou klar: Weihnachten steht vor der Tür. Daran erinnert sich Efthimios Papaioannou noch heute, als wäre es gestern gewesen. Der 49-jährige griechisch-stämmige Gastronom betreibt seit 2013 das Restaurant „Mythos“ an der Münchener Straße.

„Mitte Dezember begann unsere Mutter mit den Weihnachtsvorbereitungen“, erzählt Papaioannou. Das erschöpfte sich nicht im Trocknen der Mandarinenschalen. Es wurde auch allerlei Gebäck bereitet. Beliebt waren eine Art Vanillekipferl sowie ein Nussgebäck, das mit reichlich süßem Sirup überzogen wird. Die Tradition hatte die Familie Ende der 1960er Jahre mit nach Deutschland gebracht. „Als Gastarbeiter waren die Eltern gekommen. Sie hatten damals die Wahl, Deutschland oder Australien“, sagt Sohn Efthimios, „sie haben sich für Deutschland entschieden, da nicht so weit weg ist von der alten Heimat.“ Die Familie war in Offenbach gelandet. Dort wurde Efthimios geboren als mittleres von drei Kindern. Neben dem zwei Jahre älteren Bruder (er lebt heute in Söcking) hat er noch eine 1984 zur Welt gekommene Schwestern, die in Gauting wohnt. Bald zog die Familie nach Bremen, dort wurden Eltern mit Onkel und Tante in der Gastronomie tätig. Später ging die Reise weiter nach Aurich (Ostfriesland), dort eröffneten Vater und Onkel ein Lokal. „Das war nicht gerade von Erfolg gekrönt“, weiß Efthimios. So zog der Tross nach München und eröffnete das „Plaka“. Nächste Station war ab 1988 Gauting mit der Gründung des Restaurants „Sirtaki“. Efthimios, der eine Lehre zum Elektroinstallateur begonnen hatte, stieg dort in das Familiengeschäft ein. 2001 heuerte im Münchener Hofbräuhaus an. Nach dem Tod der Mutter fanden Vater und Sohn wieder zusammen, sie eröffneten amEnde 2013 das „Mythos“. Drei Jahre später setzte sich der Vater zur Ruhe und kehrte zurück in die alte Heimat in der Region Thessalien.

An den überlieferten und auch in der Familie gelebten Traditionen hält Efthimios Papaioannou fest. Das gilt auch und besonders für Weihnachten. „Das ist ein Fest für die gesamte Familie“, erzählt er. Da seien alle Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins zusammengekommen. „Es geht bei uns nicht unbedingt um Geschenke“, erklärt der Wirt. Die Gäste hätten Wein und Selbstgebackenes mitgebracht. Wichtig sei das Festessen gewesen. Das wurde nicht als Menü nach und nach aufgefahren. Es wurde alles auf den Tisch gestellt: das in Griechenland an Weihnachten typische Spanferkel, dazu gab es eine Art Gulasch, Brot, Kartoffeln aus dem Ofen, grünen Salat oder Bauernsalat mit Tomaten, Oliven und Schafskäse. „Die griechische Küche ist einfach, wir verwenden nur die nötigsten Gewürze, um den Eigengeschmack der Hauptzutat eines Gerichtes nicht zu verfälschen“, sagt Papaioannou. Deshalb wird auch heuer am Heiligen Abend für alle Mitarbeiter des Restaurants Spanferkel und Lauchgulasch aufgetischt.

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