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Das Wunder der Geburt: Gautinger Hebamme betreut Neugeborene auch an Weihnachten

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Hebamme aus Leidenschaft: Sabine Knape.
Hebamme aus Leidenschaft: Sabine Knape . © Andrea Jaksch

„Ich finde es immer schön, wenn ich bei der Geburt dabei sein darf und dem Kind in dem Umfeld, in dem es leben wird, einen guten Anfang gebe“, sagt Sabine Knape. Auch an Weihnachten, wenn die Welt Christi Geburt feiert, betreut Sabine Knape Frauen, die an diesem Tag ihr Kind zu Hause zur Welt bringen.

Hausen – Gerade jetzt, in Pandemiezeiten, ist die Nachfrage nach Hausgeburten enorm gestiegen, sagt die erfahrene Hebamme Sabine Knape. Im eigenen Haus mit Garten in Hausen betreibt die Ehefrau des Grünen-Gemeinderats Hans-Wilhelm Knape ihre Hebammenpraxis. Sie ist gar nicht so einfach zu erreichen und meistens unterwegs. „Ich warte jetzt auf zwei Geburten“, erzählt sie auf dem Weg zu einer Geburt in Landshut am Telefon. Eine andere Frau, die sie betreut, „hat am zweiten Weihnachtstag Termin“. Aber Kinder halten sich bei ihrer Geburt bekanntlich nicht an errechnete Termine. Deshalb kann es schon vorkommen, dass sie an einem einzigen Tag „von einer Geburt zur nächsten“ gerufen wird, erzählt die Hebamme.

„Meine wildeste Nacht war, als ich morgens um halb fünf zu einer Geburt nach Dachau gerufen wurde: Als ich noch auf der Autobahn war, kam schon der nächste Anruf aus Augsburg. Es war ein Riesenglück, dass die erste Hausgeburt in Dachau komplikationsfrei verlief“, erinnert sich Knape. So sei sie rechtzeitig bei den nächsten beiden Geburten in Augsburg gewesen. „Zwischen 5.30 und 12.30 Uhr habe ich damals drei Kindern auf die Welt geholfen.“ In Augsburg habe sie sich aber noch eine Kollegin zur Unterstützung geholt, sagt Knape. Denn sie habe ein Einzugsgebiet von 100 Kilometern. Deshalb arbeite sie im Team mit vier Kolleginnen. „Wenn Paare das wünschen, kommen wir auch zu zweit zur Geburt“, betont Knape.

„Schwangere, die bei mir entbinden, müssen auch zu mir zur Vorsorge kommen“, sagt die Hebamme. Ausschließlich Wochenbettbetreuungen biete sie nicht an. Denn da müsste sie im 20-Minuten-Takt die von den Krankenkassen bezahlten Hausbesuche absolvieren, damit sich ihr Einsatz rentiere. Für Wochenbett-Betreuungen nach Hausgeburten nehme sie sich aber mehr Zeit, als die von den Kassen veranschlagten 20 Minuten. „Denn ich verstehe mich als Familienhebamme“, sagt Knape. Wenn eine Mutter, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hat, zum Beispiel beim Stillen plötzlich einen Milchstau habe, frage sie nach: „Warum geht‘s dir nicht gut?“ Viele Säuglinge und Kinder schliefen gern im Bett bei den Eltern. Wenn die Großmutter dann aber warne: „Den kriegst du nie wieder aus deinem Bett“, verunsichere das. Grundsätzlich bestärke sie die Frauen in dem, was sie tun. „Damit sie sich selber vertrauen.“

Gerade in diesen Zeiten sei es für die Gebärende wichtig, dass sie den Kindsvater an ihrer Seite haben. Weil das wegen der Infektionsgefahr in manchen Kliniken oft nicht möglich ist, entschieden sich immer mehr Paare für Hausgeburten. Die „Qualitätssicherung hausgeburtliche Geburtshilfe“ habe wegen der großen Nachfrage heuer „100 Hebammen mehr versichert“, weiß Sabine Knape.

Auch neun ihrer zehn Enkelkinder waren Hausgeburten mit ihr als Hebamme. Am zweiten Weihnachtstag 2013 betreute Knape ihre Tochter bei der komplikationsfreien Entbindung ihres zweiten Kindes, der heute achtjährigen Enya. Und auch ein „Christkind“ hat Knape schon erlebt: Vor zwölf Jahren unterstützte die Hebamme eine Gebärende morgens am 24. Dezember. Das Kind sei ziemlich plötzlich da gewesen. „Der Vater stellte fest: Oh, wir haben ja heute Heiligabend: Da müssen wir ja nun auch immer den Geburtstag unseres Kindes feiern.“ cc

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