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Ärgerliches Hindernis: In schmalen Straßen wie im Stockdorfer Dichterviertel kann der Bauhof-Schneepflug häufig wegen geparkter Autos nicht richtig räumen. 

Winterdienst

Schon 566,6 Tonnen Streusalz verbraucht

Bei Schneefall sind die Räumfahrzeuge des Gautinger Bauhofes bereits ab 4 Uhr morgens unterwegs. Bauhofleiter Johannes Roth wünscht sich von den Bürgern mehr Verständnis.

Gauting – Klirrende Kälte: 18,6 Grad unter Null zeigte die Quecksilbersäule gestern um sechs Uhr morgens. Doch für Johannes Roth beginnt die Schicht noch früher. Im Winter muss der Gautinger Bauhofleiter derzeit schon zwischen 2 und 3 Uhr in der Nacht aus den Federn, um die aktuelle Schneelage zu kontrollieren. Im Gemeindegebiet Gauting sind nämlich 100 Straßenkilometer zu räumen und zu streuen.

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ – so das Motto des Winterdienstes in Gauting, erklärt Roth in seinem Büro an der Grubmühlerfeldstraße. Weil der Bauhofleiter gelernter Gärtnermeister ist, hat er den Umweltschutz trotz gemeindlicher Streupflicht stets im Blick. Doch in diesem Winter wurden bis 21. Februar schon 566,6 Tonnen Streusalz verbraucht. Im Vorjahr waren es bis Ende April nur 480,4 Tonnen.

Täglich sind beim „Fußdienst“, also beim Räumen von schmalen Gehwegen oder Stegen, acht Bauhofmitarbeiter und drei Externe im Einsatz. Im Fahrdienst arbeiten zehn Bauhof-Angestellte und ein externer Dienstleister, sagt Roth. Wenn es schneit, setzt der Bauhof-Chef seine Fahrer in Marsch: 14 Fahrzeuge vom Bauhof und vier vom externen Dienstleister sind im Gemeindegebiet im Einsatz. Die Temperaturen seien sehr unterschiedlich, erzählt Bauhof-Vize Harald Krafcsik: Manchmal seien in Stockdorf die Straßen noch schwarz – in Gauting fahre man jedoch schon über Schnee. Eine extreme Wetterscheide gebe es in Oberbrunn. „Am 25. Januar hatten wir dort 5 Grad plus und in Stockdorf nur minus 0,5 Grad mit Schneefall“, liest Krafczik aus seinem Buch.

Im Hof wirft Michael F. seinen Schneepflug an. Weil auf der Facebook-Gruppe „82131 Gauting“ gerade der örtliche Winterdienst angeprangert worden ist, will der Bauhofmitarbeiter seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Übers Grubmühlerfeld fährt er bis Stockdorf. „Bei Schneefall ruft mich Herr Roth schon um 3 Uhr an“, erzählt der Bauhofmitarbeiter. Ab 4 Uhr räume er dann die von Schülern stark frequentierte Radstrecke durchs Grubmühlerfeld Richtung Schulcampus Gauting. Von der Staatsstraße lenkt Michael F. sein Fahrzeug mit dem 2,50 Meter breiten Pflug ins Stockdorfer Dichterviertel: „Wir machen unseren Job ja gern“, sagt der Bauhofmitarbeiter, der seit 20 Jahren dabei ist. Aber wenn die Leute so gar nicht mitdächten, sei das ärgerlich. Schon an der schmalen Ganghoferstraße steht das erste Hindernis – wie üblich der Hähnchen-Grill-Transporter. Vom schmalen Gehsteig gegenüber rutsche da sein Pflug auf den Transporter, erklärt Michael F.. Deshalb könne er an dieser Stelle nicht räumen. Für den Fall, dass anschließend etwa ein Radler auf dem Eis ausrutscht, dokumentiere er deshalb das Fahrzeug mit Kfz-Kennzeichen: Kommt es nach einem Unfall zum Prozess, werden die Bauhofmitarbeiter nämlich vom Gericht als Zeugen vernommen. An der Ludwig-Thoma-/Ecke Heimstraße muss Michael F. den Pflug gleich viermal zurücksetzen, um an der Kurve mit parkenden Autos durchzukommen.

Mehr Verständnis wünscht sich Bauhofleiter Johannes Roth, der gestern schon wieder eine Bürgerbeschwerde auf dem Tisch hatte: Für den Geschmack eines Gautingers kam das Räumfahrzeug nämlich zu früh – er werde da in seinem Schlaf gestört.

Christine Cless-Wesle

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