Der Chef und sein Schützling: Mario Nast von den Unterbrunner „Gartenzwergen“ hat Marthins Regbenyen durch das gesamte Verfahren begleitet.
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Der Chef und sein Schützling: Mario Nast von den Unterbrunner „Gartenzwergen“ hat Marthins Regbenyen durch das gesamte Verfahren begleitet.

Erfolgreiche Integration

Erfolgsgeschichte im Garten

Wie Integration funktionieren kann, zeigen die Unterbrunner „Gartenzwerge“. Marthins Regbenyen hat den Gesellenbrief – auch dank seines Chefs.

Unterbrunn – Mit viel persönlichem Einsatz schaffte es Mario Nast (39), Chef der heuer als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb prämierten „Gartenzwerge“ in Unterbrunn, einen Flüchtling in sein Team zu integrieren. Der Nigerianer Marthins Regbenyen (25) „fing bei uns Anfang 2016 an und hat jetzt seine Gesellenabschlussprüfung bestanden“, sagt der Gärtnermeister und Techniker mit verhaltenem Stolz.

„Martin“, wie seine Kolleginnen und Kollegen den heute 25-Jährigen nennen, kam mit dem ersten großen Flüchtlingsstrom nach Europa. Bereits als 14-Jähriger sei der getaufte Christ vor „Boko Haram“ geflüchtet. Denn die Terrorgruppe habe verlangt, dass er Muslim wird und ihm mit dem Tode gedroht. Mario Nast kennt den Lebensweg genau, denn der Chef der „Gartenzwerge“ hat seinen heutigen Gärtnergesellen durchs gesamte Asylbewerber- und Arbeitserlaubnis-Verfahren begleitet.

Über Syrien und Italien sei der junge Flüchtling aus Nigeria in der Unterkunft Starnberg gelandet. Mit zwei weiteren Flüchtlingen habe sich „Martin“ im Unterbrunner Gartenbaubetrieb als Azubi beworben. Nach der Probearbeit habe er gesehen, dass „er zu uns passt und motiviert ist“, sagt der Chef. Zunächst habe er sich mit dem Nigerianer auf Englisch, nach und nach auf Deutsch verständigt. Doch die kulturellen Unterschiede, die deutsche Sprache, „das Dokumentieren lernen“, die Berufsschule waren nicht nur für den Flüchtling, sondern auch für ihn selbst eine Herausforderung. Er habe erst einmal das Vertrauen des Nigerianers gewinnen müssen und sich persönlich um den Azubi gekümmert.

Unterstützt wurde Nast von „Willkommenslotsin“ Susann Liebe vom Bayerischen Verband Landschafts- und Gartenbau. Irgendwann sei er an einem Punkt gewesen, an dem er für das langwierige Verfahren keinen Nerv mehr hatte. „Doch ich kämpfte mich weiter durch.“ Beim Passantrag seines Azubis war Gärtnermeister Nast persönlich dabei: Sein Schützling, „der für mich wie ein Bruder ist“, sei der einzige Antragsteller gewesen, der sämtliche Dokumente für den Pass beisammen hatte, habe es auf der Botschaft in Berlin geheißen. Doch obwohl Regbenyen die Gesellenprüfung als Gärtner in der Tasche und bei ihm Arbeit habe, ändere die abgeschlossene Ausbildung „nichts an seinem Status“. Sein Geselle sei von den Behörden nur geduldet. Für den Aufenthaltstitel benötige der Flüchtling eine eigene Wohnung und müsse Selbstversorger sein. Der Antrag für den Aufenthaltstitel, der weiter in der Flüchtlingsunterkunft wohnt, laufe noch.

Ein Gespräch mit Marthins Regbenyen war gestern nicht möglich – der Gärtner war dauernd unterwegs für die „Gartenzwerge“. Derweil herrschte am gestrigen „Girl‘s Day“ Hochbetrieb: „Unser Laden ist heute voll“ mit künftigen Azubi-Anwärterinnen, erzählt Nast. Sein Unternehmen zählt 52 Mitarbeiter und zehn Azubis.

Christine Cless-Wesle

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